Danke für diesen sehr guten Text.
Was ich mich nur frage, ist, ob Aktivität und Konsum alles ist. Ist es nicht auch möglich und legitim, einfach mal nichts zu tun? Ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, weil man weder irgendetwas schafft, noch etwas konsumiert.
Viele Menschen wissen gar nicht (mehr), wie das geht, nichts zu tun, einfach die Gedanken kommen und gehen zu lassen.
Ich habe das Gefühl, durch die Religionsfeindlichkeit der meisten Marxismen wird die Möglichkeit verbaut, eine atheistische Religiosität, befreit von allen Dogmen, überhaupt zu denken.
Dabei wird im obigen Text jedoch deutlich, dass linke Praxis meistens die Fortsetzung der kapitalistischen Ausbeutung in der antikapitalistischen Selbstausbeutung ist (was sie jedoch keineswegs delegitimiert).
Da auch Warenkonsum letztlich Arbeit zum Zwecke der Akkumulation kulturellen Kapitals ist - woher kann denn die Kraft kommen, um tätig zu sein und sich den Mitmenschen zu widmen, ohne sie zu Objekten von Bedürfnissen zu machen?
Oder steuert man alternativlos von einem Burnout in den nächsten?
Die Kraft zur Zeichenproduktion kann nicht der Ökonomie der Zeichenproduktion angehören, egal welche Herrschafts- und Machtprozesse darin eingeschrieben sind oder nicht. Die Produktion von Sinn ist auf eine Kraft angewiesen, die nicht bereits in das Spiel der Signifikanten eingeschrieben ist.
Eine Schriftsteller:in, schreibt Derrida, muss sich von allem zurückziehen können in ein Nichts, um alles verneinen und neue Anfänge setzen zu können.
Nichts zu tun ist also keine Flucht, solange dies nicht zum Selbstzweck wird, wie bei einer Meditation, die quasi als Sucht betrieben wird.
Es ist zwar auch schwer, zu bestimmen, wann dieses Kraftschöpfen wieder der kapitalistischen Selbstoptimierung dient, aber das ist ja in erster Linie eine Frage, was man mit der Kraft anfängt, ob sie also dem automatischen Subjekt zufließt oder gegen es gerichtet ist.