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  • Harry Boeck

mehr als 1000 Beiträge seit 14.03.2000

Ich würde die Frage erstmal anders stellen...

Aber ganz zu Anfang erstmal eine Feststellung, an der es nichts zu
rütteln gibt:

Die DDOS im Zusammenhang mit Wikileaks WAREN (als unbestreitbarer
Fakt) PROTESTE. Und zwar ganz unabhängig davon, ob "man"
(Volk/Regierung) solche Proteste als "erlaubt" anerkennen möchte oder
nicht. Und unabhängig davon, was gewisse Rechtsverdreher an
akademischen Konstrukten in ihrer autistischen eigenen Welt daraus
bauen.

Sie unterscheiden sich damit von anderen Arten von DDOS, wenn diese
etwa von einem Unternehmen (oder Auftragnehmern eines solchen) gegen
ein Konkurrenzunternehmen gefahren werden oder von einem Geheimdienst
gegen eine Regierung oder von einem verrückten Script-Kiddie gegen
die NASA. Und damit ganz eindeutig von einer "Computersabotage", wie
sie vom Gesetzgeber und den Parlamentariern, die dem zugestimmt
hatten, ursprünglich GEMEINT gewesen war.

Beide Kategorien von Handlungen haben von der Interessengrundlage bis
zu den Auswirkungen tatsächlich analoge Wirkungen wie in der realen
Welt: So wie dort wird im Internet bestimmter Verkehr unterbunden
bzw. die Arbeitsfähigkeit bestimmter Unternehmen oder übergreifender
Infrastruktur außer Kraft gesetzt.

Im "realen Leben" würde wohl kaum jemand auf die Idee kommen, nur
deshalb, weil AUCH Geheimdienste einen Putsch verursachen können (und
dies oft genug machen) oder weil AUCH Nazis Fackelzüge machen können,
Demonstrationen oder gar Streiks für's ganze Volk zu verbieten.
Obwohl BEIDES von der in der Öffentlichkeit wahrnehmbaren Erscheinung
her GLEICHARTIG ist oder zumindest losgeht.

Im "virtuellen Leben" haben unsere Politiker und auch eine ganze
Menge von "Spezialisten" keine Skrupel, "Proteste" jeder Art global
zu verteufeln - weil das Internet für sie immer noch ein
bürgerrechtsfreier Raum ist.

Das muß ja nun aber nicht so bleiben, gelle?

Ich empfehle da als erstes eine gründliche Auseinandersetzung mit
Ideen rund um solche Bürgerrechte, die man auch sonst als grundlegend
ansieht (also zu westweltlich: Wo man Zeter und Mordio schreit, wenn
ein ANDERER Staat solche auch nur im Ansatz mißachtet). Solche Rechte
sollten ERSTMAL ANERKANNT werden.
Anschließend sollten von diesen abweichende Interessenlagen
identifiziert und gegebenenfalls in eine Ausschlußklausel aufgenommen
werden. Und zwar hinreichend idiotensicher, daß Rechtsanwälte und
Richter (und nach Möglichkeit sogar Polizisten) damit klarkommen.

Im "realen Leben" hat es im bürgerlichen Europa immerhin auch etwa
ein Jahrhundert gedauert, ehe die Herrschenden Kreise sich
einigermaßen daran gewöhnt hatten, Demonstrationen nicht schon im
Entstehen zusammenzuschießen. Und selbst heutzutage noch hat die
Staatsgewalt im realen Leben enorme Defizite im Unterscheiden von
berechtigtem Bürgerprotest und unberechtigtem Krawallschlagen.

Ich rechne also nicht vor Ablauf von noch ein paar Jahrzehnten damit,
daß sich "Demokratie" auch in den Umgangsformen im Internet
einigermaßen durchsetzt.

Tatsächlich IST das Internet derzeit noch ein weitgehend rechtsfreier
Raum. AUCH und BESONDERS hinsichtlich der Willkür von Rechtsanwälten,
die vorhandene Gesetze rein willkürlich zurechtbiegen, wo immer sie
nur ein Gelenk mißbrauchen können.

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