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Re: überleben auf dem Land und bei den Alten.

GrafGravenkotz schrieb am 10. Dezember 2012 09:58

> Hmm. Was sind denn die Alten? Also heutige Rentner waren Teil der
> 68er Bewegung.

Die die an der 68er Bewegung teilnahmen waren schon damals meist aus
der Stadt. Am Land hat es faktisch keine 68er gegeben. Und wenn, dann
sind sie schnell in die nächste Stadt um dem Dorfmief zu entkommen.
Später, in den 70ern gab es eine gewisse Rückwärtsbewegung in Form
von alternativen Landkomunen und Ökoinititiven am Land. Aber auch das
blieb ein extremes Minderheitenprogramm ohne Ausstrahlungskraft auf
die "echten" Einheimischen.

> Aber die Buern wollen bestimmen, wie die Menschen dort
> zu leben haben.

Das dauert nicht besonders lang. Spätestens zwei Generationen nach
dem Zuzug in eine Stadt haben sich die Ansichten an das städtische
Umfeld angeglichen. Das führt bekanntermaßen zu extremen Spannungen
in den Familien. Das sieht man auch schön bei vielen Zuwanderen.
Diese kommen nicht nur aus einer fremdem Sprache/Kultur zu uns
sondern, und das ist der wirkliche Kulturschock den sie erleiden,
meist vom Land in eine Großstadt. Zuwanderer aus einem städtischen
Umfeld haben meist keine Probleme in einer anderen Stadt, mit anderer
Sprache und Kultur Fuß zu fassen. Zuwanderer vom Land haben sogar oft
Schwierigkeiten in ihrem eigenen Heimatland den Umstieg zu
bewältigen.

Die, die diese Unstellung ihres Lebens und ihrer Werte ängstigt,
suchen oft zuflucht in einem übertriebenen Konservatismus und
besonderer Intoleranz anderen Lebensformen gegenüber. Es wird dann
schnell alles was irgendwie "anders" ist als Bedrohung des eigenen
Ichs empfunden. Das trifft insbesonders Männer, die ihr eigenes
Rollenverständnis als Mann bedroht sehen.

Da hilft keine Sprachschulung und keine Berufsausbildung. Da hilft
nur eine Art Therapie, bei sie lernen können ihren Selbstwert nicht
aus den herkömmlichen Rollenbildern abzuleiten. Nur wer ein
gefestigtes Selbstbewusstsein und ein sichers Bewusstsein seiner
Geschlechtsidentität hat, ist nicht darauf angewisen andere zu
unterdrücken oder schlecht zu machen (Frauenfeindlichkeit,
Homophobie, Rassismus).

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