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  • Mathematiker

mehr als 1000 Beiträge seit 22.02.2014

Übles aus dem Schützengraben

Was für ein völkisch müffelnder Artikel.

Wenn man sich mit den Jugoslawienkriegen auseinandersetzt, sollte man sich vorher folgende Fragen beantworten:
1.) Wie steht man zum Selbstbestimmungsrecht der Völker?
2.) Dürfen Teilgebiete eines Staates nach einer Volksabstimmung ihre Unabhängigkeit erklären?
3.) Wie steht man dabei zu ethnischen Säuberungen oder gar dem Genozid? Ist das ein legitimes Mittel der Politik?

Zum Setting in Jugoslawien der damaligen Zeit:
Der Staat war in den späten 80'er Jahren eine Bundesrepublik mit historisch-ethnischen Ländern, die recht autonom waren. Zudem gab es in Serbien noch zwei Autonomiegebiete. Die Serben stellten die Mehrheit der Bevölkerung von ganz Jugoslawien und die Hauptstadt lag in Serbien.
Serbien war damals wirtschaftlich ziemlich heruntergekommen. Das Land Slowenien war am Besten entwickelt und die Bürger von Kroatien durften aufgrund der langen Küste auf Wirtschaftswachstum durch Tourismus rechnen.
Es gab in Jugoslawien gab es immer Spannungen zwischen der Tendenz zu einem serbisch dominierten Zentralstaat oder einen schwachen Staatenbund, bei dem die verschiedenen Ethnien weitgehende Autonomien hatten.

Richtig zum Kochen kam das damaligen Süppchen bei der Demokratisierung im Rahmen des Niedergangs des Sozialismus. Im Land Serbien wurde Slobodan Milošević gewählt. Im Neusprech könnte man ihm als strammen Nazi bezeichnen. Er vertrat eine völkisch-serbische Politik und wollte Jugoslawien zu einen Serbenstaat mit Minderheiten umbauen.

Als Antwort wurden damals in den verschiedenen Ländern Volksabstimmungen über eine Unabhängigkeit abgehalten. Für eine Unabhängigkeit: 94,7 %Kroatien, 92,8 % Bosnien-Herzegowina, 91% Mazedonien, 88,2 % Slowenien und 55,5 % Montenegro.
Die Volksabstimmung wurde zwar von den Serben in den Ländern boykottiert, aber auch eine Wahlbeteiligung hätte z.B. Slowenien oder Kroatien keinen Unterschied gemacht. In Slowenien gab es praktisch keine serbische Minderheit. In Kroaten waren es auch nur 17% der Bevölkerung.

Wer, wie bereits erwähnt, das Selbstbestimmungsrecht der Völker ernst nimmt, kann so etwas nicht ignorieren. So wird ja auch gerne die windige Volksabstimmung auf der Krim herangezogen, weil man ja nicht so gerne völkisch-rassistisch argumentieren will.

. Nur so konnte sie die launige NATO-Poesie unserer "Wertegemeinschaft" für bare Münze nehmen und schreiben, es stimme einfach nicht, dass der Westen mit der Anerkennung von Slowenien, Kroatien und Bosnien als unabhängige Staaten den Bürgerkrieg entfacht habe.

Na klar! Da haben wir den Schuldigen. Es kann nur der böse Westen gewesen sein.
Das die Anerkennung erst nach dem 10-Tage-Krieg und dem Brioni-Abkommen erfolgte, läßt der Autor lieber unter den Tisch fallen. Passt halt nicht in die Erzählung.
Nebenbei: In Slowenien gab es für die Serben sowieso keinen Blumentopf zu gewinnen.

Nach Wikipedia, unverdächtig einer kritischen Haltung gegenüber westlichen Positionen,

Ich lach mich schlapp. Hinter welche Fichte will uns der Autor denn da führen? In Wikipedia kann jeder Hampelmann die Geschichte schreiben bzw. umschreiben. Daher gibt es dort ja die sog. Edit-Wars, in der Propagandisten jeder Fraktion ihr Glück versuchen.

Serben waren die dominante Volksgruppe in Jugoslawien. Für sie mussten die Aussichten auf die Teilung eines Landes, in dem es keine klaren ethnischen Grenzen gab und selbst die Bevölkerung von zwei der Sezessionsstaaten aus gut einem Drittel Serben bestand, beängstigend sein.

Hier eine Runde Bullshit in der sich der Autor seine Welt zurecht biegt. Hat mit dem Setting nicht viel zu tun.

bgründe taten sich auf nicht nur für Überlebende und Nachkommen der Opfer der kroatischen Ustascha, Nazi-Verbündete im 2. Weltkrieg, deren Terror etwa 100.000 Menschenleben auslöschte ...

Hier erfreut und der Autor mit einer Runde Herrenmenschentum. Weil es mal eine Runde Faschisten (während der Besetzung des Verbündeten Jugoslawien) gegeben hatte, sind natürlich die Kroaten (und auch andere) weniger wert, als ein Serbe. Denn bei den Serben waren ja welche auf der "richtigen Seite". Nebenbei: Der Tito und seine Truppe waren ja auch die Verbündeten der West-Allierten und der gute Tito hatte dem Stalin auch mächtig in den Arsch getreten.

