Es ist schon wirklich frustrierend, wenn selbst in einem alternativen Medium wie Telepolis die Meldung nicht darin besteht, wie tiefgehend entfremdet das Verhältnis zwischen europäischen, doch vermeintlich demokratischen 'Regierungen' ist, sondern, was der 'böse Russe' wohl damit bezwecken will, das auch herauszufinden.
Ich frage mich ernsthaft, ob Journalisten, die hierin dem Spin der Leitmedien folgen, sich nicht die fürchterliche Bedrohung spüren, die hinter dem aktuellen geopolitischen Spiel der um jeden Preis ihre Hegemonie erzwingen wollenden, wirtschaftlich wie politisch aber wankenden US-Eliten steht. Denn dass Russland zum Gegenpart eines Kräftemessens auserkoren wurde, bei dem schon jetzt auch deutsche Truppen den Abwurf von Nuklearattrappen an der russischen Grenze üben, ist ebenso offensichtlich, wie dass es dem genuinen Lebensbedürfnis von Russen wie allen übrigen Europäern sein müsste, in den westlichen Regierungen jede Allianz mit den USA da zum Ende kommen muss, wo die US-Administration einen großen Krieg als Mittel im Machtkampf zu führen bereit wäre.
Das ist doch der reine existenzielle Überlebenswille für einen selbst, erst recht aber die Generation unserer Kinder, der jeden auch nur halbwegs klar tickenden Menschen hier an die Seite Russlands bringen müsste - und nicht die der USA. Oder sind die ohnmächtigen Kritiker die einzigen, die die tödliche Gefahr erkennen, die hinter den vollmundigen Hegemonialerklärungen des US-Exzeptionalismus durch die Brzézinskis, Nulands, Kagans, McCains (PNAC) aber auch das aktuelle War Manual des Pentagons (und Auftragsarbeiten wie die des CSIS, das auch Nuklearkriege im Zweifelsfall für "führbar" hält - was jeden Europäer auf die Palme bringen müsste.)
Was immer man auch über den politischen Apparat in Russland und seine Führung denken mag: Die Russen wollen keinen Krieg: Er hat für sie einen tödlichen Schrecken - für US-Eliten aber nicht. Die ganze Drohung der russischen Militärdrohung, die vor dem HIntergrund der deutsch-russischen Geschichte so klar wie Kloßbrühe ist, ist die folgende: Sie besagt: Wann immer ihr zu der Entscheidung kommt, uns töten zu wollen, werdet ihr mitgehen. Wir werden so wenig in einem neuen wie dem vergangenen Weltkrieg die Schafe spielen, die sich einseitig zur Schlachtbank führen lassen."
Wer das übersehen will, übersieht alles. Aber wozu? Wozu lässt man sich so sehr von NATO-Propaganda verblöden, dass man bereit ist, US-hörig bis zum kollektiven Krepieren zu sein?
Der Nahe Osten wurde verheert, um die Hoheit des Petrodollar zu sichern, an dem die US-Militärmaschine hängt. Deutschland wurde totalausgespäht, damit seine Gefolgschaft durch Erpressung jederzeit erzwungen werden kann, auch im blinden Marsch in einen neuen, für uns selbstmörderischen Krieg. Die Konzernermächgigungsabkommen dienen dazu, die Dollarmaschine in Gang zu halten, indem die Europäer gezwungen werden können sollen, Frackinggas zu kaufen und US-Firmen die Liquidität zu sichern. Und der Hybridkrieg wurde erzwungen, um Russland in die Knie zu zwingen (vor dem nächsten Showdown gegen die Chinesen.)
Im polnischen Fernsehen schwadronierte Brzézinski vor einer Moderatorin, die die Weiterwanderung der US-'Fürsorge' befürchtete, die USA hätten in Asien wie in Europa strategische Interessen, in Europa aber auch substanzielle, doch stehe eine Liquidation nicht unmittelbar an. Das heißt doch auf gut Deutsch: Ihr seid für uns Haifischfutter im Kampf für die eigene Vorherrschaft.
Falls Russland also gegen ein solches Szenario mit Publikation angeht, kämpft es doch außer für seine Existenz sekundär auch für unsere. Wer da mit den Russen mitgeht, muss doch nicht den russischen Präsidenten für einen Messias halten, sondern nur überleben wollen.
Was also geht in Ihrem Kopf rum, Herr Rötzer, wenn Sie sich an den Mainstream-Spin anhängen? Warum muss man als jemand, der schlichtweg nichts als das grundlegende Anliegen hat, es zu keinem neuen Weltkrieg kommen zu lassen, hier auf Telepolis genau so gegen die Windmühlen der Dummheit ankämpfen wie in den Foren der Leitmedien auch?
Halt denn die ganze Reflexion der verfluchten 30er und 40er bei uns nichts anderes hervorgebracht als geopolitische Dummheit und eine erneute Bereitschaft vieler zum nächsten kollektiven Selbstmord?
Ich kann's nicht fassen!