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  • Irwisch

mehr als 1000 Beiträge seit 22.03.2005

Re: Empirische Feldforschung

> Nein, fast alles durch empirische
> Feldforschung herausgefunden,natürlich
> nicht ohne philosophisch-psychologischen
> Wissensvorbau. Die Sichtweise bewährt sich
> täglich an der Realität. Aber grad die drei
> hab ich nicht gelesen... :)

Bei mir war's eher umgekehrt: ich stellte immer wieder fest, daß
etwas nicht stimmt, daß ich mir sehr häufige seltsame Reaktionen der
Menschen um mich herum nicht zu erklären wußte, worauf ich dann
begann, nach sinnvollen Erklärungen von Zusammenhängen zu suchen,
vorwiegend in entsprechender Literatur. Inzwischen ist mir so einiges
klargeworden, auf das ich niemals von alleine gekommen wäre,
zumindest nicht zu dieser Klarheit, mit der sich mir heute die Welt
darstellt.

Fromm ist ja vielmehr Soziologe und Philosoph gewesen, zumindest in
seinen letzten beiden Lebensjahrzenten. Als ehemaliger
Psychoanalytiker verfügte er über einen immensen Erfahrungsschatz
darüber, was die sog. zivilisierte Lebensweise in Menschen
anzurichten vermag. Reich wurde in seinen letzten Jahren zwar etwas
zum Phantast, zumindest von nüchternen Standpunkt heutigen
Wissenschaftsdenkens aus betrachtet, hat aber in einigen Büchern sehr
klare und wesentliche Zusammenhänge dargestellt (Der Krebs, Die
Funktion des Orgasmus). Adler wiederum ist ein knallharter
Analytiker, in dessen Sprache ich mich allerdings erst einlesen
mußte, um ihn verstehen zu können. Seine Werke finde ich noch die
intensivsten, weil radikaler im Sinne von "am tiefsten greifend".

Daß in Internetforen wie auch in sonstigen RL-Diskussionen die
psychologischen Aspekte unser Welt-Probleme allermeist außen vor
gelassen werden, ist für mich inzwischen Symptom für die Pathologie
der Normalität geworden. Keiner will dran rühren, weil's jeden
betrifft.

Irwisch

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