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  • airmer

6 Beiträge seit 06.01.2019

Bei aller berechtigter Kritik - die Berechnungen sind sehr fragwürdig

Hallo liebes Telepolis Team,

die Aufregung bei so einem Durchschnittswert in der Vergütung und der gewählten Überschrift mag Euch sicher sein, aber Eure Aussagen sind arg irreführend.

1. Die angegebenen Vergütungen dürften die Gesamtausgaben pro Mitarbeiter darstellen, dass sogenannte ArbeitGEBERbrutto. Vergleicht ihr diesen Durchschnittswert mit Gehaltsstudien, passt das nicht.
Wenn ich nach meinem Gehalt gefragt werde, gebe ich an, was ich auf meinem Gehaltsschein stehen habe - das ArbeitNEHMERbrutto. Der Arbeitgeber zahlt für mich auch Abgaben.
Das ArbeitGEBERbrutto ist entsprechend um ca. das 1,21 fache höher als das ArbeitNEHMERbrutto. Ergo müsstet ihr für den Verleich nochmal 9400 € / 1,21 rechnen, das ergibt ca. 7760 €.

2. Der Durchschnittswert der Vergütung über alle Mitarbeiter ist rechnerisch ok, aber irreführend.
- Altersvorsorgeleistungen gehören m.M. nicht mit in die Rechnung, weil nicht klar ist, was davon alte Leistungsansprüche (z.B. Pension eines Indendanten aus den 90ern) und was aktuelle Vorsorgeaufwendungen (der aktuellen Mitarbeiter) sind. Kann sein, dass das passt, aber das müsste ein Bilanzer mal einordnen.
- Altersvorsorgleistungen gehören auch deswegen nicht mit eingerechnet, weil der Abstand / Varianz zwischen Leistungen für Leitungsfunktionen und Angestellten der operativen Ebene zu groß sein dürften. Soll heißen: Schon die Ansprüche einiger weniger Intendanten/ Abteilungsleitungen verzerren das Bild in diesem Bereich.

3. Eurer Vergleich mit der Wirtschaft hinkt aber auch hier allgemein. Altervorsorgeleistungen, wie betriebliche Renten oder Pensionspakete, werden selten in Gehaltserhebungen wie bei Stepstone mit erfasst.
Und selbst wenn die Frage auftaucht, antworten viele Arbeitnehmer darauf nicht, bewerten eine Altersvorsorge nicht als Teil der für Sie sie sichtbaren monatlichen Vergütung. Insofern vergleicht ihr falsch.

4. DAX Vergütungen: Da dürfte der Vergleich umso mehr hinken. In Konzernen sind teilweise ganze Versorgungswerke in Position, deren Leistungen nicht in den Vergütungen auftauchen. Da wäre ich sehr vorsichtig mit einem Vergleich.

Warum überhaupt die Aufregung: Wenn ihr Euch über die Vergütung der ÖR informieren wollt, dann lest doch in den Tarifverträgen nach.
Jede ARD Anstalt hat einen, ZDF etc. sicher auch. Da zeigt sich die Spanne, die ihr mit Euren Durchschnitt nicht erfasst von 1825 € bis 9141 € bei WDR Angestellten.
Beispielhaft mal
WDR 2015 - ist sicher schon überarbeitet aber als Überblick

https://wdr.verdi.de/++file++5657188a7713b86a6f000258/download/Verguetungstarifvertrag_WDR.pdf

Die ARD schreibt selber recht transparent dazu
http://www.ard.de/home/die-ard/fakten/Gehaelter_und_Verguetungen_in_der_ARD/4127124/index.html

So und nun zum Schluss: Ich sehe die Daten bei aller berechtigten Kritik an der Verwendung der Mittel weniger aufgeregt: Die ARD soll ihre Mitarbeiter bitte anstellen und soll sie auch anständig bezahlen, damit ein nicht rein kommerzielles Senderangebot mit Bildungsauftrag erhalten bleibt . Ich kenne mehrere private Medienbetriebe, die mit ihren Mitarbeiter weniger respektvoll umgehen, etliche Volontäre und Freelancer als Ersatz von Vollzeitstellen einsetzen - die taugen für mich nicht gerade als Vergleich und da möchte ich die ÖR auch nicht sehen.
Die Vergütungen sind hoch, aber nicht ungewöhnlich hoch.

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