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Re: Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen...

Species 8472 schrieb am 25.02.2016 00:32:

Wenn sich McMoneysack eine Yacht für x Millionen bauen läßt, könnte man doch von der Kohle prima zig Kindergärtnerinnen finanzieren. Man läßt dabei aber außer acht, daß dann die Werftarbeiter und deren Zulieferer brotlos werden.

Gaaaaanz falsches Thema, denn da kenne ich mich zufällig ein bisschen aus. Und, gestatte mir die Aufrichtigkeit, etwas Naiveres hört man selten.

An einer "Reichen-Yacht" ist nicht etwa der Lohn, sondern vor allem das Material "teuer". Es werden teure tropische Hölzer verbaut. Man karrt Granit und Halbedelsteine aus allen Ecken der Welt heran. Die paar Leute, die dann daran bauen, sind kaum der Rede wert.

Aha. Und das Granit fällt fertig geschnitten vom Himmel und transportiert sich selbst?
Transportkosten sind keine Arbeitskosten?

Anders sieht es aus, wenn sich breite Bevölkerungsschichten Yachten leisten könnten. Nicht zwingend "Luxus", sondern "Freizeit". Nicht 10 Millionen, sondern 100.000, 200.000. Dann fänden erheblich mehr "Werftarbeiter" und "Zulieferer" - und vor allem langfristig die Dritt-Gewerke, wie Segelmacher, Bootsbauer, Zimmermann, Yachtausstatter, Elektriker, Catering, etc. etc. - Lohn und Brot.

Dann müßten aber eben auch breitere Bevölkerungsschichten entsprechend produktiver werden.

Stattdessen stellt "McMoneysack" eine übersichtliche Crew von 2, 3 Leuten ein, die das Schiff putzt, während es im Hafen vergammelt, bevor es verkauft oder stillgelegt wird, und erfreut ansonsten vor allem die Mineralölkonzerne, wenn er - was im Schnitt 1 bis 2 Mal im Jahr passiert - mal "volltanken" lässt.

Da ist allerdings das Böötchen schon gekauft, das Geld ausgegeben und wieder im Wirtschschaftskreislauf, ob es jetzt im Hafen vergammelt ist auch egal. Es ist wie ein Hinkelstein, nutzt nicht viel, aber in seiner Erzeugung wurde entsprechend Arbeit umgeleitet.

Und ganz nebenbei könnte man auch noch "mehr Kindergärtnerinnen" beschäftigen, denn im Gegensatz zu "McMoneysack" neigt der durchschnittliche Kleinunternehmer, vom durchschnittlichen Angestellten wollen wir gar nicht erst reden, nicht zu so massiven Steuertricks, um sein "im Schweiße seines Angesichts hart verdientes Geld" vor dem Staat zu schützen...

Bla Bla...der böhze Steuervermeider!

Desweiteren: wenn ein reiches Kapitalistenschwein jetzt 500 Millionen Vermögen hat, dann könnte man die ihm doch wegnehmen und an die Armen verteilen? Dumm nur, daß er die nicht als Ca$h hat, sondern daß diese in Produktionsmitteln stecken, mit denen Wertschöpfung betrieben wird ...

Die Frage dürfte sein: Woher hat er sie denn?

Erwirtschaftet? Durch von ihm angeleitete Wertschöpfung?

Nehmen wir Herrn Zuckerberg. Mittlerweile 35,5 Mrd USD schwer. In kaum 5 Jahren "erarbeitet". Wir sind großzügig und geben ihm weitere 5 Jahre zur "Vorbereitung" drauf. Dann hat dieser Mann in den 10 Jahren in jeder einzelnen Stunde runde 40.500 USD "erarbeitet". 24 Stunden am Tag. Ohne Schlaf. Ohne Pause. Nicht mal aufs Klo ist er in den 10 Jahren gegangen.

Zum Vergleich: Das ist der Durchschnittsverdienst eines US-Erwerbstätigen. Im Jahr.

Hör doch auf. Vermögen, berechnet auf "Börsenwerte" sind nicht real. Die T-Aktie war ja auch mal auf völlig unrealistischen Kursen. Schlecker war mehrfacher Milliardär und nach einem Jahr trotzdem pleite.

Aber nehmen wir mal Zuckerberg. Fratzenbuch ist ein schönes Beispiel. Der verdient nicht viel pro Nutzer (in den USA 12$ pro Nutzer und Jahr, in Europa rund 1$ pro Nutzer und Jahr). ZUCKERBERG HAT DIR NEN DOLLAR WEGGENOMMEN!!!111!!!
Da machts aber die Masse der kleinen Geschäftsvorgänge.

Was hat Zuckerberg für Werte geschaffen, die in jeder Stunde das Jahresgehalt eines Durchschnitts-Angestellten rechtfertigen? Waren StudiVZ und wie all die "SM-Plattformen" noch so hießen, wirklich soooo viel schlechter?

Warum existieren sie nicht mehr?
Weil FB eventuell "besser" war?

Warum sind beispielsweise die sozialistischen Länder mit einer weitgehenden Umverteilung, aber Beschäftigungsquoten von 100% immer so bitterarm?

Abgesehen davon, dass du den Grund indirekt selbst nennst? Guckst du nächstes Zitat:

Sie können bei einer Fehlallokation nicht (sofort) untergehen

Was denkst du: Könnte das ein triftiger Grund sein, wenn sich eine Gesellschaftsordnung - übrigens per definitionem - auf den Menschen fokussieren will?