Die Greuel werden bis heute ignoriert oder bagatellisiert.

Was hat das mit den Jugoslawienkriegen zu tun? Richtg: Nichts.

Natürlich kann man fragen, ob Handke den Nobelpreis verdient hat. Ich weiß es nicht. Ich gebe zu, kein einziges Buch von Handke gelesen zu haben.

Na aber hallo! Wichtig ist dem Grabenkrieger ja auch nur, dass sich Hanke für seine Ideologie ausschlachten läßt. Das kennt man ja schon von den Amerikanern, die haben sich ja auch mit jeden ins Bett gelegt, wenn er gerade einmal nützlich war.

Ich weiß aber, dass niemand in Deutschland einen der renommiertesten Literaturpreise bekommt bei einer dissidenten Meinung zu Themen, die eine zentrale Bedeutung für das offizielle Weltbild haben.

Ach du liebe Gute! Hallo! Es geht um Literatur! Wenn da jemand einmal ein tolles Buch geschrieben hat, ist alles alles was er je gesagt, getan hat oder noch sagen oder tun wird sakrosankt? Ist die Waffen-SS jetzt ein ehrenwerter Haufen, weil der Grass einmal bei der Truppe war?

Den Vogel schießt der Autor aber hier ab:

Unter den muslimischen Opfern in Srebrenica befand sich, interessant für einen "Völkermord", keine einzige Frau und kein Kind.

Ab 14 Jahren darf man sterben gehen. Da ist man schließlich kein Kind mehr, sondern ein Jugendlicher. Auch ist es völlig legitim alle Männer im männlichen Jugendlichen aus einem Lager auszusortierten und zu erschießen. Nein, so etwas ist ja kein Völkermord, man hat ja schließlich auch ein paar Frauen, Greise und Kinder leben lassen.
Kein Wort von den Massenvergewaltigungen verliert der Autor. Die Taktik der Serben war es, den Nicht-Serben dort eine Existenz unmöglich zu machen.

Der französische General Philippe Morillon, seinerzeit Kommandeur der UNO-Streitkräfte in Bosnien, sagte vor dem ISGH, Orićs Greueltaten seien ein Grund für die Reaktion der Serben im Juli 1995 gewesen, die in der Einnahme von Srebrenica gipfelte.

Nur ging es da nicht um irgendein Gebiet, sondern um eine UN-Schutzzone, die von leichtbewaffneten UN-Friedenstruppen geschützt wurde, während man ja eigentlich mit allen Beteiligten über eine friedliche Lösung des Konfliktes diskutierte. Die Serben diskutierten auf der einen Seite am Verhandlungstisch und versuchten gleichzeitig vollendete Tatsachen mit ethnischen Säuberungen durchzuführen.
Die Herren Ratko Mladić und Radovan Karadžić spielten nicht nur ein doppeltes Spiel, sie lernten auch, wie schwach und wankelmütig die UN-Führung damals war.

Dann waren sie halt so blöde und haben die UN-Schutzzone eingerannt. Die Niederländer, die dort ja nur leicht bewaffnet unterwegs waren, um die Zone gegen einzelne Freischärler-Einheiten (die sich vielleicht nicht an die Anweisung ihrer Führung halten würden) zu verteigen, hatten gegen Mladićs Truppe keine Chance.
Es ist schon eine skurrile Idee des Autors, eventuelle Übergriffe von Einzelnen oder kleinen Gruppen, die aus der Schutzzone agiert haben könnten, als Rechtfertigung für solch einen Angriff zu nehmen. Wie gut, dass weder die Ukraine, noch Russland mit solch einer Rechtfertigung einen Krieg angefangen haben.

Jedenfalls ist damals die UN, und die Idee mit UN-Friedenstruppen solche Konflikte friedlich zu lösen, gestorben.

In diese Ereignisse sei, so Herman, der seinerzeitige Präsident Serbiens, Slobodan Milošević, nicht involviert gewesen.

Es kann gut sein, dass er von dem Massaker nicht gewusst hatte. Also Konsequenz aus dem Überfall auf die Schutzzone und dem Massaker hat die NATO dann mit ihm und Serbien ein kleines Tänzchen gemacht. Und, oh Wunder, der ganze Zauber hörte da unten schlagartig auf, denn selbstverständlich wurden die Mördertruppen aktiv aus Serbien unterstützt.

Was lernt man aus der Geschichte? Offensichtlich gibt es immer noch Leute, wie den Autor, dass einige Leute gleicher sind, als andere. Das es irgendwie ein historisches Recht gäbe, andere Menschen zu diskriminieren, nur weil es in der Väter und Großvätergeneration Menschen gegeben hatte, die sich sich schuldig gemacht hatten oder einfach nicht auf der "richtigen Seite" der Geschichte standen.

Ich habe, ehrlich gesagt, keinen Bock auf den Schützengraben. Im Kriegsverbrechertribumal sind nicht nur Serben, sondern Angehörige der anderen Volksgruppen angeklagt und verurteilt worden. Aber, nüchtern betrachtet, wiegt die Schuld der Serben sehr viel schwerer.

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