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  • Hochrheinpirat

mehr als 1000 Beiträge seit 18.05.2013

Re: Etikettengerede

Offensichtlich vertreten Sie eine Position, die Sie sich offen inhaltlich auszudrücken fürchten. Sonst würden Sie sich doch nicht an Attributierungen aufhalten. Also schließe ich, dass entweder Ihre Position in der Ausschließung irgendwelcher Menschen besteht und sie dies verhüllen möchten (das hieße dann, Sie wüssten selbst, dass diese Position moralisch anstößig ist) oder dass sie gar nicht in der Lage sind, inhaltlich zu vertreten, was sie denken.

Stimmt schon, wäre ich in einen Links-Rechts-Korsett eingesperrt, müsste ich sagen, die NPD sei mir zu links. Das würde garantiert mißverstanden, deswegen mal folgende mehrdimensionale Verortung: auf der links-rechts-Skala etwa bei Volkskapitalismus, auf der Herrschaftsskala Minarchie, Nationalismusskala eher national. Weiteres: Laizismus stark befürwortet. Habe mich auf alle diese Sachen entsprechend geäußert, und ich verwende auch z.B. das Wort "national" genau dann, wenn ich "national" meine, und "rechts" genau dann, wenn ich Kapitalismus meine.

Wovon ich gesprochen habe, war eine sozial depravierte Bevölkerungsmehrheit, die sich gegen eine asymmetrische Verteilung von Vermögen und die damit verbundene Form des Wirtschaftens erhob, nämlich eine durch die Besitzer akkumulierten Kapitals determinierte, die die Nicht-Besitzenden gesellschaftlich nur in der Form subalterner & durch die Produktionsform, an die sie der Kapital akkumulierende Apparat band, Arbeitssubjekte existieren ließ. Als der Zuwach der Gegenwehr zu groß war, wurde die Herrschaft des Kapitals mit Hilfe eines Schreihalses aus Braunau in Deutschland als einem der entwickeltsten kapitalistischen Ländern (mit Hilfe von US-Kapitalisten) konserviert.

Einen solchen Zustand gilt es aufzuheben: Darum geht es eben. Nichts anders ist Sozialismus. Damit ist aber keine irgendwie geartete andere Herrschaftsformation impliziert,

Der Denkfehler, es sei so, rührt daher, dass eine die Industrialisierung erst nachholende staatskapitalistische Gesellschaft mit autokratischen Mitteln mit den weiter entwickelnden westlich-kapitalistischen Gesellschaften unter angelsächsischer Hegemonie vier Jahrzehnte konkurriert hat. Eine solzialistische Gesellschaft hat es noch nie gegeben. (Auch Kuba ist nur ein Abschottungsversuch eines Landes vor dem Zugriff des US-Kapitals, aber keine wirkliche gesellschaftliche Alternative, da es gar nicht die Kraft hat, mehr zu leisten, als eben die Abschottung.)

Wer solche Herrschaft nicht beenden will, will entweder nur eine kleine Scheibe vom Speck, den die aktuelle Herrschaft ihm vorenthält. Solchen Leuten ist dann auch egal, wie der Rest der Welt lebt & ob sie an seiner Ausbeutung beteiligt sind. Oder er will eine nicht minder ungerechte Welt, aber nur anderes Personal an den Stellen der Unterdrückung sitzen haben.

In der Tat, einen Sozialismus, wie ihn Chomsky beschreibt, hat mit Realsozialismus nichts zu tun. Und selbst Venezuela, die sich gerne auf diesen libertären Sozialismus berufen, fallen in der Realpolitik doch wieder auf die Herrschaftsform zurück, die Chomsky so entschieden bekämpft. Ich halte den Weg über die (erzwungene) Gleichheit in die Freiheit nicht kompatibel mit dem Wesen des Homo Sapiens. Damit dieser Weg funktioniert, müsste sich der Homo Sapiens genetisch mit Insekten vereinen.

Daher halte ich den Weg über die Freiheit, bei dem am Ende des Tunnels die Gleichheit winkt, für den rechten Weg. Die Klassenlose Gesellschaft, die Marx beschreibt, ist aber ebenso mein fernes Ziel.

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