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  • etwasvernunft

mehr als 1000 Beiträge seit 03.09.2012

Lieber Herr Grassmann, das Wichtigste haben Sie unter den Tisch ...

... fallen gelassen. Selbstverständlich ist es hilfreich für ein Ministeramt, Fachkunde zu haben. Aber viel wichtiger ist die charakterliche Eignung und die Erfahrung mit Menschen in hierarchischen Organisationen für ein Führungsamt.

Bei Ihrem Werdegang brauche ich das eigentlich nicht zu betonen, aber eine Führungskraft braucht die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, was auch heißt, bei Fehlern der unteren Etagen ggf. zurück zu treten (*). Wann ist in jüngerer Vergangenheit mal ein Minister zurück getreten? Eine Führungskraft beweist sich darin, dass sie in ihrem Umfeld möglichst gute Leute hat ("first class men hire first class men, second class men hire third class men"), die mehr wissen als man selbst. (Mein Professor am Institut wies immer mal wieder auf den alten Sommerfeld hin, der auf seine Schüler Heisenberg et. al hingewiesen gesagt haben soll, sie seien alle viel klüger als er.) Und eine gute Führungskraft weiß um die Grenzen der eigenen Fähigkeiten und handelt danach.

Seine Aufgabe ist nicht, mehr zu wissen oder besser zu sein als seine Leute, sondern er muss die richtigen Fragen stellen, er muss merken, wann er hinter die Fichte geführt werden soll, er muss hinreichend gute Kontakte bis hin zur Basis seiner Organisation pflegen, um zu wissen, was seine Leute in der Realität leisten, kurz: er muss die menschlichen Schwächen seiner Mitarbeiter einschätzen können. Und er ist die Instanz, die den Gesamtüberblick haben muss, also im Beispiel Corona für die Entscheidung zwischen schlechten Alternativen wie Gesundheitssystem und Ökonomie. Dies nach sorgfältiger Abwägung der Argumente des für und wider, um dann die Entscheidungen über das Vorgehen zu fällen. Und dies mit der Gewissheit, dass er, wenn er falsch liegt, dies mit seiner Karriere bezahlen wird. "Skin in the Game" heißt die Devise.

Die Lösung des von Ihnen genau so wie mir festgestellte Problems, dass wir von einer Gruppe von Menschen regiert werden, die - nett ausgedrückt - von der Aufgabe überfordert sind und deshalb nicht die Interessen ihrer Wähler sondern die Anderer vertreten, sehe ich nicht darin, Minister durch Fachspezialisten zu ersetzen, sondern durch Menschen, die die nötige charakterliche Eignung und berufliche Erfahrung haben, mit Verantwortung umzugehen. Und zwar der Verantwortung gegenüber der überwiegenden Mehrheit der Bürger.

Womit wir bei den Rekrutierungsprozessen in den Parteien wären. Und bei der Ignoranz der Wähler, die sich durch die Medien durch Homestories beeinflussen lassen. Oder würden Sie der Führungsspitze der GRÜNEN (oder einer anderen Partei) die Führung auch nur eines mittelkleinen Unternehmens anvertrauen? Und dann einen ganzen Staat? Ohne eine wirksame Kontrolle durch ein Parlament, das eigentlich auch nur aus der Zahl der Fraktionsführer besteht, die ihrerseits mit der Regierung zusammen hocken?

Gottseidank herrschen in der Wirtschaft strengere Kriterien bei der Personalauswahl, denn sonst wäre Deutschland schon längst eine Brache.

(*) Wenn Sie v. d. L. anführen, so bin ich sicher, dass diese Dame keinen besseren Job gemacht hätte als jeder beliebeige andere. Zu besichtigen in ihrem Verhalten als Verteidigungsministerin mit der Kungelei und Begünstigung von Beratungsgesellschaften und dem Verdacht der Vetternwirtschaft.

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