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  • bit4me

mehr als 1000 Beiträge seit 15.12.2010

@Autor: So kann man es eigentlich nicht machen

Das sequentielle Aufreihen von geschichtlichen Daten unter dem Thema
"Nazis gegen Hitler" ist schon ein dolles Stück von geschichtlicher
Auffassung, welches man nett unter dem Kapitel Propaganda abhaken
kann. Ich will das auch näher ausführen. Die Affinität zu den Linken
liegt nicht etwa in der Organisation des Materialismus, sondern im
Nationalismus jener Zeit.

Ziel von Faschisten war es immer, das eigene "Vaterland" erblühen zu
lassen. Hitler hat es in "Mein Kampf" sehr schön beschrieben, indem
er den Dienst eines jeden an der Nation einfordert, natürlich ohne
wenn und aber. Die Differenzen begannen dort, wo geregelt werden
sollte, ob die Wirtschaft sozusagen gleich in eine (Kriegs-)
Wirtschaft wie im ersten WK zugunsten der Nation konvertiert werden
sollte oder nur die Führer der Betriebe sich dem Staat zu
verpflichtem hatten. Die Sozen sprachen 1915 schon vom Sozialismus,
als die notwendig gewordene Kriegswirtschaft einzog und das Militär
die Industrie beaufsichtige. (Marx dürfte im Grabe rotiert haben) Der
Adel als Feindbild ist schon deshalb kein Problem auf rechter Seite,
weil der Adel nie sonderlich
als Vorkämpfer für die Nation auffiel und seine Privilegien gegen 
die Nation verteidigte.

Was die Faschisten von einem Teil der Basis der Sozen und den
Kommunisten gewaltig unterscheidet, das sie eine Lösung von oben
bevorzugten, die alles in den Dienst der Nation stellt. Deswegen
können Rechte auch Antiimperialisten sein, wenn eine konkurrierende
Nation erfolgreicher beim Imperialismus agiert. Das ist auf rechter
Seite nichts anderes als der Neid auf den Erfolg einer anderen
Nation. In dem Augenblick, in dem die eigene militärische Macht nur
gross genug zu sein scheint, wird natürlich losgeschlagen, um die
Position der eigenen Nation zu verbessern. Die Agitation gegen das
Kapital ging dann auch nur so lange, wie diese nicht in den Dienst
der Nation gestellt war.

Für Kommunisten stand (eigentlich) fest, dass nach einer
Übergangszeit der Staat überflüssig werden würde. Strasser hingegen
sprach auch immer von einem Sozialismus auf nationaler Basis und der
kennt nichts weiter als dem Obrigkeitsstaat, allerdings garniert mit
der Verwaltung der Industrie durch den Staat. Das hätte Sozen sehr
gefallen, die das gerne als Sozialismus bezeichnet hätten und haben
es in Schweden auch so teilweise durchgezogen. Solche dummen Ideen
geistern schliesslich auch heute noch durch die Heise-Foren, wenn die
Schreiber sich dafür begeistern, sich einer Obrigkeit auszuliefern,
die auch noch ihren eigenen Materialismus bis ins letzte
kontrolliert. Dumm sind diese Ideen deshalb, weil das eigene
Interesse bei einer solchen Position nichts gilt.

Eduard Bernstein, der Reformer und Vorläufer der modernen SPD hat es
1899 nett ausgedrückt: 

„Im weiteren Verlaufe wird das Nationale so gut sozialistisch sein
wie das Munizipale. Nennen sich doch schon heute Sozialisten
demokratischer Staatswesen gern Nationalisten.“

Der Antisemitismus auf rechter Seite, war immer dadurch geprägt, dass
aktive gläubige Juden sich als geschlossene Gruppe definierten, aber
ohne Land waren. Jude war man, wenn es die Mutter war. Damit waren
Juden aber aus nationaler Sicht ein Volk ohne Land und parasitieren
überall auf dieser Erde. Damit wurden auch Juden zu den Schuldigen
für das Desaster des 1. WK. Sehr schön ist das in "Mein Kampf"
nachzulesen. Mehr braucht es im Denken eines Nationalisten nicht, um
auf das KZ zu kommen.  

Es wird aus meiner Sicht immer diesen Dualismus bei Faschisten geben,
der zwischen Staatssozialismus und der Wirtschaft im Dienste der
Nation unterscheidet und je nach Zeit auch verschieden gelöst wird. 

Das was einen Demokraten von Heute von den Faschisten von damals
unterscheidet ist hauptsächlich, dass der direkte Dienst an der
Nation nicht mehr als die entscheidende Waffe für das Wohlergehen der
Nation gesehen wird.  Die Demokratie hat sich im
obrigkeitsstaatlichen Verhältnis zum Bürger als flexibler und
erfolgreicher dargestellt, weil sie ihre Bürger davon überzeugt hat,
es gibt keine Alternative. Es braucht keinen Repressionsapparat.

Der Artikel stellte eine Art Deckungsgleichheit zwischen Links und
Rechts her, führt dieses aber nicht aus. Der Begriff Sozialismus wird
nicht untersucht, was er denn nun meint. Das kann offenbar ganz
verschieden ausfallen. 

Zum Thema Nationalismus: 

> http://www.fhuisken.de/Rechtsex.htm
> http://doku.argudiss.de/data/11_11/nationalismus_mr_1111_ges.mp3


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