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  • Subzero

mehr als 1000 Beiträge seit 06.06.2000

Armut, was ist das eigentlich?

Ich würde sagen "ein Mangel an Fähigkeit, sich aus eigener Wertschöpfung ein selbst als anständig ansehbares Leben zu schaffen". Man ist schlicht nicht produktiv genug für die eigenen notwendigsten Ansprüche.
In D wird der Spread zwischen den Einkommen als Armut angesehen und daraus geschlossen, daß man den Vermögenden (Bourgeiosen, Kulaken und anderen Schweinen, die dodgeschlagen gehören) doch gefälligst das Vermögen wegzunehmen hat.

Das löst das Problem aber nicht. Es ist nur eine Umverteilung der Mittel.
Wenn sich McMoneysack eine Yacht für x Millionen bauen läßt, könnte man doch von der Kohle prima zig Kindergärtnerinnen finanzieren. Man läßt dabei aber außer acht, daß dann die Werftarbeiter und deren Zulieferer brotlos werden. Gehuppt wie gesprungen, linke Tasche/rechte Tasche.

Desweiteren: wenn ein reiches Kapitalistenschwein jetzt 500 Millionen Vermögen hat, dann könnte man die ihm doch wegnehmen und an die Armen verteilen?
Dumm nur, daß er die nicht als Ca$h hat, sondern daß diese in Produktionsmitteln stecken, mit denen Wertschöpfung betrieben wird (und durch diese Wertschöpfung eben die entsprechend abhängig Beschäftigten ein entsprechendes Einkommen erzielen).
Da müßten die Armen schon Rostfraß an der Maschine spielen damit sie etwas davon hätten.

Warum sind beispielsweise die sozialistischen Länder mit einer weitgehenden Umverteilung, aber Beschäftigungsquoten von 100% immer so bitterarm? Könnte es an mangelnder Produktivität liegen? Oder liegt es an einer anderen Allozierung der vorhandenen Mittel? Der Kapitalist setzt seine Mittel ganz unideologisch so ein, daß sie die meiste Wertschöpfung bringen. Muß er, bei Strafe des Untergangs. Warum tuns die Sozialisten dann nicht? Sie können bei einer Fehlallokation nicht (sofort) untergehen, erreichen dabei aber durch diese Fehlallokation einer weitaus geringere Wertschöpfung pro Arbeitseinheit (und nur die ist konsumierbar!).

Und: sind wir in D wirklich alle so arm? Oder sind die Ansprüche nur zu hoch? Leben wir (bzw Großteile von uns) eventuell über der eigenen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit?
Wohnen zB kostet. So mit Heizung, Strom, fließend Wasser und WC...
Rechnen wir mal reale Wohnkosten durch:
Baukosten von minimal 2000€/m². 2% Abschreibung (irgendwann ist die Bude fertig und muß neugebaut werden, siehe ESSO-Hochhäuser), 2% Reparatur/Modernisierungsrücklagen, 1% Verwaltung. Sind pro m² 100€/Jahr (oder 8,3€/Monat und m²). Rechnung ohne Zinsen und Profit.
Eine Singlewohnung im einfachen Standard kommt also bei rund 35-40m² auf minimale Kosten von 500 Talern kalt. Da bleibt also nur gefördertes Bauen (muß aber auch wieder wer zahlen) oder Leben von den Errungenschaften der Altvorderen (Altbau).

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