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  • Matthias_

28 Beiträge seit 07.09.2016

Nützliche Lehre

Das Engagement in der Lehre hat sich für mich stets ausgezahlt. Zum einen lerne ich viel, wenn ich die Inhalte aufbereite und vor allem mich mit den Fragen oder Beiträgen der Studierenden auseinander setzen muss.

Viel wertvoller ist jedoch der Effekt auf das Ausbildungsniveau der Nachwuchswissenschaftler für meine Arbeitsgruppe und schlichtweg den Bekanntheitsgrad meines Forschungsfeldes bei den Studierenden.

Dieses ist sehr wichtig für mich, denn in den Ingenieurwissenschaften gibt es eine relativ gute Drittmittelversorgung (ja, man muss die Mittel einwerben - so what!), nur ist es nicht so einfach auch Wissenschaftler zu finden für diese Projekte, denn für Ingenieure gibt es attraktive Angebote in der Wirtschaft (mehr Geld, unbefristete Stellen, Aufstiegschancen). Wenn ich also für meine Projekte Mitarbeiter rekrutieren will, dann muss ich einerseits ordentlich zahlen (100%-Stellen sind üblich) und andererseits muss das Themenfeld überhaupt ansatzweise bekannt und idealerweise "sexy" sein. Da ich nicht in einem "Hype"-Bereich arbeite, muss ich mich also in der Lehre anstrengen, um die Studierenden zu begeistern.

Die Vorteile meiner guten Lehre:
- meine Studierenden haben Ahnung von meinem Forschungsfeld und können bereits in Bachelor- und Masterarbeiten sinnvolle Beiträge leisten
- meine Nachwuchswissenschaftler brauchen nicht erst 1-2 Jahre um zu verstehen was in Ihrem Arbeitsfeld los ist, sondern haben eine hohe "Startgeschwindigkeit" und liefern schneller mehr und besseren Output

Zur Verdeutlichung: bei mir persönlich laufen 5-10 Abschlussarbeiten pro Jahr, darin investieren die Studierenden zwischen 400 und 800 h, macht 2000 bis 8000 h Arbeitsstunden - für meine Forschungen. Ich selber leiste ca. 1800 h pro Jahr. So rechnet es sich für mich dann also: Gute Lehre ist Werbung für mein Forschungsfeld und führt zu hohem Studenteninteresse, das führt zu vielen Abschlussarbeiten und die sind der Treibstoff für meine Forschung.

Sicherlich ist das nicht auf alle Disziplinen übertragbar. Ein Blick zu den Kollegen an meiner Uni und auch zu den gleichen Fachbereichen anderer Unis zeigt mir jedoch: Viele scheuen den hohen Aufwand in der Lehre, und sind verwundert, wie viel Energie meine Mitarbeiter und ich da reinstecken. Viele wundern sich, an wie vielen und wie umfangreichen Themen wir arbeiten...

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (04.10.2017 20:47).

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