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  • Feuermelder

mehr als 1000 Beiträge seit 23.01.2005

Armut und Freiheit, das geht gar nicht zusammen!

Freiheit heisst immer auch, Möglichkeiten nutzen zu können! Nur frei von spezifischer Arbeit, womöglich sogar von einer dummen, ist halt noch nicht wirklich frei - der Zeitgewinn alleine macht frei einfach noch nicht aus.
Also Armut und Freiheit ist ein "-Paar, ein Negativ-Paar", eine Verbindung, deren zwei Teile sich im Grunde gegeneinander ausschliessen.
Und irgendwie liegt diese "Behauptung" auch an der Grenze zum Zynismus: Dann könnte ja auch irgendjemand kommen und Obdachlos als frei beschreiben! Frei von was bitte? Frei, wenn Menschen keine Wohnung als Rückzugs-Intim-Ort haben, kein Bett, keine Küche, Bad, Computer, wenn der Schlafplatz ungesichert ist, es total kalt draussen ist, das Essen in Frage steht usw. ............
Frei und Arm, das beisst sich grob!

"Tod den Schmarotzern" -noja mal grimmig formuliert: Automatisierung nimmt zu, "du, ich muss dich leider kündigen, deine Arbeit, die du zwar gut machst, kostet mich aber einfach zu viel, viel zu viel...."! "Müsste ich dich behalten, könnte ich dich als Schmarotzer betrachten, als Arbeits-Schmarotzer"!
Eine solche Situation ist durchaus real. Ich sprach mal mit einem sehr sympathischen Mann, der sein ganzes Arbeitsleben in der Autoproduktion verbrachte. Als er anfing, hatte er seinen Worten nach rund 7000 Kollegen, als er aufhörte waren es nur noch 63, 63, die die Maschinen warteten oder irgendwas am Schreibtisch machten. Also gleich rund um das 111fache abgebaut...

Es gibt wohl Menschen, einen Typus, der ohne eine spezifische Arbeit, harte Arbeit gar nicht leben kann. Die Identifikation mit der Arbeit ist da wohl total hoch, so nach dem Motto, "das macht mich aus, das bin ich," am Arbeitsplatz hängt also auch das "Ich", das "Selbstbild, die Selbstidentifikation", und am Arbeitsplatz hängt dann natürlich auch die soziale Kommunikation, "die Kollegen sind wohl eine Familie" - Familie im erweiterten Sinne verstanden. Noja, ist ja nicht unlogisch: Wenn man über x Jahre hinweg mit Menschen zusammenarbeitet, egal, ob jetzt nah-direkt oder distanziert-ferner, dann ist man mit ihnen "zusammen, verbringt viel Zeit miteinander.
Man hört und liest immer wieder von Rentnern, die relativ kurz nach Beendigung des Berufslebens sterben oder depressiv werden. Warum? Da fehlen wohl die Kollegen (zumindest manche), da fehlt wohl der vorgegebene Takt, also der tägliche Arbeitsablauf, die Routine - das Gewohnte bricht weg, "was jetzt tun?" Wenn jetzt dieser mehr oder weniger plötzliche "Leerraum" nicht gefüllt werden kann, was dann?

Was so erschreckend an dem Beispiel aus Weissrussland ist, ist das offenbar völlige Fehlen eines menschlichen Blicks, derart indifferent und gefühllos............
Bob

Klar, in solchen Umgebungen kann es wohl schnell krachen! Wird man derart reduziert und niedergemacht, noja, gibt es dann nicht irgendwann mal auch ein knalliges Feedback?

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