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  • Strichel

157 Beiträge seit 31.05.2016

Schwachpunkt der Studien: "schon mal erlebt" 1x,2x,20x?

Wenn aus der Studie abgeleitet werden soll (wie im Artikel geschehen), wieviel Prozent der Opfer von sexuellen Übergriffen Männer sind, müsste dann nicht danach gefragt worden sein, wie oft der/diejenige Opfer von sexueller Gewalt war? Und eben nicht "Waren sie schon einmal ..." oder "Was war die schlimmste Form der sexuellen ..." ?

Da ist es doch vorprogrammiert, dass das Ergebnis unbrauchbar ist.
Was ist, wenn (und das ist meiner Erfahrung nach nicht unwahrscheinlich) Männer durchaus mal Opfer sexueller Übergriffe werden, aber Frauen eben regelmäßiger? Und damit ihre Anzahl an der Gesamtzahl der Vorfälle erheblich höher liegt als im Artikel suggeriert? Somit stellt sich vermutlich die Frage, wie "Opfer" definiert ist. Gibt es pro Vorfall ein Opfer, oder ist es egal, wie oft ein Mensch vergewaltigt wird, er ist und bleibt ab dann jeweils ein Opfer?

Es wurde in den Kommentaren ja bereits mehrfach kritisiert, dass die Täterstruktur überhaupt nicht erfasst wurde. Hierin liegt aber der Schlüssel für obige Fragen: Wenn ich weiß, dass Männer hauptsächlich von Männern vergewaltigt werden, und ich gleichzeitig weiß, dass der Anteil der zu Verwaltigungen neigenden Männer, die dabei auch andere Männer als Ziel wählen, deutlich niedriger ist als der Anteil, die sich auf Frauen beschränken (und ich beziehe mich dabei nicht auf das simple Schema homosexuell/heterosexuell - gerade nicht in Ländern mit unterdrückter Sexualität), so folgt daraus zwingend, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Mann, so einen Vergewaltiger zu treffen, niedriger sein muss, als die Wahrscheinlichkeit für eine Frau, an einen "Trump" zu geraten (Wahrscheinlichkeitstheoreme).

Daher ist die Frage des "Wie oft" die eigentlich entscheidende. Schade, dass sie hier nicht erörtert wurde. So ist der Artikel leider ohne Aussagekraft.

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