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  • bavarian dynamics

212 Beiträge seit 16.07.2019

Tankstelle bei Stromausfall funktioniert wunderbar

Eine moderne Zapfsäule (3er-Zapfe, Diesel, Super, Super+) zieht höchstens 900W, davon gehen 750W für die Pumpe drauf, 150W für Elektronik, Meßsysteme, Überwachung, Kommunikation, Anzeige und Heizung all dessen (Zapfen sind geeichte Maschinen, die müssen auch bei -25°C die Kraftstoffmenge präzise fördern, messen, anzeigen). Die 900W sind ein eher seltener Wert, der sich nur dann ergibt, wenn full blast gefahren wird, also 130-150l/min. gepumpt werden. Das macht man bei LKW-Zapfen, damit der 800l-Dieseltank schnell voll wird. Standard sind 40l/min, seltener 80l/min. Entsprechend weniger Strom braucht die Pumpe natürlich. Stellt Euch halt mit der Stoppuhr daneben, dann wißt ihr wie die Zapfe eingestellt ist.

Und natürlich zieht die Pumpe die Last auch nur dann, wenn getankt wird. Sonst nicht.

Die unterschiedlichen Pumpleistungen gibt es übrigens auch deswegen, damit die Tankstelle in Hochfrequenz-Zeiten starker Nachfrage mehr Kunden pro Zeiteinheit abfertigen kann. Das kostet die Tanke dann mehr Strom, aber man hat auch mehr Umsatz. In Schwachlastzeiten kann man die Pumpleistung absenken, muß man weniger für Pumpstrom bezahlen.
Ist auch immer die betriebswirtschaftliche Frage, komme ich mit fünf Zapfen und höherer Pumpleistung hin oder muß ich sechs Zapfen hinstellen und kann dann die Pumpleistung runterfahren: Zapfen sind teure Maschinen, da muß der Umsatz stimmen: Umgekehrt: Ein Kunde der vorbeifährt, weil er an der Tanke länger warten müßte weil alle Zapfen belegt sind, der ist ein verlorener Kunde, der kauft kein Dosenbier, keine Schokoriegel & keine Zigaretten. Damit verdienen Tankstellen schließlich ihr Geld, nicht mit Sprit. Also ein interessantes Warteschlangenproblem der Verkehrstheorie. Erlang übernehmen Sie! Erlang ist pure Soziologie bzw. BWL, dabei war der Mann Ingenieur...

Aber ich schweife ab. Gehen wir mal großzügig von 0,8 kWh pro moderner 3er-Zapfe aus. Das würde sie verbrauchen, wenn sie 60 Minuten pro Stunde pumpen würde. Was sie realiter nicht tut. Is weniger.

WENN der Tankstellenpächter nun wirklich das Bedürfnis verspürte, seine Tanke auch bei Stromausfall weiterlaufen zu lassen, so würde er sich einfach einen Notstromerzeuger, irgendein Aggregat von Alibabsi Ebayzon hinstellen. Da kriegt man für 1000€ schon was Vernünftiges, was DREI Zapfen + Infrastruktur drumherum (Kassensystem, Beleuchtung, Bierdosenkühlschrank) am Laufen hält. Wie unser Tankwart die Kosten für das Aggregat in seine verkauften Produkte einpreist, müßt ihr ihn selber fragen.

Und - da kommen wir noch mal auf Big Daddy Mofo & Godfather Erlang und seine Verkehrstheorie zurück: Spatiotemporalität. WANN & WO fällt der Strom eigentlich aus? An der Dorftanke von 2-7h morgens? Das hat auf den Geschäftsbetrieb keine Auswirkungen, da ist die Tanke nämlich zu. Reden wir hingegen von einer 10-Zapfen-Autobahntanke und Stromausfall zur Hochfrequenzzeit, wenn alle tanken wollen, Bockwurst, Dosenbier, Kippen & Schokoriegel mitnehmen: Dann & dort könnte es wehtun, wenn der Strom weg ist, da gibts unschöne Umsatzeinbußen. Hier könnte ein korrekt dimensioniertes Notstromaggregat evtl. sinnvoll sein. In einer primitiven, reichlich eindimensionalen Preismodellierung kostet dann das Snickers an besagter Autobahntanke statt 95 vielleicht 97ct, um die Zusatzkosten des Notstromerzeugers zu decken.

Wow. Weltuntergang. Wir werden alle sterben. Aber vorher leben wir hoffentlich noch ganz gut.

bd

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