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  • kimschmitzii

mehr als 1000 Beiträge seit 18.02.2002

eine Menge Wenns und aber, sowie Falschdarstellungen bzw schlechte Bsp.

Die Tigerstaatenkrise als Erklärung für irgendwas heranzuziehen, ist
nicht seriös. Die Tigerstaaten sind seinerzeit durch westliche
Investitionen in einen ungesunden/unermesslichen Boom getrieben
worden. Dabei hat man solange gewartet bis nicht professionelle
Anleger nachgezogen sind und ebenfalls Geld in das Land gepumpt
haben. Dann haben institutionelle Anleger Kasse gemacht und die betr.
Staaten in die Krise gestürzt. Danach - als alles abgewertet wurde -
sind die Heuschrecken wiedergekommen und haben billig eingekauft. Das
war also keine Schuldenkrise in dem Sinne. In diesem Fall mit
hochtrabeenden Begriffen wie Makroökonomie zu kommen, zeigt, dass
hier offenbar mehr Ideologie im Spiel ist, denn dass man irgendeine
Ahnung hätte. Jedenfalls würde ich Finanzhaie und deren Gebahren
nicht als Erklärung für irgendwelche ökonomischen Vorgänge
heranziehen. Den gleichen Fehler hat man in der Eurokrise ebenfalls
bereits begangen, wann immer man von 'den Märkten' und daraus
resultierend angeblichen ökonomischen Sachzwängen gesprochen hat. Es
gibt da keine makroökonomischen Zusammenhänge, wenn Zocker nach
Interessenlage Märkte abgrasen und mit unfairen Mitteln (Hebeln etc.
/ ihrerseits also extremst hohen Schulden) an den vielbeschworenen
Märkten agieren.

Möglicherweise sagt die 'Argumentation' viel mehr über die Verfasser
aus, als über die Türkei, sprich es gibt ein Interesse die Türkei in
den Abgrund zu hebeln / daraus einen Tigerstaat zu machen.

Dass Immobilien und auch Konsum über Kredite finziert werden, ist
zunächst mal nichts Besonderes. Allein das Ausmaß spielt eine Rolle,
wie schnell das geschieht und ob das zu preislichen Auswüchsen führt,
will sagen: ob eine Immobilienblase im Anmarsch ist. Ausmaß und
Geschwindigkeit sollten nicht aus dem Auge verloren wreden, sind aber
zweitrangig bei einem aufstrebenden Land. Wichtig ist, ob es in
irgendeiner Form entsprechende Gegenwerte gibt. Bei einer
Immobilienblase gibt es die nicht.

>> Laut IWF könnte mit den Ersparnissen zudem nur knapp die Hälfte
der Investitionen finanziert werden, die erforderlich wären, um das
Potential der wachsenden Bevölkerung auszuschöpfen. Allerdings reicht
es nicht einmal für die deutlich niedrigeren effektiven
Investitionen, die folglich vom Ausland finanziert werden müssen. <<

Das ist reine Definitionssache, genauso der angebliche externe
Finanzierungsbedarf von 25 %. Das hängt ganz stark davon ab wie
schnell die Türkei wachsen will und nicht, was sich der IWF wünscht /
zusammen phantasiert.

Fazit (welches ich dennoch aus dem Artikel ziehe): es gibt Risiken
(übrigens: die privaten Schulden einfach mal so dem Staat
aufzuschlagen zeigt ein sehr seltsames Verständnis...), aber keine
besonders bedrohlichen. Besonders kritisch sehe ich das
Außenhandelsdefizit und erst in dem Zusammenhang könnte die
Schuldenentwicklung eine Rolle spielen.
Einen Vorteil hat die Türkei: sie kann ihre Währung abwerten...

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