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  • auch.dabei

401 Beiträge seit 11.06.2007

zur Befragung

Die Sache mit der Befragung ist in dem ansonsten guten Artikel etwas
falsch dargestellt. Bei der Befragung handelt es sich eigentlich um
eine öffentliche Konsultation, wie sie in vielen Ländern der EU ganz
normal bei allen (oder den meisten) Gesetzesvorhaben regelmäßig
gemacht werden.

Dabei wird absichtlich nicht klassisch repräsentativ befragt, sondern
es kann jeder und so viele Menschen mitmachen wie es halt
interessiert. Im Grunde genommen ist das eine feine Sache, weil man
mit "klassischen", repräsentativen Befragungen per Zufallsauswahl
ziemlich viele Leute erwischt, die von dem jeweiligen Thema keine
Ahnung haben. Sucht man die Befragten selbst aus, setzt man sich
immer dem Vorwurf der gezielten Selektion aus. Bei einer öffentlichen
Konsultation hingegen machen idealerweise die Menschen mit, die sich
aus welchen Gründen auch immer für genau das Thema interessieren –
meistens weil sie in ihrem Leben damit zu tun haben und deswegen
mindestens ein gewisses Erfahrungswissen mitbringen.

Deutschland bildet hierbei eine unrühmliche Ausnahme in Europa. Es
gehört nämlich zu den ganz wenigen Ländern in denen solche regulären
öffentlichen Konsultationen praktisch vollkommen unbekannt sind.
Thüringen ist seit 3 Wochen(!) das erste Bundesland, dass sich
zaghaft daran wagt. Vermutlich hat man wie immer Angst, dass wenn
Bürger politisch mitreden (direkte Demokratie, Bürgerbeteiligung
etc.), der quasi sofortige Untergang des Abendlandes droht, inklusive
Massenhysterien, Volksaufständen und was sich unsere Amts- und
Mandatsträger noch so alles ausmalen.

Von der Theorie zur Praxis: Die Befragungen die die EU regelmäßig
online zu allen möglichen Themen durchführt, sind gut gemeint – aber
leider sehr schlecht gemacht. Das fängt damit an, dass eigentlich
kaum irgendjemand überhaupt von den Befragungen erfährt: deswegen
haben von 500 Millionen Europäern sich vermutlich nur 300 an der
Mautbefragung beteiligt. Hinzu kommt, dass die Befragungen technisch
sehr schlecht umgesetzt sind, man gerne mal über 30 Minuten braucht
um den Fragebogen zu beenden (und nur dann wird er gezählt) und
zuguterletzt die Fragestellungen irrwitzig verschachtelt, unnötig
kompliziert und teils auch einfach suggestiv sind.

Der Skandal ist weniger, dass die EU diese nicht repräsentativen
Konsultationen durchführt, sondern dass sie das derartig lustlos,
uninspiriert und folgenlos macht, dass sich der HerrKommissar
eigentlich dafür schämen sollte, sie in einer Pressekonferenz auch
nur zu erwähnen.

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