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  • DasKleineDummerchen

mehr als 1000 Beiträge seit 13.09.2001

Wer regiert jetzt eigentlich?

Ich könnte ja noch verstehen, wenn die Völker, die auf diesem Gipfel
angeblich von ihren Vertretern vertreten wurden, etwas an dem Gipfel
auszusetzen hätten.

Aber was hat Moody's, S&P oder wie die Verbrecher alle heissen, damit
am Hut? Sind Staaten nur börsennotierte Unternehmen, wo in manchen
dummerweise der CEO noch durchs Volk gewählt wird, anstatt durch eine
Bank wie in Italien und Griechenland?

Kein Regierungsbeschluss, keine Regierungstätigkeit, die nicht von
den Ratingagenturen kommentiert und bewertet wird. Übungen in
pawlowschen Reflexmustern. Wenn die Regierenden was falsch machen,
gibt es einen Rating-Stromschlag und die Hoffnung, dass sie das
nächste Mal was gelernt haben. Was freilich etwas extrem optimistisch
ist, hat man sich doch jahrelang Politker herangezüchtet, die immun
gegen alles Sinnvolle sind und eine ausgeprägte Lernresistenz
verbunden mit punktgenauen Alzheimerattacken als politisches Werkzeug
einsetzen.

Klar, dass man da viele Stromschläge braucht und dann doch einen
Putsch durch die Hintertür inszenieren muss, wie in Italien und
Griechenland. Irgendwie bekommt man domestizierte Banker schon an die
Regierungsschaltstellen.

Im Sinne von Fight Club könnte ich eine gewisse Schadenfreude nicht
vermeiden, würden alle Büros und Daten (inkl. Backup) der
Ratingagenturen über Nacht platt gemacht, während zeitgleich das
Privatleben der massgeblichen Entscheider von Ratingagenturen bis ins
kleinste schmutzige Detail in der Öffentlichkeit ausgebreitet wird
(gibt niemanden, der sowas nicht hätte).

Da ja Merkel gerade klargestellt hat, dass Verträge, die man
unterschrieben hat, nicht das Papier wert sind, wenn sich die
Umstände ändern und jeder ein Verräter ist, der an den alten
Verträgen festhält, wundert es mich doch sehr, dass man diese
Einstellung nicht auch gegenüber den Ratingagenturen und ihren
unsichtbaren, aber bekannten, Herren eingeht.

Die Situation hat sich geändert, alte Verträge gelten nicht mehr.
Europa macht den Laden für die Amis dicht, stellt eigene
Ratingagenturen auf, die den USA das Rating geben, was sie verdienen
ZZZ-, weils leider nicht tiefer geht und koppelt sich ab, von der
Weltwirtschaft. Will heissen, bestimmt neu die Regeln, wie die
Anderen im EU-Sandkasten mitspielen dürfen. EMEA braucht USA nicht.
Umgekehrt wird ein Schuh draus. Lieber mit den Chinesen gutstellen,
dass macht mehr Sinn.

Liebe Grüsse

das kleine Dummerchen

P.S.: Bevor man hier postet, wie schlimm so was wäre, erst mal
überlegen, ob es für Europa noch viel schlimmer kommen kann. Wenn man
meint ja, dann mal überlegen, ob es für Griechenland, Italien,
Portugal, Spanien und Irland noch viel schlimmer kommen kann. Denn
das ist das, was allen EU-Ländern blüht, wenn sie sich weiter von der
Peitsche der Ratingagenturen treiben lassen.

P.P.S.: Das Argument, es gäbe keine Alternativen, wird mir
genausowenig eine Antwort wert sein, zeugt es doch lediglich von der
Phantasielosigkeit des Posters.

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