Avatar von Tlazolteotl
  • Tlazolteotl

mehr als 1000 Beiträge seit 18.04.2008

So einfach ist das nicht...

Anfang der Woche verblüffte mich ein Beitrag in den ÖR zur Öffnung der Geschäfte. Zeigte man doch ernsthaft eine sich öffnende Ladentür und der erste Kunde war eine klapprige alte Frau mit Rollator. Auch auf meinen Rennradrunden durch die leere Provinz finde ich gerade jetzt sehr viele Alte, die spazieren gehen oder selbst Rad fahren. Da fragt man sich schon ein wenig, warum die größte Risikogruppe derartig unvernünftig ist.

Aber sei es drum! Spätestens seit Ströbeles dämlichen Kommentar bin ich der Meinung, dass man jedem Bürger die Freiheit geben sollte, sein Leben wegzuwerfen. Ich kann durchaus verstehen, dass Menschen der Qualität den Vorrang Dauer geben. Leider ist die Auswirkung nicht ganz so individuell, wie man das jetzt vielleicht auf den ersten Blick glauben mag. Wenn sich jetzt alle todesmutigen wieder auf die Straße begeben und so tun, als wäre nix, ist es eine Frage der Zeit, bis diese die Intensivstationen verstopfen und dann kein Platz mehr für jene ist, die sich vernünftig verhalten und noch nicht sterben wollen oder ggf. auch gar nicht Teil der Risikogruppe sind.

Auch in Pflegeheimen kann man die Todesmutigen nicht einfach machen lassen, was sie wollen, denn sie sind damit auch eine Gefahr für Personal und Mitbewohner, die eben diese Einstellung nicht teilen. Wir wissen heute, dass die Übertragung des Virus am höchsten ist, bevor die Symptome eintreten. Das bedeutet im Klartext, dass man die Infektion viel zu spät bemerkt und auch kaum wieder los wird, weil man der Lage immer hinterher rennt. Auch kann man infizierte nicht einfach sich selbst überlassen und meinen, die Quarantäne würde das schon richten... die richtet dann zwar, aber die richtet in so einem Fall lediglich die Betroffenen hin, weil die schon lange nicht mehr allein Überlebensfähig sind.

Leider werden gerade im Alter ganz viele Menschen sehr unvernünftig. Diesen dummen Altersstarrsinn könnte ich auch in meiner Familie schon mehrfach erleben. Zu viele wollen einfach nicht wahrhaben, das ihr Leben und ihre Fähigkeiten nicht mehr dem von vor 10 oder 20 Jahren entsprechen. Ein älterer Mann in meinem Umfeld terrorisiert lieber seine Töchter und stellt Forderungen an häusliche Pflege mit über 50km Entfernung, statt aus seinem Provinznest rauszukommen und in ein Pflegeheim zu ziehen, welches in der gleichen Stadt wäre. der Blick aufs große Ganze ist da irgendwo verloren gegangen und der sieht, wie viele andere in dem Alter auch, nur noch sich und seine Probleme.

Bewerten
- +