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261 Beiträge seit 27.02.2016

LKA-Präsident Jörg Michaelis erklärt den verpatzten Einsatz in Chemnitz

Transkript:

„Die Ausgangshinweise zu diesem Sachverhalt stammen aus dem nachrichtendienstlichen Erkenntnisaufkommen des BfV. Die Federführung und Koordination oblag in dem Fall dem BfV. Unterstützt haben der BND, das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen sowie die Verfassungsschutzbehörden der Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt. (…) Was ganz wichtig ist: wir wussten nicht in welcher Wohnung der Tatvedächtige sich tatsächlich aufhält. Es gab auch mehrere ausländisch klingende, arabisch klingende Namen in diesem Mehrfamilienhaus. Daher waren umfangreiche Aufklärungsmaßnahmen notwendig. Eine Wohnung hat sich dann im Zuge dieser Aufklärungsmaßnahmen herauskristallisiert. Deshalb wurde durch zwischenzeitlich vor Ort befindliche Einsatzkräfte des SEK Sachsen ein Zugriff auf diese Wohnung vorbereitet. Letztlich mussten wir diesen Zugriff aber abbrechen, da wir trotz intensivster Aufklärungsbemühungen nicht zweifelsfrei klären konnten, ob sich Albakr tatsächlich in dieser Wohnung befindet. Immer noch war nicht sicher, dass er sich nicht auch in einer anderen Wohnung aufhält. Wenn er polizeiliche Maßnahmen bemerkt hätte, bestand die Gefahr, dass er mit der Umsetzung des Sprengsatzes mit unkalkulierbarem Risiko reagieren würde. Insoweit bestand für uns eine Abwägung des Risikos. Eine Evakuierung war aus genau diesen Gründen, den Polizeieinsatz offenzulegen, zu diesem Zeitpunkt noch nicht durchzuführen. Der Evakuierungslärm hätte bemerkt werden können. Deshalb wurde entschieden ein Zugriffsvariante außerhalb des Gebäudes, beispielsweise wenn der Tatverdächtige dieses verlassen hätte, durchzuführen. Noch während diese Zugriffsmaßnahme außerhalb vorbereitet wurde, verließ am Samstag kurz nach 7 Uhr eine männliche Person das Haus. Das wurde von Observationskräften aus einiger Entfernung bemerkt. Auch ganz wichtig dann: nicht sicher war, ob es sich bei der Person um den Albakr handelt, wurde er aus einiger Entfernung von Einsatzbeamten aufgefordert stehen zu bleiben. Die Person ergriff daraufhin die Flucht. Mittels Warnschuss wurde versucht, das Stehenbleiben zu erreichen. Der Flüchtende reagierte nicht. Eine Schussabgabe auf ihn war nicht möglich und viel zu riskant da sich unbeteiligte Personen in Schussrichtung befanden. Die unmittelbare Verfolgen des Alba.., des Flüchtenden, scheiterte. Hier ein Hinweis: die Einsatzbeamten trugen immer noch einsatzbedingt ihre schwere Schutzausrüstung mit einem Gewicht über 30 Kilogramm. Weiträumige Fahndungsmaßnahmen im Wohngebiet sind sofort durchgeführt worden auch mit Unterstützung der Kollegen der Polizeidirektion Chemnitz. Beamte des SEK blieben am Objekt, da nicht sicher war ob es sich bei dem Flüchtenden tatsächlich um den Albakr gehandelt hat. Als die sogenannte Tatortbereichsfahndung nicht zum Erfolg führte und zwischenzeitlich eine unbekannte männliche Person das Haus betreten hatte, was die Observavationskräfte festgestellt haben, wurden die Kräfte wieder am Objekt konzentriert und eine Durchsuchung des gesamten Gebäudes vorbereitet. Das Tageslicht war angebrochen. Die polizeilichen Maßnahmen um das Haus herum waren zwischenzeitlich sichtbar. Das war auch für den Tatverdächtigen möglich. Daher musste die Entscheidung getroffen werden, die vermutete Tatwohnung schnellstmöglich zu durchsuchen. Der Tatverdächtige sollte ergriffen werden. Die bislang verdeckt und etwas abgesetzt geführten Maßnahmen wurden nun mehr offen durchgeführt. Es erfolgte eine Evakuierung der Bewohner der unmittelbar angrenzenden Wohnungen. Anschließend wurde die Täterwohnung durch SEK-Kräfte gestürmt. Die Zugangssprengung hierzu war genau kalkuliert. Wir führen deswegen Zugangssprengungen durch um möglichst schnell in ein Objekt oder in eine Wohnung zu gelangen. Albakr befand sich nicht in der Wohnung.“

https://machtelite.wordpress.com/2016/10/08/chemnitz-kochte-jaber-albakr-tatp-unter-den-augen-des-verfassungsschutzes/

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