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mehr als 1000 Beiträge seit 21.08.2002

Hohmann lehnt Kollektivschuld nicht ab

Ich zitiere:
"Mit vollem Recht aber kann man sagen: Die Gottlosen mit ihren
gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen
Jahrhunderts. "

http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/15981/1.html

Hohmann weist demnach nicht den Begriff des Tätervolks an sich
zurück. Oder wie darf man diese Aussage denn sonst verstehen? In der
Verve der Wortwahl tritt auch sein religiöser Eifer zu Tage. Dass er
sich mit seiner Rede anti-semitischer Klischees bediente, war
wahrscheinlich nicht einmal seine Absicht, denn der wahre Feind sind
die dür ihn die "Gottlosen", wie man seinen diversen anderen Reden
entnehmen kann.

zum übrigen:
> Und was macht diese Kultur aus, wenn nicht ein gewisser Zusammenhalt?
> Kultur ist nichts, was man sich versteinert im Museum ansehen kann,
> man muß sie leben, mitmachen.

und weiterentwickeln, sonst wird sie auch zum Museum.


> Und die momentane "Europäische
> Integration" vollzieht sich unter Bedingungen, bei der sie nur den
> globalisierten Konzernen nutzt, dagegen allen beteiligten Völkern die
> Existenzgrundlagen zerstört werden (siehe z. B. "Konzern Europa",
> Rotbuch-Verlag Schweiz).

Bei aller Kritik an Europa, die durchaus berechtigt ist - der
Integrationsprozess ist bürgerfern und konzernfreundlich, ist der
eingeschlagene Weg m.E. der richtige. Es liegt zweifellos noch
einiges im Argen.


> > Zu Hohmann:
> > Ich halte Hohmanns Rede aus mehereren Gründen für gefährlich: Es ist
> > eine akademische Diskussion, dass er die Juden nicht als Tätervolk
> > hingestellt hat, die Leute haben ihn so verstanden, dass man Juden
> > als Tätervolk bezeichnen kann, wenn man deutsche als Tätervolk
> > bezeichnet.
>
> Das wäre doch auch inhaltlich richtig. Oder bist Du antideutscher
> Rassist und deshalb anderer Meinung?

Es ist inhaltlich falsch. Man kann "Juden" nicht als Tätervolk
bezeichnen. Wenn sich unter den Juden in der Welt der Gedenanke
durchgesetzt haben sollte, zu einem Volk zu gehören, dann waren es
die Verfolgungen durch die Nationalsozialisten aber auch Stalins.

Daniel Glazman, Entwickler von Mozilla Composer, und ein "gottloser
Jude" in Hohmann'scher Diktion, geht mit dem Vorsitzenden des
Zentralrats der französischen Juden hart ins Gericht (er hält ihn für
einen Parteigänger des Likuds), schreibt aber auch: "Et qu'il ne
vienne pas me dire que je ne suis pas juif parce que je ne suis pas
religieux. Ma famille a bien essayé de donner cet argument aux SS de
Treblinka mais ils n'ont pas été trop réceptifs."
was wohl soviel heißt wie: "Und dass er mir nicht damit kommt, mir zu
sagen, ich sei nicht jüdisch, weil ich nicht religiös sei. Meine
Familie versuchte dieses Argument auch der SS von Treblinka nahe zu
bringen, aber diese hat diesem Argument nicht sonderlich viel
Beachtung geschenkt".
http://webperso.easyconnect.fr/danielglazman/weblog/
(Es ist eine sehr scharfe Abrechnung mit dem Franzöischen Zentralrat
der Juden, dessen Legitimation für die französischen Juden zu
sprechen er in Frage stellt.)

Es hat bei mir eine gewisse Änderung der Sicht der Dinge bewirkt,
auch in meiner Haltung zu Israels heutigem Verhalten - das ich
allerdings nach wie vor für den falschen Weg halte.


