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  • TomGard (1)

mehr als 1000 Beiträge seit 11.03.2020

Polymorphismus + Klinenbildung => Rasse

"Physiologische Anthropologie" gibt es im deutschsprachigen Raum nicht, aber es gibt eine "International Association of Physiological Anthropologie", die deutsche Mitglieder hat und ihren Gegenstand wie folgt definiert:

Physiological Anthropology is the scientific discipline which focused on homo sapiens as the subjects existing in modern technological society of today and aspired to the creation of living environments and lifestyle systems based on research which attaches importance to human characteristics evaluated from a viewpoint encompassing the past, present and future.

Jetzt bin ich mal ganz frech und gemein und behaupte ohne ein Jota Kenntnis: Diese Leute haben von nichts eine Ahnung, außer der beschriebenen Mission, die wiederum darin aufgehen dürfte, auf irgend eine Weise zu rechtfertigen, daß die Mitglieder der Zunft einzeln wie gemeinsam zur Avantgarde der (!) Menschheit (!) zählen wollen. Denn das ist der schlichte Inhalt obiger "Definition".

Jedenfalls ist Ruben Wickenhäusers Artikel zu entnehmen, er hat wenig Ahnung von Taxonomie und Kladistik, und folglich auch wenig von Biologie. Denn Biologie - hört hört! Leute, Überraschung - ist kein Oberbegriff für Anatomie, Physiologie, Biochemie und Genetik sondern zählt unauflöslich zu etwas, das früher philosophisch "Naturgeschichte" geheißen wurde: Geschichte des Planeten, Geschichte der Biosphäre und hier, mit Blick auf das Thema im engeren Sinne: Unterabteilung Zoologie.

Die Fakultät der Zoologie sollte - wenn es mit wissenschaftlichen Dingen zuginge - seit etwa dem Ende des 19.Jhd. Unterabteilungen haben, die einst einer sogenannten "Philosophischen Anthropologie" angehörten, die geschichtlich der Theologie verhaftet gewesen ist. Darunter wären strikt Sprachwissenschaft und Erkenntnistheorie zu zählen. Logisch? Logisch! Und ja, ich weiß, die "Phil Anthro" gibt es immer noch und sie konstituiert kein Sektenwesen ...

Bahnbrechende Arbeiten für ein mögliches Heraustreten der Anthropologie aus der theologisch / philosophischen Tradition haben Ernst Cassirer (das symbolmächtige Tier), Varela / Maturana (Autopoiesis, 'Und der Mensch erschuf sich selbst', Marx / Engels) und Leontjev (Tätigkeitstheorie) abgeliefert (den "geläuterten", späten Konrad Lorenz mag ich aus ästhetischen Motiven nicht dazu zählen) - without much avail, wie mir scheint.
Denn auf einer rein logischen Basis müßte jedem Oberstufenschüler, der flüchtig mit o.a. Theoremen und der Evolutionstheorie bekannt gemacht ist, auffallen, daß https://en.wikipedia.org/wiki/Polymorphism_(biology)ein Phänomen ist, das im gesamten sinnenmächtigen Tierreich Gegenstand UND Resultat sexueller Zuchtwahl, und damit Bestandteil einer biosphärischen Strategie der Ausbreitung der Arten in anspruchsvolle Habitate unter Wahrung des Artzusammenhanges ist.

Womit ich bei Julian Huxley und seinem Begriff der https://en.wikipedia.org/wiki/Cline_(biology)bin, der außerhalb eines engen Fachkreises unbekannt geblieben scheint.
Dabei ist die "Kline" recht eigentlich uralt, älter, als die Herrschaftsgeschichte, die ihn auf die Welt brachte. Das bezeugen nicht nur Epikur (und mit ihm Lukrez), sondern alle Stammeserzählungen, die von kolonialen Anthropologen parallel zur Ausrottung der Stammesgesellschaften gesammelt worden sind. Die Herkunfts- und Stammesmythen tribaler Gesellschaften dokumentieren ein Selbstbewußtsein derer, die sie schufen und tradierten, in dem kulturelle und (wie es heute heißen könnte) genetische Traditionen vermittels sexueller Zuchtwahl zum Instrument einer selbstbewußten Population , einer Stammesentwicklung, vereinigt sind.
Unerhört, hein? Wo bleibt da das Individuum? Hey, ich rede über nichts anderes, als das Individuum - allerdings in der Mehrzahl ...

Ja, ich weiß. Heutzutage gibt es das auch - zum Beispiel als ein (zumindest nehme ich das an) randständiges Phänomen in der LGBT-Kultur, die in der Hauptsache buchstäblich irrsinnig ist, die aber in einigen Abteilungen systemisch zu einem archaischen, ehemals vorpatriarchalen Begriff von Sexualität gefunden hat, der, kurz und schmutzig hingesagt, Homo- und Heterosexualität zu einer performativen Angelegenheit erklärt.

Naja, mir reichts.

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