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  • Pnyx (1)

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Vergleiche

Grundsätzlich kann man sich mit der Stossrichtung des Autors einverstanden erklären, allerdings nicht mit seinen internationalen Vergleichen.

In den USA beispielsweise werden die meisten Minister von extern berufen und haben kein politisches Mandat. Sie müssen weder einen Parlamentssitz vorweisen noch ein Parteibuch besitzen. Berufen werden sie durch den Kongress, und nicht durch den Präsidenten. Zunächst werden sie durch einen Kongressausschuss ausführlich "gegrillt", um ihre Eignung für das Amt sicherzustellen.

Das ist, was den formalen Aspekt anbelangt korrekt, aber ein heruntergewirtschaftetes, marodes Land wie die usa, das in erster Linie von seiner Vergangenheit lebt, knapp vor einem Bürgerkrieg steht als Vorbild hinzustellen, lässt sich wohl nur mit einer alten, noch nicht abgelegten Gewohnheit erklären. Gerade jetzt wird deutlich, wie katastrophal dort auch der Gesundheitssektor gemanagt wird. Das teuerste System der Welt, das sich die halbe Bevölkerung kaum oder gar nicht leisten kann, hervorragende Spitzenmedizin, aber eine Wüste bei der Nullachtfünfzehnversorgung, speziell in der Fläche. Seit Jahrzehnten wird die Versorgung in ländlichen Gebieten ausgedünnt, nun, da aufgrund von C-19 viele Spitäler einen beträchtlichen Teil ihrer Umsatzbringer zumindest für eine gewisse Zeit eingebüsst haben, erhöht sich die Abbaugeschwindigkeit weiter. Schon sind Tausende Spitalangestellte entlassen. Kaum ein Vorbild...

Sie [Schweizer Minister, also Bundesräte] sind weitest möglich parteiunabhängig, kommen aus dem Fachgebiet und haben durch die langjährige Tätigkeit enorme Erfahrung. Beliebiges hin- und herwechseln auf Anordnung "von oben" ist dort nicht denkbar.

Das ist in offensichtlicher Unkenntnis des Schweizer Systems geschrieben. Die Bundesräte und -innen sind oft nicht vom Fach, was bei nur sieben, notgedrungen mehrere Bereiche abdeckenden Ressorts auch nur bedingt möglich ist. Bei Wechseln - in der Schweiz geschieht das nie in corpore, sondern einzeln, allenfalls paarweise - müssen die nach diversen formalen Kriterien wie Parteizugehörigkeit, kantonaler Herkunft unter besonderer Berücksichtigung des Sprachraums, sowie in neueren Zeiten des Geschlechts ausgewählten Neuen nehmen, was ihnen die Alteingesessenen zuweisen. Es gilt das Senoriätsprinzip. Ein wertender Vergleich mit Deutschland ist schlicht unsinnig.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (29.05.2020 22:18).

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