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Zivilisationskrise

Wir müssen uns an eine Sache gewöhnen: So, wie wir bisher gelebt
haben, wird es nicht mehr ewig weitergehen. Unser von der Spätphase
des Industrialismus (ab 1950) hervorgebrachter Lebensstil ist sowas
von verschwenderisch, inhärent instabil und nicht nachhaltig, daß er
früher oder später kollabieren muß.

Und jetzt sag bitte niemand, daß wir nicht zurück können - wenn eine
Zivilisation zusammenbricht (und jede Zivilisation ist irgendwann
zusammengebrochen - unsere wird einen langsamen Niedergang erleiden,
wie damals das römische Reich, aber in 100-200 Jahren wird davon
nicht mehr viel übrig sein), leben die Menschen trotzdem irgendwie
weiter.

Anstatt zu gucken, wie wir diese Zivilisation retten, sollten wir
lieber mal gucken, wie wir die Grundlagen, auf denen IRGENDEINE
Zivilisation aufbauen kann, so robust und nachhaltig wie möglich
machen. Es wird keine Zivilisation mehr nach uns geben, die dermaßen
verschwenderisch sein kann, wie wir es waren, weil die fossilen
Brennstoffe eben nur einmal verbrannt werden können. Spätere
Zivilisationen werden stattdessen maximal auf einem Niveau der alten
Römer leben können - was aber auch schon recht ordentlich ist.

Wir sollten zusehen, wie wir die großartigsten Errungenschaften
dieser Zivilisation - etwa den Computer und das Internet - so
umgestalten, daß sie robust und nachhaltig werden. Das bedeutet etwa
im Falle der Computer: Nicht immer mehr Leistung, sondern die gleiche
Leistung mit immer weniger Ressourceneinsatz, längere Lebensdauer
anstreben, Geräte leichter reparierbar machen, Energie aus
Solarzellen, Wind- und Wasserrädern anstelle von Großkraftwerken,
selbst wenn der Strom dann nicht so verläßlich ist, mehr dezentrale
Strukturen, p2p-artige Mesh-Netzwerke anstelle von dicken Backbones,
die viel Strom verschlingen (auch, wenn das Netz dann lahmarschig
wird wie ein 80er-Jahre-Akustikkoppler - wichtig ist, daß es
überhaupt läuft, wenig Strom verbraucht, der mit alternativen
Energien dezentral erzeugt werden kann)...

Es wird keinen plötzlichen Zusammenbruch geben, sondern einfach nur
langsam und stetig bergab gehen, solange wir leben, und auch noch in
den Zeiten unserer Kinder und Enkel. Unsere Urenkel könnten
vielleicht schon in der Talsohle angekommen sein, vielleicht auch
nicht.
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