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  • TomGard (1)

878 Beiträge seit 11.03.2020

Nachdem ich mich über die Fallumstände belesen habe ...

erscheint er mir einfach.

Nachdem die Ärzte in Omsk und der Charité übereinstimmend keine Anzeichen einer Grunderkrankung, einer Hirn- oder Herzkatastrophe gefunden haben, bleiben in der Tat Vergiftung oder eine schwierig zu diagnostizierende Stoffwechselstörung.
Letztere ist jedoch aufgrund Navalnys Lebensalter und gemäß den Angaben seines Arztes und Familie praktisch auszuschließen.

Vorgeschichte und Umstände seines Zusammenbruches lassen schwerlich eine andere Deutung zu, als daß Navalny eine nicht letale Dosis eines rasch wirksames Giftes (1) während des Fluges verabreicht wurde. Das hat er nach allen mir vorliegenden Zeugnissen nur selbst tun können, vermutlich unwissentlich.
Folglich liegt ein Anschlag aus seinem engsten Umfeld vor, jedoch mit einer Substanz, zu der Privatpersonen keinen Zugang haben, was Familie, Freunde, Mitarbeiter vordergründig außer Verdacht stellen würde.

Die Ärzte in Omsk erkannten das, die behandelten Ärzte der Charité wurden gebrieft. Die Anzeichen einer Cholinesterase - Hemmung können Navalnys Zustand nicht erklären - wesentliche Kennzeichen einer hohen Dosis aus der Stofffamilie fehlten, sie sind ein Nebensymptom und "Red-Herring".

Die Verlegung Navalnys erfolgte, nachdem Labore in Moskau das Gift identifiziert, oder zumindest klare metabolische Hinweise auf seine Natur gewonnen hatten und entschieden wurde, daß eine Offenlegung vor dem gegebenen politischen Hintergrund nicht in Frage komme. Mit der Verlegung in die Charité entsteht eine politische Patt-Situation auf der Basis der identifizierbaren Blutproben in Moskau UND Deutschland. Wenn die Charité nichts entdecken will, könnte Moskau veröffentlichen, weil das Ergebnis anhand der deutschen Proben überprüfbar ist, müßte aber nicht. Wenn die Charité nachweist, Navalny habe das Gift im Flieger zu sich genommen, ist Moskau aus der Verlegenheit.

Im Fall Wersilow könnte es ähnlich gelaufen sein. Außer einem pflichtschuldigen Generalverdacht aus dem Munde des kaufmännischen Vorstandes der Charité kam nichts dabei herum. Doch daß die Charité diesmal auf denkbar unprofessionelle Weise eine "Spur" legte, könnte man so verstehen, daß sie damit ankündige, mit einer korrekten Diagnose heraus rücken zu wollen.

(1) Logikfehler: Die Kalkulation des Anschlages ging nicht auf, weil der oder die Täter annahmen, die Crew könne oder werde nicht rechtzeitig reagieren.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (25.08.2020 20:10).

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