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  • Pnyx (1)

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Leseschwäche

Diese Sicht der Dinge teilend, hab ich sie in Kommentaren auch schon geäussert. Es ist schade, dass sich Wünsch bei den konkreten Beispielen auf KenFM beschränkt, das zwar dafür geeignet ist, aber in meinen Augen auch bei anderen Themen eine gewisse ideologische Verbrettertheit an den Tag legt, die oft von weit rechts stehenden Positionen nur noch schwer abgrenzbar ist. Der Untergang des demokratischen Abendlandes aus dem Geist der Virologie wird aber nicht nur dort und im immerhin erwähnten Rubikon an die Wand gemalt, ist vielmehr weit verbreitet.

Gleich hier auf Telepolis sind in den letzten Wochen so gut wie täglich Texte erschienen, die an der Verschwörungstheoriegrenze kratzen, wenngleich sie diese explizit nicht übertreten. Stattdessen wird eifrig irgendein Sack geschlagen, damit der gemeinte Esel vor dem geistigen Auge der Rezipienten erscheine. Da kann dann etwa der Eindruck entstehen, das gegenwärtig in deutscher Behördengründlichkeit einzuräumenderweise weiter als nötig eingeschränkte Demonstrationsrecht sei auf ewig dahin. Der Witzvirus habe es gekillt. Erste Gerichtsurteile sprechen zwar dagegen, aber...

Nicht anders als beim Klima gibt es inzwischen genügend empirische Beweise, dass der Virus eben doch ungewöhnlich gefährlich ist, worauf man sich auf die doch gar nicht so hohen Opferzahlen zurückzieht, ausser Acht lassend, dass es ja eben die drastischen Massnahmen sind, die diese nicht haben hochschnellen lassen. Verglichen werden Äpfel mit Birnen, wenn Exzessmortalitätberechnung bei Influenza mit aktueller Behördenzählung verglichen wird. Und nur bei China wird wahrgenommen, dass die Zahlen nachträglich noch deutlich nach oben korrigiert werden.

Letztere Erscheinung, bzw. die Reaktion der Relotius-Medien darauf bestätigt ironischerweise, dass der im Artikel rezipierte Peter König nicht grundsätzlich danebenliegt mit seiner Warnung vor antichinesischer Propaganda des Imperiums. Nur war er übereifrig und hat sich bei der Einschätzung der epidemischen Ereignisse nicht von Fakten, sondern von Vorurteilen leiten lassen. Was, wie Wünsch zurecht herausstellt, die Glaubwürdigkeit beschädigt und es den Relotianern enorm leicht macht, das Kind mit dem Bade auszuschütten. 'Antichinesische Propaganda? Unsinn, nur berechtigte Kritik am autoritären Staat.' Das ist mehr als ärgerlich in einem Moment, in dem sich der Westen offensichtlich wieder ins Zeitalters des Systemwettbewerbs zurückversetzt fühlt und daher mit aller verfügbaren 'Soft'power um sich schlägt.

Was wiederum eine gewisse Versicherung darstellt gegen die herbeifantasierte Transformation des bürgerlichen Freiheitsraums in einen engen Staatskäfig.

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