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  • thomas_appleton

999 Beiträge seit 01.01.2008

AD HOMINEM

als journalist freue ich mich immer über leserzuschriften, es ist ein
wenig wie das klatschen oder buh-rufen (je nachdem) des publikums auf
der bühne. ich habe es auch schon einmal erlebt, dass geschlagene
drei wochen lang die leserbriefseiten einer tageszeitung VOLL waren
mit ärgerlichen zuschriften über mich. aber der ton, der in
leserbriefen in deutschland und österreich vorherrscht ist nahezu
vorwiegend die persönliche attacke, oder verunglimpfung. ich fand es
interessant, dass in der new york times ein OP-ED (kleine glosse mit
meinungsbekundung)  schreiber letzthin meinte, wir würden alle
nochmal mit nostalgie auf die bush-jahre zurück blicken. rund 350
zuschriften wiesen die ansicht des schreibers zurück, entweder
meinten sie, das könne ja wohl nicht sein ernst sein oder sie
brachten argumente vor, warum er sich hier wohl arg täuschte. keiner
schrieb etwas, was entfernt an einen normalen deutschen leserbrief
erinnerte, mit dem üblichen unterton von "du dumme sau geh in die
wüste." und da dieser ton in internetforen ebenso wie bei
edelblättern üblich ist -- nur eben -- DORT wird nicht jede zuschrift
gedruckt, oder eben nur der eine oder andere satz, die übrigen fünf
seiten ereiferung bleiben außen vor -- so denke ich, dass dies eben
der übliche ton in der gesellschaft überhaupt ist. auch in der
politik, auch auf den ämtern, auch in den schulen, auch in den
familien. man müsste wirklich in deutschland und ebenso in österreich
ein höflichkeits oder freundlichkeitsministerium einführen, und in
jedem büro eine kasse, wo jede persönliche übergriffigkeit mit 5 euro
geahndet wird. und in den schulen höflichkeitsunterricht, und im
parlament feste regeln der erlaubten persönlichen anrede, und so
weiter. es muss einen unterschied geben zwischen normalem verkehr und
zorn, diffamierung, tötungsabsicht. die gesellschaft schuldet es sich
selbst, dass sie sich selbst erzieht.
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