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  • Bajoboes

837 Beiträge seit 14.11.2012

"Verschwunden in Deutschland"

Hat jemand diese Doku auf der ARD gestern gesehen?

http://mediathek.daserste.de/Reportage-Dokumentation/Verschwunden-in-Deutschland-Auf-der-Su/Video?bcastId=799280&documentId=41846034

2 Reporter machen sich auf, die Frage zu beantworten, was eigentlich mit den ca. 9000 verschwundenen minderjährigen Immigranten (auch den pseudo-Minderjährigen, aber darauf will ich hier nicht hinaus) passiert und inwieweit man nach denen sucht.

Also jenseits dieser Reporter scheint es so etwas wie eine offizielle und organisierte Suche nach diesen Menschen nicht zu geben (kein Personal und so, Sie kennen das...). Man könnte sagen: so wie die einen nun mal da sind, sind die anderen dann nun mal weg.

Ein paar Spuren finden die Reporter dann aber doch: so mancher Verschwundener verdingt sich als Stricher auf dem Berliner Jungenstrich (einer verkauft sich echt für einen 10er, auch wenn nicht klar wird, für welche Handlung). Teils werden dafür sogar Hostels als Stundenhotel benutzt und zwar wirklich wie bei organisierter Prostitution: falls sich mehrere Stricher ein Zimmer teilen, gehen alle anderen raus, wenn ein "Kunde" erscheint. Und wie üblich, nutzt nicht jeder ein Gummi und deswegen kriegen da manche eben auch HIV. Es wird auch ein, am Tierpark (bevorzugte Strichermeile) lang ansässiger Eisdielen-Besitzer interviewt, der von seinen Erfahrungen mit den "Männern" und ihren "Jungs" berichtet. Er sagt auch einen goldenen Satz: es ärgere ihn manchmal schon, dass die Polizei bisweilen mit 20 Leuten anrückt, um zu schauen, ob der Erste-Hilfe-Kasten vollständig ist, aber niemand komme auf die Idee, mal hinter die Büsche zu schauen. Klingt schon fast nach organisiertem Nichtwissenwollen.
Zudem haben diese jungen Menschen in Berlin natürlich die allerbesten Chancen, drogensüchtige und kriminelle Wracks zu werden, was auch geschieht und was man ja teils anhand der Berichte aus der Favela an der Spree auch erahnen kann (Kottbusser Tor zb scheint nachts so eine Art Vorhölle zu sein).

Mir ist klar, dass solche Einreisezentren, die ja wohl ein stückweit auch Internierungslager wären, durchaus ziemlich fragwürdige Facetten haben können. Aber ich nehme an, als Jugendlicher da mal eben draus zu verschwinden und als Stricher zu enden, dürfte da etwas schwieriger sein. Unser jetziges, liberales "ihr könnt gehen wohin ihr wollt"-Modell führt jedenfalls in Teilen zu Kinderprostitution, Drogen- und Kriminalitätsabsturz und ich behaupte mal, dass das so in einer Transitzone nicht möglich wäre (jedenfalls wenn man es nicht wie den letzten Hühnerstall organisiert, woran man in diesem Lande wiederum seine Zweifel haben darf).

Eine übrigens sehr surreale Szene der Doku, die aber sehr nah an der Wirklichkeit liegen dürfte, war eine von einem Mann (nicht minderjährig) aus Tadschikistan. Der wird gerade (am hellichten Tag) zufällig dabei gefilmt, wie er sich ne Ladung Heroin drückt und zwar vor einer Kirche, in welcher gerade der Chor fröhlich singt. Besser kann man Wunsch und Realität der Willkommenskultur kaum einfangen: während die einen drinnen von Barmherzigkeit und Menschlichkeit singen mögen, sitzen deren Gerettete vorm Tor und geben sich nen Druck. Dringen ertönt weiter die erbauliche Musik über die eigene Gutheit.

Es ist selten, dass ich eine Doku (oder irgendwas) vom ÖR noch empfehlen würde und auch diese Doku klärt nicht wirklich, was so in der Masse mit den Verschwundenen so geschehen ist, aber sie taucht doch ab und an mal etwas unter die Öberfläche und von da aus kann man dann in etwa erahnen, wie Tief der Tümpel inzwischen ist.

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