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  • Pnyx (1)

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falsche Klingel

Der nächste Ansatz, drum herum zu kommen, die Ansicht, es handle sich um eine Hysterie explizit hinschreiben zu müssen. Diesmal wird man präventiv mit der ausführlichen Beschreibung eigner Kompetenz zugetextet, dann einem immaginären, reichlich idealisiert dargestellten Heimbetreiber ausführlich das Wort erteilt, dessen Lebensinhalt einzig und allein darin besteht, seinen Heiminsassen, besser vielleicht Kunden, einen optimalen Lebensabend zu bereiten und der nun vom repressiven Staat in völlig unverhältnismässiger Weise zu Massnahmen gezwungen wird, die durchzuführen im Grunde gar nicht möglich ist.

Kommerzielle Interessen gibt es in der Branche offenbar keine, in Nicht-Corona-Zeiten ist sie von der reinen Menschenliebe bestimmt, Missstände unbekannt.

Den Einwand, die Massnahmen seien vorübergehend nimmt der Autor vorweg und behauptet präventiv, dem sei nicht so, dies 'belegend' mit Beispielen aus der Vergangenheit, was mässig überzeugend ist, weil es keine wirklich vergleichbaren gibt. Eine solche Situation hat es in der gesamten Nachkriegszeit nicht gegeben. Die Ansteckungswege von HIV, ebenfalls eine Pandemie, liessen alte Menschen weitgehend unberührt.

Also nein. die Massnahmen werden sehr wohl wieder zurückgenommen werden, sobald die Gefahr durch eine Impfung komplett oder zumindest weitgehend gebannt ist. Schon nur die Entwicklung zuverlässiger Schnelltests, also solcher, die innerhalb weniger Minuten ein Resultat ergeben, werden die Situation massiv entspannen.

Alles zum Schutz der alten Menschen und alles, ohne sie zu fragen, welchen und wie viel Schutz sie überhaupt wollen.

Ein verräterischer Satz. Es kann doch nicht darum gehen, wie viel Schutz eine einzelne Person will. Es liegt im Wesen einer ansteckenden Krankheit, dass immer alle betroffen sind. Wenn die möglichen Folgen so sind, wie im Fall von SARS-CoV-2 muss der Einzelwille zurückstehen. Das ist in anderen Zusammenhängen völlig normal und akzeptiert. Etwa im Strassenverkehr. Das dürfte auch dem Autor klar sein. Dass er den Satz dennoch so formuliert, zeigt, dass er die Gefahr eben nicht für gross hält. Dies obwohl erst in Umrissen bekannt ist, was der Virus so alles anrichten kann bei denen, die er zwar befällt, aber nicht tötet. Täglich erfährt man dazu Neues.

Nicht die Freiheitseinschränkung an sich ist also problematisch, sondern ihre Form. Dass in den real existierenden Altersinstitutionen eine akzeptable Form zu implementieren schwierig ist, stimmt gewiss. Man muss kein grosser Experte sein, um das zu wissen. Dass es zu wenig, zu schlecht bezahltes Personal in diesen Institutionen gibt, ist notorisch. Davon beim Autor, der nach eignem Bekunden auch schon als einschlägiger Unternehmensberater gearbeitet hat, kein Wort. Dass eine solche Institution überhaupt die juristische Form einer Unternehmung annehmen kann, macht mich schon wütend. Den normalerweise in der besten aller Welten lebenden Autor offenbar nicht.

In Krisenzeiten erhält eine Gesellschaft die Quittung für ihre kleinen und grossen Mängel. Ich würde daraus nichts über den Virus schliessen, aber viel über die Weise, wie die neoliberale Gesellschaft mit den, aus ihrer Sicht, Unproduktiven umgeht.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (23.04.2020 03:12).

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