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Avatar von TheDarkCornerInUrBrain
  • TheDarkCornerInUrBrain

69 Beiträge seit 18.10.2017

An Hr Pany (+Hr Rötzer) - Seitenhieb auf MoA und die damit verbundene Heuchelei

Sehr geehrter Herr Pany!

Zuerst einmal: Ich freue mich jedes Mal, wenn Ich einen ihrer Syrien-Artikel lese.
Wie Ich in einer Mail an Herrn Rötzer die Tage schrieb, finde Ich trotz Jahrelanger intensiver Beschäftigung mit dem Thema Syrienkonflikt in der Deutschen Medienwelt keine Artikel zu dem Thema, die ähnlich ausgewogen, fundiert und informativ sind.

Gerade dass sie den Mut haben, auch alternative Quellen zu benutzen, sie diese in den Kontext stellen, macht den Wert ihrer Artikel aus. Alle Seiten zu zeigen, und dem mündigen Leser die Meinungsbildung zu überlassen, anstatt sich als Erzieher oder gar Manipulator aufzuspielen.

Warum sie sich allerdings in diesem Artikel plötzlich von MoA distanzieren ("....und als Quelle nicht nur von einem Lager zitiert und geschätzt wird") verstehe Ich nicht.

Bis dato haben sie MoA als Quelle in den meisten Artikeln verwendet, und dabei immer korrekt auf den "bias" bzw. die subjektive Perspektive von MoA hingewiesen, und die Quelle so in den Kontext gestellt.

Warum jetzt die totale Distanzierung? Warum kann man keine Quelle nutzen, wenn man sie und ihren Standpunkt bzw. ihre subjektive Sicht doch einschätzen und die Informationen einordnen kann?

Warum lehnen sie eine Quelle, die der Kriegsverbrecherischen NATO-Politik nicht wohlgesonnen ist, als zu subjektiv ab, und bereiten deren objektiv nachprüfbare Informationen nicht mit journalistischen Standards auf, und verwerten diese nach eingehender Prüfung?

Warum ihre Illusion, dass es Quellen geben würde, die objektiv sein würden? Jeder Psychologe kann ihnen bestätigen, dass es so etwas wie Objektivität nicht gibt, und Neurologisch unmöglich ist.

Bei MoA ist der "bias" wenigstens offensichtlich, es wird klar und deutlich Position bezogen. Übrigens oftmals ähnlich polemisch wie der SPIEGEL der 1960er und 1970er.
Ganz im Gegensatz zu den allermeisten Syrien-Reportagen der Mainstream-Medien, die so vom NATO-Narrativ durchzogen sind, dass man schreien möchte, die aber sich selber für objektiv halten.

Dass sie MoA im speziellen vorwerfen, nur Beifall "von der einen Seite" zu bekommen, ist noch befremdlicher.
Dieser Logik nach müsste MoA Beifall von Saudischen Takfiris bekommen, um bei seinen Artikeln über Jemen für sie als ausgewogen zu gelten. Oder von NATO-Lobbyisten bei NATO-Kritischen Artikeln. Das ist wohl mehr als absurd.

Generell hat so gut wie jedes Medium seine Zielgruppe. Oft ist diese im Gegensatz zu MoA bei den Mainstream-Medien, die sich mit besonderer, herausragender Journalistischer Qualität schmücken, durch entsprechende Experten analysiert, und Zielgruppengerecht optimiert und vermarktet. Journalismus als Produkt soll ein Qualitätsmerkmal sein? Wohl kaum.

Außerdem kann für sein Publikum wohl niemand etwas, und gerade die MoA-Kommentatoren sind sozial und politisch so breit gefächert wie wohl sonst bei kaum einen anderen Medium.

Von Deutschen Sozialdemokraten, Linken aus Süd-Amerika, ehemaligen US-Soldaten, Friedensaktivisten aller Couleur, Libertären, MAGA-Anhängern, Konservativen, Schiiten, Sunniten, Kurden, Türken, Russen, Briten, Kosovaren, Serben.. All diese verschiedenen Gruppen habe Ich selber dort schon wieder gefunden. All diese Menschen und ihren verschiedenen Erfahrungen und Weltsichten kommen dort zusammen, und führen mal mehr, mal weniger bereichernde Diskussionen.

Da ist die Filterbubble bei den allermeisten Mainstream-Medien, einschließlich Telepolis, wohl deutlich größer. Auch und oft gerade auf Seite der Journalisten.

Wenn man sich die Artikel eines Herrn Nowak oder die von Frau Dangeleit durchliest, sind das Paradebespiele für einseitige, dogmatische, distanzlose und unreflektierte Traktate, die oftmals die Schwelle zur Propaganda bzw. Zielgruppen-Bedienung dramatisch überschreiten. Dafür sind beide hier im Forum ja auch hinreichend bekannt.
Als Mitglied der TP-Redaktion tragen sie für diese journalistisch offensichtlich unsauberen Kollegen und Kolleginnen mit die Verantwortung.
Da scheinen sie es aber nicht ganz so dringend zu haben, sich abzugrenzen.

Gerade bei MoA kommen Menschen zusammen, die gelernt haben, generell keiner Quelle eine angebliche Objektivität zu glauben, bzw. dem infantilen Glauben an echte journalistische Objektivität anzuhängen.
Man muss JEDE Quelle IMMER in den Kontext stellen, dann kann man auch von jeder Quelle etwas lernen. Auch wenn es bei manchen Quellen bzw. Menschen verschwindend wenig sein kann.

Auch Ich teile viele, wenn nicht sogar die Mehrheit der von MoA vertretenen politischen Positionen nicht. Und Ich habe mir manches Mal gewünscht, dass MoA wie sie das Format des klassischen, nüchternen Journalismus nutzt, um über diese Themen zu berichten. Trotzdem kann Ich immer etwas lernen, bzw. davon mitnehmen.

Haben sie zum Beispiel von der Parallele zwischen der aktuellen Offensive der Saudis auf Al-Hudaydah (und ihrer Handlanger am Golf und im Westen) und der Offensive von 1934 gehört? Haben sie gewusst, dass die Saudis in arabischen Medien offen zugeben, dass sie die Houthis/Ansar Allah dadurch bezwingen wollen, dass sie (Wie vor 100 Jahren) bewusst eine Hungersnot durch die Blockade des Hafens auslösen wollen?

WÄRE DIES NICHT IN JEDEM FALL EIN FAKTUM, WAS REPORTIERT WERDEN SOLLTE? EGAL VON WEM ES STAMMT?

Dass es diese Historische Parallele gibt, und dass die Saudis ebenso offen über ihre (Kriegs-)verbrecherische Absicht sprechen, ist einfach und ohne großen Aufwand recherchierbar. Dies mit pseudo-moralistischen Verweisen auf eine fehlende, angeblich existierende journalistische Objektivität zu verschweigen, ist schon ein starkes Stück.

So bleibt man gefangen im Oberflächlichem, statt den Historischen Kontext, und die potentiell vernichtenden Absichten unser eigenen Militärallianz im ärmsten arabischen Land, und in der größten aktuellen humanitären Katastrophe unserer Zeit erkennen zu können.

Falls diese Plötzliche Änderung in ihrer Berichterstattung etwas mit meiner Mail an Herrn Rötzer zu tun hat, wäre Ich dankbar, auf diese Mail eine Antwort zu erhalten.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (04.07.2018 21:36).

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