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  • 00_Graham

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Grundsätzliches

As the wall of mist approached their lines, the French and Algerian troops smelled a pungent, acrid odor that tickled their throats, burned their eyes, and filled their mouths with a metallic taste. Moments later, the toxic cloud enveloped them, veiling the world in greenish murk as if they had suddenly plunged several feet underwater. The chlorine seared their eyes and burned the lining of their bronchial tubes, causing blindness, coughing, violent nausea, splitting headache, and a stabbing pain in the chest. Hundreds of soldiers collapsed in agony, their silver badges and buckles instantly tarnished greenish black by the corrosive gas.

Und weiter:

More than six hundred French and Algerian troops lay blinded and dying in the wake of the poisonous cloud. Some of the victims managed to stagger to first-aid stations, where frantic doctors and nurses could do nothing to save them. Drowning on dry land as their lungs filled with fluid, the patients gasped painfully for air and coughed up a greenish froth flecked with blood.

Aus Jonathan B. Tucker: “War of Nerves. Chemical Warfare from World War I to Al-Qaeda.”, Taschenbuchausgabe, New York 2007, Seiten 14-15.

Der Autor beschreibt hier im ersten Kapitel seines Buches den allerersten Einsatz von Chemiewaffen im 1. Weltkrieg. Es handelt sich um den Einsatz von Chlorgas durch die Deutschen im April 1915 im belgischen Ypern. Leidtragende waren an dieser Stelle der Front französische und algerische Soldaten.

Interessant für einen Abgleich mit der Szenerie im syrischen Douma finde ich ein ganz bestimmtes Detail aus der Schilderung des Autors. Er schreibt davon, wie die Metallteile an den Uniformen der Soldaten ihre Farbe ändern. Von blitzblank silbrig hin zu einem grünlich-schwarzen Überzug, allein durch den Aufenthalt in der hochkorrosiven Chlorgaswolke. Das Ganze passiert innerhalb von maximal 30 Minuten, so lange dauerte nämlich dieser Angriff.

Auf den Bildern aus Douma ist – wie auch auf dem schönen Foto zum Artikel hier – nichts Dergleichen zu sehen, keine Spur davon. Man erkennt stattdessen hier und da blanke Metallteile, lediglich mit Staub bedeckt. Wie ist das möglich?
Nun spielt bei der obigen Szene aus dem belgischen Flandern natürlich die Luftfeuchtigkeit eine große Rolle bei der Korrosion der Metallteile – wie auch beim „normalen“ Rosten, wie man es so kennt. Die in der Regel recht hohe Luftfeuchtigkeit in Belgien sorgte hier (im April und 30 km von der Nordsee entfernt) für das fast schon augenblickliche Korrodieren des Metalls, muss man annehmen. Im halbwüstenähnlichen Klima um Damaskus herum ist die Luftfeuchte natürlich eine andere und mit Nordseeklima nicht zu vergleichen. Und trotzdem ist die Luftfeuchtigkeit selbst dort nie ständig null. Außerdem sollen wir ja bei Douma an eine Tötung durch Chlorgas innerhalb eines Gebäudes glauben, und zwar mit 40 Opfern. Da kommt doch unter normalen Umständen schon Einiges an verdunstetem Schweiß zusammen. Wenn man jetzt noch die Wirkung des Chlors auf die Personen in Rechnung stellt – die Augen tränen wie verrückt, sie husten und spucken blutigen Schaum, sie machen sich in die Hosen vor Angst und während des Sterbens – dann kommt genug Feuchtigkeit zusammen (am Körper, auf diversen Oberflächen und in der Luft), damit das Chlor in seiner Wirkung erst richtig in Fahrt kommt.

Vom Einwirken von großen Mengen an Chlor war dort aber nie Etwas zu sehen. Die unverdächtigen Metallgegenstände sind dafür ein Hinweis, aber dann auch das völlige Fehlen von Entfärbungen an Wänden, am Boden und an den zahlreich vorhandenen Textilien. Die Bleichwirkung von Chlor kennt ja nun jede Hausfrau.

Die Horrorstory aus Douma wirkte auf mich noch viel grotesker und abstruser, nachdem ich das Buch von Tucker gelesen hatte. Mir stellt sich auch die Frage, ob die werten Inspekteure bei all dem Getue und Gerede bezüglich Spuren von organischen Chlorverbindungen im Holz des Türrahmens und bezüglich möglicher Flugbahnen der Gaszylinder überhaupt die Örtlichkeit auf das Naheliegende untersucht haben: auf das Vorhandensein von Chlor an sich. Wenn ich in einem Einfamilienhaus zwei große Zylinder mit Chlor aufdrehe, werden davon auch Tage und Wochen später noch Rückstände bleiben – in Ritzen, in Vertiefungen, unter Möbeln. Und mit Rückstände meine ich hier nicht irgendwelche abgefahrenen organischen Chlorverbindungen, sondern ursprüngliches Chlor als Reinstoff sowie die sauren Reaktionsprodukte mit Wasser. Stand dazu überhaupt Etwas in den Berichten, auch als Negativergebnis?

Douma ist eine Sauerei sondergleichen. Opfer sind ja nicht nur die Toten, die man als Requisiten missbraucht hat (übrigens hierzulande auch noch mal ein Verbrechen) oder das Land Syrien. Opfer ist auch die Öffentlichkeit weltweit, die verschaukelt und beleidigt wird. Ich hoffe, dass es bei der OPCW noch so richtig knallt. Warum vor allem Syrien noch nicht längst die Beitragszahlung eingestellt hat, ist mir ein Rätsel. Sie zahlen zwar nicht Viel, aber selbst die paar Tausend im Jahr würden der OPCW fehlen. Sie haben ja außer den Beiträgen keine weiteren Einnahmen, aber dafür einen schmarotzenden Wasserkopf, der jeden Monat pünktlich Geld auf dem Konto sehen will.

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