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  • Karl Konnopke

337 Beiträge seit 29.03.2020

Angst und Furcht

Angst ist eine Emotion, die uns in gefährlichen Situationen als Warnsignal dient. Sie hat also einen Grund. Angst davor zu haben, eine Autobahn zu Fuß zu überqueren ist beispielsweise sehr berechtigt und sinnvoll. Sie kann einen davon abhalten, die körperliche Unversehrtheit und das Leben von sich und anderen unnötig aufs Spiel zu setzen.

Wo dieser Grund kein realistisches Bild der Realität ist, sondern ein Produkt unseres Geistes - eine völlige Fehlinterpretation von realitätsbezogenen Reizen, sei es aus Mangel an Wissen über die Interpretation oder aufgrund unzureichender Information; oder eine Grille des Geistes, ein Hinweis ohne Realitätsbezug - ist Angst unbegründet. Das kann sogar dazu führen, dass wir Gefährliches tun, um Ungefährliches zu vermeiden. Man kann auch von "Furcht" sprechen. So kann einen die Furcht vor herabfallenden Dachziegeln dazu verleiten, das Haus nicht mehr zu verlassen. Man ist vor einem minimalen Risiko von herabfallenden Dachziegeln bewahrt, aber gleichzeitig eines erfüllten Lebens beraubt. Furcht kann auch dazu verleiten, sich wegen einer Spinne im Hechtsprung eine Stockwerkstreppe hinunterzustürzen - auch für geübte Sportler ein gewagtes Unterfangen.

Die Schwierigkeit der Lage erwächst meines Erachtens daraus, dass derzeit weiterhin Unklarheit über die Lage herrscht.
Keiner weiß so genau, wie groß die Gefahr ist, der wir gegenüber stehen. Es gibt widersprüchliche Aussagen hierzu.
Je nachdem, auf welche Aussagen man vertraut, ist Verharren sinnvoll oder übertrieben. Daraus resultiert ein wechselseitiger Vorwurf, man selbst ängstige sich, der jeweilige Gegenüber sei jedoch in sinnloser, gar gefährlicher Furcht gefangen. Man wirft sich entweder vor, aus Furcht vor einem nichtigen Husten auf dem Sofa zu sitzen oder aus Furcht vor Ressourcenverlust sich und andere in unnötige Gefahr zu bringen.

Eine besondere Spannung erhält die Lage durch die derzeitige Unmöglichkeit, die Realität zu erkennen. Keiner weiß Genaues und äußert Hypothesen über diese Realität. Wenige wissen um den Thesencharakter ihrer Aussagen - noch weniger machen ihn kenntlich.

Zwei Grundpositionen sind zu erkennen:

1) Die Erkrankung kann vermeidbaren Schaden anrichten, wir müssen abwarten und den Schaden mindern.

2) Die Erkrankung richtet ohnehin Schäden nicht zu hohen Ausmaßes an, das zu tragen lohnenswert ist und durch das Abwarten nur vergrößert wird. Wir müssen weitermachen.

Es resultieren seit Beginn der Lage zwei Lösungsvorschläge für die Situation:

1) Unter möglichst schadensvermeidenden Bedingungen genügend Wissen über das Ausmaß und die Vermeidbarkeit potentieller Schäden erlangen, um eine rationale Entscheidung treffen zu können

2) Im Rahmen eines Realexperimentes möglichst ungestört weitermachen und empirisches Wissen sammeln, um die Entscheidung im Irrtumsfall korrigieren zu müssen.

Vorschlag 1) kostet auf jeden Fall Ressourcen in Form von Geld, Materialien, Arbeitskraft, das eine oder andere geistige Wesen (heute: juristische Person) wird seine Existenz beenden.

Vorschlag 2) kostet zunächst einmal "nur" Menschen das Leben - dabei bleibt es auch, wenn nicht zu viele sterben. Andernfalls ist ein Vielfaches der Ressourcen von 1) aufzuwenden, weil die Lage außer Kontrolle gerät.

Entschluss der Entscheidungsträger der Deutschen ist, sich von 1) weg und zu 2) hin zu bewegen. Im Anbetracht der Lage, die in Ländern herrscht, die von 2) weg hin zu 1) tendieren (müssen), weiß ich nicht, ob dieser Entschluss klug ist.

Wir werden es sehen - Empirie schafft Wissen. Manchmal leider auf eine härtere Art, als es nötig wäre.

Korrektur: Grammatikfehler

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (18.04.2020 17:34).

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