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  • H3PO4

mehr als 1000 Beiträge seit 18.03.2009

Neues aus dem Show-Biz

> Es war zu erwarten, dass die Ratingagenturen wohl kaum mit den Ergebnissen
> des EU-Krisengipfel zufrieden sein würden.

Wenn das zu erwarten war, warum brechen dann die Kurse ein? Was haben
wir eigentlich für jammerlappige Investoren, die wie Lemminge nur den
Rating-Agenturen hinterherrennen? Wir erinnern uns: Das waren die
gleichen Agenturen, die den CDOs die Bestnoten verpassten, damit sie
möglichst schnell weitergereicht werden.

> Die Beschlüsse greifen nach Ansicht von Moody's zu kurz, denn der Gipfel habe
> kaum neue Ansätze zur Lösung der Schuldenkrise in der Euro-Zone
> hervorgebracht.

Da muss man sogar mal zustimmen, nur in eine ganz andere Richtung: Es
ist nach wie vor nicht in Sicht, dass die Herstellung, Verbreitung
und Anwendung von "finanziellen Massenvernichtungswaffen" (Warren
Buffett) verboten wird.

> Entscheidungen zur kurzfristigen Stabilisierung der Kreditmärkte fehlten.

Stimmt genau. Die fehlten. Nur nicht in der Art, wie Moody's sich das
wünscht.

> Die Kreditwürdigkeit der Länder in der Euro-Zone würde nun einer Überprüfung
> unterzogen.

Wann wird denn mal die Glaubwürdigkeit der Rating-Agenturen einer
Überprüfung unterzogen?

> Es hat sie auch nicht ruhig gestellt, dass zur Finanzmarktregelung und der
> Transaktionssteuer nichts auf dem Gipfel beschlossen wurde, obwohl die
> angeblichen britischen Bremser ausgeschieden sind.

Das Gegenteil ist der Fall: Die Nicht-Einführung der Tobin-Tax ist
für Moody's prima gelaufen. Nur wurden weitergehende staatliche
Garantien nicht beschlossen. Das ärgert die amerikanische
Finanzindustrie natürlich, weil sie keine weiteren Opferlämmer
dargeboten bekommt. Wahrscheinlich sind die Götter von der WallStreet
nun erzürnt und lassen - im übertragenen Sinne - ein paar Ernten
ausfallen.

> Man darf vermuten, dass Großbritannien der Bundeskanzlerin Angela Merkel und
> dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy nur als Ausrede diente.

Im Gegenteil: Man darf vermuten, dass Mutti und der Zwerg überhaupt
keine Ahnung haben, was sie noch machen sollen außer Schattenboxen.

> Die Agentur drohte mit massiven Abstufungen, wenn der Europäischen
> Zentralbank (EZB) keine neue Rolle zugewiesen werde.

Verständlich. Schließlich wäre es nur zu prima gewesen, wenn die EZB
ähnlich der amerikanischen Notenbank zu einem Selbstbedienungsladen
verkommen wäre. Da das nicht stattfand, sind die Amis pampig.

> Die EZB soll nach Ansicht der Ratingagenturen schwerste Geschütze auffahren
> können.

"Schwerste Geschütze" ist soooo nicht ganz korrekt. Hier geht es ja
nicht um die Rettung irgendwelcher Pleitestaaten, sondern darum, eine
solvente Institution zu schaffen und dann dazu zu erpressen, die
miesen Papiere abzunehmen. Oder andersherum: Man sollte sich mal die
Reaktion der Agenturen vorstellen, wenn die EU beschließe, die EZB
würde gar keine staatlichen Rettungsgelder mehr bekommen, sondern
ihrer originären Aufgabe der Preisstabilität nachkommen. Da bricht ja
ein ganzer "Wirtschaftszweig" an der WallStreet zusammen.

> S&P erklärte, man werde das Vorgehen der EZB bei der Bewältigung der
> Staatsschuldenkrise in die neuen Bewertungen einfließen lassen.

Die Völker der Welt erklärten, man werde das Vorgehen der
Rating-Agenturen bei den nächsten Demonstrationen einfließen lassen.

> Der Kniefall von Merkel und Sarkozy reicht den Agenturen nicht aus, denn sie
> sind auch in der Frage der privaten Gläubigerbeteiligung eingeknickt.

Welcher Kniefall? Mal im Ernst: Wäre es Moody's lieber gewesen, Mutti
und der Zwerg hätten ihre Scheinforderung tatsächlich durchgesetzt?
Da wäre aber die Hölle losgewesen! Nein, so ist es doch ganz prima
gelaufen: Man tut so, als ob man tut, aber...

> Künftig sollen Banken, Versicherungen und Rentenfonds nicht wie geplant an
> Staatspleiten beteiligt werden, wie es für den dauerhaften Krisenmechanismus
> (ESM) vorgesehen war.

...im Endeffekt ist der Gipfel doch bestens gelaufen. Für die
Agenturen inkl. Lemminge, nicht für die Bevölkerungen.

> Die Beteiligung an der Griechenland-Pleite soll eine einzigartige Ausnahme
> bleiben.

Haha, die glauben tatsächlich noch an den Weihnachtsmann. Das gleiche
Muster wird noch mindestens drei Mal (Italien, Spanien, Portugal)
durchgezogen. Jedesmal mit gigantischen Gewinnen, weil der
Steuerzahler für den ganzen Ramsch aufkommt, der bis vor Kurzem noch
Bestnoten hatte.

> Es ist klar, dass man in Washington das Verhalten von Merkel und Sarkozy als
> Schwäche begreift und deshalb sofort nachsetzt.

Schwäche? Die machen nur, was man ihnen sagt. Alles andere ist
Show-Biz.

> Doch die USA wollen kein Geld für die Euro-Rettung ausgeben.

Natürlich nicht. Ist ja auch keine Euro-Rettung. Man muss sich nur
mal angucken, wer da eigentlich mit dem Euro spekuliert. DER soll
nämlich im Zweifelsfall gerettet werden. Da macht es natürlich kein
Sinn, selbst Geld hinterherzuschießen. Nein, Sinn der Sache ist es
doch, sich das Geld von den ANDEREN zu krallen. Dass die Europäer so
doof sind und das nicht merken...

Achso, sie merken es ja. Nur tun können sie nichts dagegen, haha.
Sitzen schlicht am kürzeren (finanzpolitischen) Hebel. Tja, Pech
gehabt.

> Schon vor dem Gipfel hatte Präsident Barack Obama erklärt: "Die Europäer sind
> reich genug, und es gibt keinen Grund, warum sie dieses Problem nicht allein
> lösen könnten."

Ja, das ist, was er sagt. Was er meint, ist: "Die Europäer sind reich
genug. Es gibt keinen Grund, warum sie unsere Probleme nicht allein
lösen sollten. Also, her mit der Kohle!"

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