Das Problem bei sozialistischen Gesellschaften und Fehlallokationen ist, daß diese sich verfestigen und Zuschußgeschäfte nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein werden.
Sie können nicht nicht pleite gehen, sie tun es nur langsamer. Dafür aber gründlicher;)

Warum, denkst du, haben die Sparkassen die Finanzkrise weit besser überstanden, als, sagen wir, die Commerzbank? (Tipp: Auch hier gilt, was du gerade feststelltest: Die Sparkassen sind weitaus bescheidener, wenn es um Dividenden geht. Könnte es da Zusammenhänge geben? Was denkst du?)

Es geht um unterschiedliche Ziele (und Geschäftsfelder).
Während die Commerzbank als Hauptgeschäftsfeld eben Wertpapier/Anlagenhandel hatte, so war das Hauptgeschäftsfeld bei den Spaßkassen eben die schlichte Kontoführung.
Btw: die Spaßkassen sind zwar bescheidener, was Dividenden angeht - dafür in den Kosten aber weitaus teurer.
Viele Großbanken wollen das Kleingirokontengeschäft (bei dem sie übrigens oft weitaus billiger sind als die Spaßkassen) loswerden weils nicht genug einbringt.

erreichen dabei aber durch diese Fehlallokation einer weitaus geringere Wertschöpfung pro Arbeitseinheit

Die Cree haben es mal so treffend auf den Punkt gebracht, dass ich gar nicht anders kann, als sie zu zitieren: "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann."

Dann brauchen sich die Cree aber auch nicht über Armut zu beschweren. Oder darüber, daß sie für dasselbe Ergebnis 14 statt nur 8 Stunden jagen müssen.
Wenn das von mir heute in der Heide gesammelte Korn (also meine Wertschöpfung des Tages) nur für 2 Brötchen reicht, dann kann ich keine 3 essen. Woher soll das 3. kommen?

Der Spruch lautet übrigens anders:
Erst wenn die letzte Ölplattform versenkt und die letzte Tankstelle geschlossen ist, werdet Ihr merken, daß man bei Greenpeace nachts kein Bier kaufen kann.

Rechnen wir mal reale Wohnkosten durch

Abgesehen davon, dass du, nun, sagen wir vorsichtig, "sehr großzügig" rechnest, zeigst du nur auf das, was der Artikel und seine Ausgangsquelle ebenfalls bemängeln: Obwohl die Kosten so hoch liegen, muss - oft sogar an beiden Seiten - subventioniert werden, um sich selbst minimalste Anforderungen (und "Wohnen" sollte in einem zivilisierten Land absolut und unbestritten die selbstverständlichste Sache der Welt sein, nicht wahr?!) erfüllen zu können.

Nicht, weil es an "Luxuswohnungen" für "McMoneysack" fehlt; sondern weil es an "bezahlbarem Wohnraum" fehlt. Und an dieser Stelle schlägst du die gleiche Richtung wie der Paritätische Wohlfahrtsverband ein: Die Leute können sich - trotz Vollzeitjob - mittlerweile immer öfter selbst einfaches Wohnen kaum noch leisten.

Wie gesagt: Man könnte auch weitaus billiger bauen. Aaaber...
Es gibt gesellschaftliche Normen welche das Bauen verteuern. Sei es die Tarifgebundenheit der Baufirmen, Lärmschutz, Umweltschutz (Kanonenofen is nich mehr!), energetische Vorschriften, Brandschutz, Doppelverglasung etc pp blabla. Und diese verpflichtenden Zuckerstücke (einstmals "Luxusbestandteile") wollen eben alle bezahlt werden, das Material fällt nicht vom Himmel. Und auch der Dachdecker oder Zimmermann will mehr als Achtfuffzich sehen.

Diese Luxusbestandteile sind zur Normalität geworden. Ein einfaches Ziegelhaus ohne große Dämmung, mit Klo halbe Treppe tiefer, Einfachverglasung, einer Steckdose+einer Lampe pro Zimmer und Ofenheizung könnte man auch weitaus billiger basteln. In einem entsprechendem Altbau könnte man auch für zwofuffzich den Quadrat werterhaltend wohnen. Aber eben auch entsprechend einfach. Also arm.

Die Armut ist also mitten in einem der reichsten Länder der Welt angekommen, wie auch du mit deiner "Rechnung" selbst feststellst...

Ich das nicht nur festgestellt, sondern auch gefragt warum das so ist und ob wir vielleicht Armut nicht falsch definieren oder sogar eventuell eine übersteigerte Erwartungsleistung haben.
Volkswirtschaftlich kann eben nur das ausgegeben/konsumiert werden, was (durch Wertschöpfung) erwirtschaftet wurde. Alter rheinkapitalistischer Satz "von nix kütt nix". Wenn die Produktivität pro Kopf nicht ausreicht, damit keiner mehr "ich lebe ständig über meinen Verhältnissen, aber permanent unter meinen Bedürfnissen!"jammert, dann muß man fragen:
* warum ist die Produktivität/Wertschöpfung pro Nase zu gering?
* werden eventuelle Mittel in Luxus (Umweltschutz, ÖPNV, Gesundheitswesen etc pp) umgeleitet, wenn ja, eventuell zuviel? Wenn zuviel, welche Teilmittel? Und welche sind verzichtbar? Sollte man auf billigen Kohlestrom setzen (und dafür entsprechend Dreck in der Luft in Kauf nehmen)? Sollte man die Förderung des ÖPNV verringern (und dann eben jeden Tag eine Stunde länger zu Fuß unterwegs sein)?
* werden zu große Teile der Wertschöpfung in als selbstverständlich empfundene Zustände (Gesundheitsversorgung) umgeleitet, von denen die Armen auch profitieren, diese sie aber bei der Frage der Bedürfnisdeckung schlicht vergessen, weil diese ja soda sind?

Ich hoffe die Quotes hats nicht zerhauen.

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