Avatar von Pnyx (1)
  • Pnyx (1)

mehr als 1000 Beiträge seit 01.07.2017

Schafspelz

Das ist besonders perfid. Ein Wolf im Schafspelz. Die Autoindustrie, die einen schickt, der die Autoindustrie kritisiert, um, wie sie es seit Jahrzehnten tut, weiteren Sand ins E-Getriebe zu streuen.

Merke: Kein traditioneller Autokonzern hat auch nur die geringste Motivation auf Elektroantrieb umzusteigen. Das invalidiert riesige Investitionen und jede Menge Know how. Und wenn ein Konzern etwas hasst, ist es Investitionen tätigen zu müssen.

Als ich zu dieser Behauptung kam...

die Herstellung jedes E-Pkw ist mit massiv mehr CO2-Verbrauch verbunden als die Herstellung eines herkömmlichen Pkw.

... bin ich definitiv wütend geworden. Das ist eine plumpe Lüge. Dem Mehraufwand für den Akku steht ein Minderaufwand beim Motor gegenüber. Jetzt, da die Konzerne in der Defensive sind, geben sie zu, dass die Herstellung eines E-Autos weniger aufwendig ist - natürlich nur um hervorzustreichen, dass Arbeitsplätze verloren gehen werden. Die Entwicklung der Akkus bleibt nicht stehen, sie werden jährlich effizienter. Der Wirkungsgrad eines E-Motors ist weit höher als derjenige eines Verbrenners.

Selbstverständlich sind Autos mit E-Motoren nicht die Panazea gegen die Klimaerhitzung. Aber hat das irgendwer behauptet? Schon nur, dass sie Städte ruhiger machen und zu einer besseren Luftqualität beitragen ist ein Riesenvorteil.

(Dazu: Diverse Sharing-Formen führen zu weniger Autos. Der Anteil der Autobesitzer bei den jüngeren Jahrgängen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Es sind die über 40- und erst recht, die über 50-Jährigen, die glauben ohne eigenes Auto seien sie gleichsam amputiert. Je älter, umso vergifteter Auto-Verteidiger.)

Dann noch ein wenig vages China-Bashing, soll wohl auf globalen Durchblick verweisen. Natürlich pusht China E-Autos nicht aus Umweltschutzgründen, sondern wegen der extremen Smog-Problematik in chinesischen Städten und logischerweise, weil China beim Erdöl zu über 70 Prozent auf Importe angewiesen ist. Das ändert aber nichts an der relativen Sinnhaftigkeit von E-Motorrädern und -Autos.

Auch die übrigen Argumente sind bestenfalls tendenziös, wenn nicht schlicht gelogen. Wenn etwa drauf hingewiesen wird, dass E-Autos bis heute hauptsächlich im sogenannten Premium-Bereich angesiedelt sind. Das hat schlicht den Grund, dass im Hochpreissegment der teure Akku relativ zum Rest des Autos günstiger ist, also weniger ins Gewicht fällt. Die Akkus werden aber sehr schnell günstiger...

Und auch die abschliessenden Unkereien bezüglich Ladestationen fallen in dieselbe Kategorie. Es stimmt schon, dass die Umstellung aufwendig und nicht problemlos ist, aber es gibt, wie schon gesagt, technische Fortschritte. Die Ladedauer wird abnehmen. In Norwegen ist der Anteil an E-Autos bekanntlich schon beachtlich, steigt auch munter weiter. Offenbar sind die Probleme lösbar. (Norwegen hat keine eigne Autoindustrie...) An der Stromproduktion liegts nicht. Deutschland exportiert kräftig Strom. Abzuschaltende Kraftwerke werden ersetzt durch neue. Auch bei Totalumstellung auf Strom würde der Mobilitätsverbrauch nicht über 20 Prozent der Produktionskapazität steigen. Und wie gesagt, die nationale Flotte muss und wird kleiner werden.

Kurz; ein extrem ärgerlicher Beitrag, dem es massiv an Wahrhaftigkeit fehlt. Will ich bei Telepolis nicht lesen.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (08.05.2019 04:00).

Bewerten
- +
Anzeige