> Abgesehen davon: Wenn man gar nichts mehr sagen darf, was irgendein
> Idiot falsch verstehen kann, dann darf man überhaupt nichts mehr
> sagen.

Manchmal will man aber auch falsch verstanden werden: "Und Brutus ist
ein ehrenwerter Mann" hat auch Marcus Antonius vor Caesars
aufgebahrter Leiche immer wieder betont.

> Außerdem sind 99,9% der Presseleute, Lobbyisten und Politiker, die
> seine Rede falsch zusammengefaßt und Sätze, Satzteile oder gar
> einzelne Wörter als "Zitat" total aus dem Zusammenhang gerissen
> haben, mit Sicherheit nicht so blöd, sondern müssen es absichtlich
> gemacht haben. Zu einem anderen Schluß kann man nicht kommen, wenn
> man die Rede gelesen hat und dann das, was die Presse darüber
> behauptet hat.

Ich habe die Rede gelesen, wie sie bei Telepolis in ihrer vollen
Länge zu finden war. Ich fand sie grauenhaft.

> Eigentlich müßte man nur mal eine Liste machen, wer alles öffentlich
> unter Verwendung von Lügen gegen Hohmann war und hätte gleich eine
> Liste der wichtigsten Mitglieder der Cliquen (vermutlich Lions,
> Rotary, Freimaurer, ...), die dieses Land unter weitestgehender
> Umgehung demokratischer Strukturen kontrollieren. Diese Netzwerke
> dürften der Hauptgrund dafür sein, warum sich an der Politik fast
> nichts ändert, egal, welche Partei gerade an der Regierung ist

Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien, gleichwohl ich Lobbies für
eine Gefahr für die Demokratie halte.

> > Außerdem kam Hohmann am Schluss seiner Rede nicht etwa zu
> > dem Fazit, dass es keine Tätervölker geben könne, sondern dass die
> > Gottlosen - also wohl Atheisten und Agnostiker - das wahre Tätervolk
> > seien. Das heißt ja wohl, Hohmann lehnt Kollektivschuld generell
> > nicht ab.
>
> Deine Schlußfolgerung ist nicht ganz richtig. Das heißt, daß Hohmann
> zwei konkrete Fälle von Kollektivschuld abgelehnt hat (nämlich die
> der Juden und der Deutschen) und sich darüber hinaus nicht zu
> Kollektivschuld geäußert hat (weil das offenbar nicht das Thema
> seiner Rede war).

Er benennt ein Tätervolk. Damit lehnt er den Gedanken der
Kollektivschuld nicht generell ab, sonst würde diesen Begriff
Tätevolk uim Bezug auf die Gottlosen nicht so vehement verwenden. Und
als Agnostiker (ich halte die Existenz eines Gottws für nicht
bewiesen, genausowenig wie seine Nicht-Existenz) finde ich mich nun
nach Hohmanns Fazit in einer ziemlich üblen Gesellschaft wieder.


> Was nun nicht heißen soll, daß ich sein Fazit uneingeschränkt teile.
>
> > Außerdem wäre eine russische Übersetzung seiner Rede meiner
> > Meinung nach Wasser auf die Mühlen russischer Antisemiten.
>
> Warum denn das?

Warum? Weil es genügend Leute in Russland gibt, die die Juden für den
schlechten Zustand ihres Landes verantwortlich machen. (Man sollte
noch hinzufügen, dass Stalin die meisten "Juden" aus der
Führungsspitze der Partei drängte) und für die sind diese
Teilwahrheiten ein gefundenes Fressen.

Also im Führungszirkel der Bolschewisten: 83% Juden, 10% Balten, dazu
noch Deutsche - und ein vom Deutschen Reich nach Russland geschickter
Lenin - sowie der Georgier Stalin: Russen trugen demnach am
Bolschewismus so gut wie keine Verantwortung. Schuld waren Juden und
die ungeliebten Balten, die sich gerade in die EU absetzen. Die
echten, die orthodoxen Russen waren die Opfer. Phantastisch.

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