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  • hgeiss

433 Beiträge seit 06.08.2014

Bald werden wir wieder Gedankenfreiheit fordern

Ich sympathisere weder mit Pegida noch mit der AfD und meine Hoffnungen bezüglich Trump bewegen sich auf einem fast unterirdischen Neveau. Doch ich registriere, dass er für Abläufe kritisiert wird, die noch von seinen Vorgängern stammen. An Positivem kann ich bislang nur die Karenzzeit für das Wechsel aus Regierungsämtern in lukrative Wirtschaftsjobs erkennen, eine Sache, bei der sich Deutschland eine Scheibe abschneiden kann, denn in Sachen Lobbyismus und Korruptionsbekämpfung befinden wir uns noch im Neandertal. Doch ein Wort zu den Hoffnungen, die viele mit Trump verbinden: Auch als Laie sollte man den langen Bremsweg eines Hochseeriesen kennen und wie schwer Kursänderungen möglich sind. Und dass es praktisch schon bei einem einzelnen Rechner unmöglich ist neue Programme laufen zu lassen, die mit dem Betriebssystem nicht kompatibel sind. Und dann erst eine hunderttausendfach verflochtene Maschinerie, wie sie ein Imperium wie die USA darstellt, auf einen anderen Kurs bringen kann, hat noch nie jemand versucht. Wer hier einfache Lösungen verspricht, ist Dummkopf oder Gauner. Und – ein anderes Bild – wer einen so gewaltigen Riesen zu Fall bringt, der wird auch mit dem Schaden leben müssen, den er beim Fallen anrichtet. Aber Trump will auch gewiss nicht versuchen den Riesen zu Fall bringen, dessen Teil er ist oder als dessen er sich fühlt.

Viel schlimmer ist, was gegenwärtig bei uns an Hetze passiert. Wußten sie, dass es heute schon „Regionalbeauftragte für Demokratie, Toleranz und Extremismusprävention“ gibt, die im Auftrag der staatlichen Schulämter unsere Kinder dahingehend instruieren, was sie denken dürfen und was nicht? Wir nähern uns langsam George Orwells Phantasien in Reinkultur. Wers nicht glaubt, kann ja einmal den Bericht unserer Lokalzeitung über den Besuch einer Schule durch den Wahrheitsbeamten lesen. Hier ein Auszug

B. K. von der Staatlichen Schulberatung (...) hat einen langen Titel: Regionalbeauftragter für Demokratie, Toleranz und Extremismusprävention. In dieser Funktion hat er an der (----)-Realschule in (----) zum Thema Populismus und Rechtsextremismus vor den Schülern der 10. Klassen referiert. Aktuelle Anlässe in Deutschland, Europa und in den USA lassen dieses Thema brennender denn je erscheinen. "Während radikal Linke und radikal Rechte unsere Demokratie aushalten muss, ist bei extrem Linken und extrem Rechten Gefahr in Verzug", so B.K., " denn beide wollen letztlich unsere demokratische Grundordnung zerstören und eine personenbezogene Diktatur schaffen." Dabei unterscheidet sich ihr Vorgehen grundlegend gegenüber dem Vorgehen in der NS-Zeit. Sie sehen sich gerne als Opfer des bestehenden Systems und als Dominanz einer politischen Korrektheit. Dabei werden sogar Tabubrüche relativiert (Beispiel: Bernd Höckes Aussagen zum Holocaustdenkmal in Berlin), einfache Lösungen angeboten und Stimmungen in der Bevölkerung aufgenommen.
Ein wesentlicher Bestandteil ihres Parteiprogramms ist die Ethnokulturalität, wie K. sagte. Dies bedeutet, dass jede Kultur in ihrem Heimatland eine eigene Identität besitzen darf, aber eine Durchmischung verhindert werden soll. Bezogen auf das Programm der AfD bedeutet dies unter anderem: ein lose verbundenes Europa der Vaterländer, die Abschaffung des Euros, eine deutsche Leitkultur, der Islam gehört nicht zu Deutschland, Deutscher ist nur, wer in Deutschland geboren ist und dergleichen mehr. "Ihr Gesellschaftsbild ist sehr rückwärtsgewandt und vom klassischen Rollenverständnis der Geschlechter geprägt", beschrieb der Referent die AfD-Einstellung. Eine große Rolle bei der Verbreitung ihrer Ideologie spielen die modernen Medien. Dabei setzen sie gezielt auf ein jugendliches und ansprechendes Erscheinungsbild bei Facebook und Co. oder bei ihrem Internetauftritt. "Brauner Inhalt in modernem Anzug", wie K. es beschrieb. Er appellierte an die Jugendlichen, nicht auf solche Rattenfänger hereinzufallen und kritisch zu bleiben.

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