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  • Irwisch

mehr als 1000 Beiträge seit 22.03.2005

Philosophie "an sich" gibt es nicht"!

> "medien" haben sich selbst den sinn und zweck ausgewaehlt,
> die konsumentenschaft zu informieren, also mit informationen,
> /basierend/ auf einer weltanschauung (man koennte sagen: auf
> der gesellschaftlich anerkannten, wobei diese aussage die
> vielen "nischenbereiche" der gesellschaft in ihrer
> vielschichtigkeit insgesamt missachten wuerde), zu versorgen.

Ebenso wie es keine Philosophie an sich gibt, verhält es sich mit
"den Medien". Deine Behauptung, die Medien hätten den Sinn & Zweck,
die Konsumgesellschaft zu informieren, ist sehr ungenau und deswegen
in dieser Allgemeinheit, in der du sie vorträgst, unrichtig. Wer die
Geschichte der deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverleger nach dem
2. Weltkrieg nur ein wenig kennt, der weiß, daß der erste Zweck der
Verleger Auflage und somit Profit heißt, und daß Information im
weitesten Sinne auch nicht den zweiten Platz in deren Priorität
einnimmt. Lies hierzu einmal von Hans Dieter Müller die "Kritische
Studie des Springer-Konzerns", des größten bundesdeutschen
Meinungsmachers. Danach wird dir bewußt sein, daß es bei den Medien
mitnichten um harmlose Information geht, wie deine Zeilen vermuten
lassen.

> philosophie ist jedoch eine wissenschaft, welche sich mit
> der weltanschauung und den daraus folgenden implikationen
> beschaeftigt (und damit etwas von vornherein sehr flexibles).
> und das wiederum ist in unserer heutigen, "aufgeklaerten"
> zeit die sache eines jeden menschen selbst. denn die wichtigste
> philosophische erkenntnis, die ein mensch unserer zeit
> irgendwann in seinem leben erlangt, ist die, dass jedes
> individuum seine eigene wahrheit, seine eigene "welt"(anschauung)
> hat, [...]

Auch diese Zeilen finde ich grob verharmlosend. Der Erfolg der Medien
beruht auf effektiver Meinungs-Mache, auf der Manipulation des
Bewußtseins genau dieser von dir so eigenständig dargestellten
Individuen. Die Masse der Bundesbürger wie auch der Bewohner aller
anderen Industrienationen hegt keineswegs die eigene Meinung, sondern
die des Mainstreams, die sie billig erworben haben ohne eigene
Recherche, häufig ohne eigenes Nachdenke, was die Wahrnehmung von
Widersprüchen erspart, und allermeist ohne echtes Interesse an der
jeweiligen Thematik. Eine sog. "eigene Meinung" zu behaupten gehört
schlicht zum guten Ton, ansonsten ist hinter dieser angeblichen
eigenen Meinung nur heiße Luft. Ein Hoch auf den tiefen Schlummer der
entschiedenen Meinung ...

> von diesem standpunkt aus ist das thema philosophie innerhalb
> der medien - will man nicht in einem glaubens-faschismus enden
> - einzig in form von denk-anregungen und fragestellungen zu
> beruehren, doch die medien bewirken in der heutigen zeit das
> genaue gegenteil hiervon: dann muesste naemlich jeder fuer
> sich selbst ueber das thema nachdenken, waehrend heutzutage
> die medien eher in die tendenz laufen, der massenbevoelkerung
> das eigenstaendige denken abzunehmen! deshalb ist auch ein
> unterrichtsfach philosophie an schulen ziemlich zwiespaeltig
> zu betrachten. wird doch im schulunterricht ebenfalls mehr
> vor-gedacht was die schueler dann nach-zu-denken haben als
> diese zum selber-denken anzuregen, so sind wir auch hier
> schon wieder nahe am bereich des glaubensfaschismus angelangt.

Auch in deinem zweiten Posting ist eindeutig nachweisbar, daß du
selbst zu jenen gezählt werden mußt, die nicht selber denken, sondern
das widerkäuen, was sie irgendwo aufgeschnappt haben. So verwendest
du beispielsweise als Argument gegen die Einführung philosophischer
Themen in öffentlichen Schulen die leidliche Tatsache, daß in den
Schulen eigenständiges Denken selten erwünscht ist, ohne dir darüber
klarzuwerden, daß gerade philosophische Themen, insbesondere die
Sprachphilosophie, zu eigenständigem Denken anregen können, weil sie
den Vorgang und die Mechanismen des Denkens bewußt machen helfen.
Eine weitere Begründung für die angebliche Unsinnigkeit von
Philosophie an Schulen leitest du irrsinnigerweise aus der von dir
wieder verharmlosend als Tendenz bezeichneten Meinungsmache und
gezielten Verdummung der Massen ab. Mir leuchtet keineswegs ein, was
das eine mit dem anderen zu tun hat.

Es ist eben gerade die fehlende philosophische Bildung, die neben der
mentalen Entmutigung im "Erziehung" genannten Sozialisations- bzw.
Konditionierungsprozeß dazu beiträgt, daß die Nervensysteme der
breiten Masse überhaupt für derartige Manipulationen anfällig sind.
Das Wissen um diese Defizite stellt ebenso Herrschaftswissen dar wie
das Wissen um systematische Manipulation.

Zuletzt würde mich interessieren, was du unter Faschismus,
insbesondere unter Glaubensfaschismus verstehst.

Irwisch

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