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  • exkoelner

mehr als 1000 Beiträge seit 28.06.2012

Deutsch dominiertes Europa ... eine über 150 Jahre alte Diskussion

Der angeblich so liberale Friedrich Naumann hat ja bereits 1915, mitten im 1. WK eine Idee über ein deutsch-dominiertes Mitteleuropa veröffentlicht - das die ökonomische und damit auch politische Hegemonialität Deutschlands beschrieb - eine Idee, die seit 1815 verfolgt wird, und als notwendigen Zwischenschritt zur Gründung des deutschen Kaiserreichs führte.

Ein paar Auszüge aus einer Forschungsarbeit, die sich mit der Wahrnehmung der anglo-sächsischen Presse zu dieser Zeit beschäftigt:

"DER „MITTELEUROPA“-PLAN UND DAS „NEUE EUROPA“ DER NATIONALSOZIALISTEN IN DER ENGLISCHEN UND AMERIKANISCHEN TAGESPRESSE

Die beiden wohl prominentesten antiliberalen Europapläne der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – der während des Ersten Weltkriegs von Friedrich Naumann im Rahmen der deutschen Kriegsziel-Diskussion verkündete „Mitteleuropa“-Plan sowie das „Neue Europa“ der Nationalsozialisten – erlangten nicht nur im öffentlichen Diskurs innerhalb Deutschlands Bedeutung. Als Bedrohungswahrnehmungen waren sie auch in den Ländern der Kriegsgegner ...

Die übergreifende These lautet, dass die massive Angst vor den antiliberalen deutschen Europamodellen bei Engländern und Amerikanern der Einsicht den Weg bereitete, dass eine aktive eigene Europapolitik und letztlich die Ausarbeitung eines alternativen liberal-demokratischen Einigungsplans notwendig sei.

1. „Mitteleuropa“

Als im Oktober 1915 die Abhandlung „Mitteleuropa“ des deutschen Theologen und Politikers Friedrich Naumann erschien, wurde sie rasch zu einem Bestseller, der sich innerhalb kurzer Zeit über 100.000-mal verkaufte.2 Naumann propagierte darin für die Zeit nach Kriegsende einen primär wirtschaftspolitisch integrierten Staatenbund, dessen Kern ein stärkerer Zusammenschluss der Mittelmächte, insbesondere Deutschlands und Österreich-Ungarns, darstellen müsse, der jedoch sukzessive nach mehr oder weniger föderativen Grundsätzen erweitert und im Endeffekt weite Teile Zentral- und Südosteuropas umspannen solle.

Die „New York Times“ etwa sprach im Juni 1917 wie selbstverständlich von einem durch deutsche Truppen geschaffenen „Empire of Mitteleuropa“, dessen Verwirklichung – wie ein anderer Artikel des Blatts einige Monate später ergänzte – bereits seit vielen Jahrzehnten angestrebt worden sei.

Inhaltlich sahen die englischsprachigen Qualitätszeitungen in „Mitteleuropa“ eine massive Bedrohung in Form eines imperialistischen Ausgreifens Deutschlands auf den Rest Europas, welches das Freiheitsstreben der Völker etwa innerhalb der Donaumonarchie in Frage stelle.13 Der Plan sei demnach nicht nur eine Gefahr „to all Europe outside that centre“,14 sondern – wie vor allem die US-Zeitungen im Anschluss an den amerikanischen Kriegseintritt verkündeten – auch für die außereuropäische Welt.15 Letztlich bedrohe „Mitteleuropa“ in einem globalen Rahmen Demokratie und Liberalismus, wie ein Artikel der „New York Times“ Anfang 1918 konstatierte.

Selbst einige Monate nach Kriegsende sah die „New York Times“ in einer geplanten Eisenbahnstrecke von Bordeaux über Belgrad nach Odessa eine bewusst als solche konzipierte Alternative zum vermeintlichen Herzstück des deutschen „Mitteleuropa“-Plans, der Berlin-Bagdad-Bahn (siehe Abb.). Tatsächlich warnte das amerikanische Blatt auch in der frühen Nachkriegszeit wiederholt vor einem Wiederaufleben „Mitteleuropas“ und unterstrich damit die anhaltende Wirkungsmacht jenes Bedrohungsbilds."

http://www.zeithistorische-forschungen.de/3-2012/id%3D4499

Kann man ja mal drüber nachdenken ... ich denke, das verbreitete "Brexit-Narrativ" ist nicht vollständig, wenn nicht sogar komplett falsch ...

was er hier in Form eines Vortrages gemacht hat:

Der deutsche Nationalstaat und die Kontinuität des deutschen Imperialismus - Jörg Kronauer

https://www.youtube.com/watch?v=7-Fq8dDcMyw

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (24.02.2018 11:28).

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