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  • Parkwaechter1

5 Beiträge seit 08.12.2018

Die "Südtäusche" mal wieder ...

So mancher überzeugte Anhänger des Neoliberalismus, der an die Funktionsweise der unsichtbaren Hand des Marktes glaubt, mag sich eventuell wundern: Werden doch heute in einem Konzern alle Produkte und Geschäftssparten, die nicht mehr profitabel sind bzw. nicht mehr genügend Abnehmer finden, umgehend liquidiert bzw. vom Markt genommen. Warum also werden die leck geschlagenen, allen zeitgemäßen Umweltstandards spottenden – und mittlerweile von Piraten und meineidigen Halunken gekaperten – Schweröldampfer der „Leitmedien“ wie die "Süddeutsche" trotz defizitärer Performance weiterhin auf hoher See krampfhaft auf Kurs gehalten? Warum wrackt man diese eigentlich schrottreifen Schweröldampfer nicht endlich ab, die mit ihren täglich in rauen Mengen ausgestoßenen schwarzen Rauchwolken nicht nur die Atmosphäre verpesten, sondern jederzeit auseinanderzubrechen und damit eine biblische Ölpest zu verursachen drohen?

Nun, das hat einen schnöden Grund: Auch wenn die meisten Bürger den Leitmedien kein Vertrauen mehr schenken und sich anderen Informationsquellen zuwenden, so haben die ehemaligen medialen Flaggschiffe zumindest immer noch eine wichtige systemerhaltende Funktion als Torwächter und Denunziationslexika: Sie dienen dazu, um innerhalb der medial-politischen Landkarte des neoliberalen Ausbeutungssystems die Grenzen des Zulässigen abzustecken, abweichende Meinungen zu ächten und dann als Zitatequelle für diffamierende Darstellungen unerwünschter Persönlichkeiten herzuhalten, die dann in der neuen Wahrheitsenzyklopädie Wikipedia / Wikimedia sowie auf diversen illegalen Rufmordplattenformen wie Psiram verewigt werden.

Wer in der Südtäuschen Zeitung oder im Relotius-Spiegel verrissen wird, der bekommt zumindest im etablierten Parteienapparat und in den Institutionen des öffentlichen Lebens mit Sicherheit keinen relevanten Posten mehr. Aus Angst vor „Kontaktschuld“ werden ihn auch alle anderen „renommierten“ Medien meiden und Interviews verweigern. Er ist dann aus dem Rat Race draußen, ein Outsider und die Schalthebel können weiterhin mit fortschritts- und frackinggläubigen Statthaltern besetzt bleiben, die sich darin gefallen, die noch verbliebenen Umwelt- und Humanressourcen einer möglichst effizienten betriebswirtschaftlichen Verwertung zuzuführen.

Vielleicht ist es aber auch eine Erleichterung, in diesem Rat Race nicht mehr mitspielen zu müssen und endlich frei denken zu dürfen. Man verliert im Südtäuschen Spiegelkabinett nämlich leicht das Wertvollste, was man als Mensch besitzt: seine Würde.

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