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  • Norberlin

385 Beiträge seit 04.01.2019

Corona und der Harzer Käse

Der Autor hat ja in allen Punkten Recht. Allerdings ist die Verdinglichung von Heimbewohnern nicht erst durch die Corona-Krise entstanden, es gab sie schon immer. Mal ein wie ich meine krasses Beispiel:

https://www.ksta.de/panorama/bundesbehoerde-mettwurst-und-stinkekaese-sollen-aus-altenheimen-verschwinden-31703524

Harzer Käse, Limburger, Mettwurst und mehr wurden Heimbewohnern einfach verboten. Für Normalbürger wäre so ein Verbot undenkbar. Für die Bewohner von Pflegeheimen ist es aber im Namen der "Gesundheitsfürsorge" kein Problem. Ich legte seinerzeit eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen BVL-Präsident Helmut Tschiersky ein. Ohne Erfolg.

Diese Nahrungsmittelverbote stammen von Ende 2018. Es gab keinerlei Widerstand.

Ich finde es sehr passend, das in diesem Zusammenhang mal aufzutischen. Denn es zeigt, dass Heimbewohner ganz grundsätzlich der staatlichen Willkür ausgeliefert sind. Sie sind weitgehend rechtlos. Beim Einzug ins Heim entfallen zahlreiche Grundrechte einfach, denn Heimbewohner sind eine eigenständig definierbare Rechtsträgergruppe zweiter Klasse. Corona macht jetzt lediglich manchen deutlicher sichtbar was schon immer gegeben war.

Ich habe es nicht untersucht, doch könnte ich mir vorstellen, dass Gefängnisinsassen eine bessere Rechtsstellung haben als Bewohner von Pflegeheimen.

Die Idee des Autors Pflegeheime vollständig aufzulösen ist für mich nachvollziehbar. Ich arbeitete fast 15 Jahre als Pflegefachkraft in Heimen, jetzt ambulant. Pflegeheime sind ein eigener Kosmos. Alternativ zur Auflösung der Heime könnte man auch die faktische Vollrechtsfähigkeit der Heimbewohner herstellen. Aber das wird nie geschehen.

Liebe Leser dieser Zeilen, seht zu dass eure Eltern, Großeltern, Verwandte, Freunde und ihr selbst nicht in ein Heim einziehen solange es irgendwie noch anders geht. Manchmal geht es nicht anders, ich weiß. Aber zahlreiche Heimaufenthalte müssten nicht sein.

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