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  • Alexander Durin

mehr als 1000 Beiträge seit 21.03.2013

Der Vorabend des Krieges

Unzählige Menschen haben sich immer wieder die Frage gestellt, wie es kommen konnte, dass große Kriege scheinbar plötzlich und überraschend über die Menschen herein gebrochen sind, ohne, dass das jemand geahnt hätte. Historiker haben -die Schritte, die zu den Kriegen führten, nachträglich analysiert, ohne jedoch ein Instrumentarium zu entwickeln, mit dem man solche Kriege voraussehen kann.

Vielleicht ist das aber gar nicht so schwierig. Manchmal genügt es auch, sich zurück zu lehnen und bestimmte Vorgänge aus einer entfernten Perspektive, quasi von oben, zu betrachten und auch zu überlegen, was sie wirklich bedeuten.

In diesem Falle behauptet eine Großmacht, in die Computersysteme einer anderen eingedrungen zu sein, um dort digitale "Minen" zu zu hinterlassen, damit Teile der Infrastruktur lahm gelegt werden können.

Das ist mit dem Eindringen von Truppen in das Staatsgebiet einer fremden Nation vergleichbar und stellt einen Kriegsgrund par excellence dar.

Das ist schrecklich. Schrecklich ist aber nicht die behauptete Tat an sich, sondern wie damit umgegangen wird. Die selbst deklarierten Aggressoren erwähnen die kriegerische Handlung im Brustton der Unschuld und Selbstverständlichkeit, so als wäre das das Normalste der Welt. Wohl gemerkt: die militärische Doktrin jener Aggressoren sieht vor, auch Atomwaffen bei einem Cyberangriff auf sich einsetzen zu dürfen.

Mit genauso großer Selbstverständlichkeit räumen die Aggressoren zudem noch ganz offen und unschuldig ein, bei Bedarf ein Kriegsverbrechen ganz ohne Hemmungen begehen zu wollen. Denn Angriffe und die Zerstörung oder Störung der zivilen Infrastruktur eines Land sind ein Kriegsverbrechen.

Am schrecklichsten sind aber die Reaktionen der Medien, die diesen behaupteten kriegerischen Akt entweder gar nicht erwähnen oder auf Seite 3 unter Belanglosigkeiten berichten.

Das sagt viel über den Zustand unserer Welt und insbesondere über unsere Gesellschaft aus. Eine Kriegsmeldung wird einfach Achsel zuckend hin genommen, so als sei dies das Selbstverständlichste der Welt. Ein Land behauptet offen, das Völkerrecht gebrochen zu haben und Kriegsverbrechen begehen zu wollen und niemand interessiert es. Dabei ist es völlig unerheblich, ob die Meldung eine gezielt lancierte Ente war. Es geht darum, dass Verbrechen freimütig behauptet wurden, und es keinen mehr interessiert.

Dieser Zustand zeigt auf, dass der Krieg in den Köpfen eigentlich schon angekommen und zur unabwendbaren Möglichkeit geworden ist. Wenn der Krieg wirklich kommt, sind alle Dämme, die ihn aufhalten könnten, schon abgetragen.

Das ist eine vernichtende Analyse. Ich hoffe, dass ich falsch liege.

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