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  • cherubrocker

4 Beiträge seit 04.10.2017

Schein, Wirklichkeit und eine Diskrepanz

Entgegen der abschreckenden Historie der Heise Foren, ein paar Gedanken.

Ich moechte glatt schreiben, lieber Autor, Du schreibst mir aus dem Herzen. Aber ich denke, dass das Problem der unfreien Publikationen nur eine Facette oder ein Baustein im verrotteten Haus der Wissenschaft in Deutschland ist.

Meine Perspektive ist nicht die eines Professors, und ausserhalb meines Fachzweiges habe ich wenig Einblicke. Aber die Abschaffung des Mittelbaus seit den 70er Jahren, die Generation Zeitvertrag, schwierige Lebensplanung als Wissenschaftler, blablabla.

Ich bin durch und durch Wissenschaftler, wenigstens meinem Selbstverstaendnis nach. Aber alle Rahmenbedingungen, die ich bislang direkt oder auch bei anderen erlebt habe stehen dem im Weg. Publizieren, Gelder einwerben, eigene Projekte durchfuehren, sich an anderen Projekten beteiligen, Forschungsergebnisse kritisch bewerten -- nur mit den Passierscheinen moeglich, die man nicht durch langjaehrige Detailarbeit oder Begeisterung oder Engagement erhalten kann.

Klar spricht aus mir auch Frust. Aber objektiv ist es nur eine Beobachtung, die auf eine zugrunde liegende Regel hindeutet: Wissenschaft ist nicht frei; vermutlich war sie das noch nie. Geld, Titel, Publikationen sind die Waehrung, um die es geht.

Wahrheit oder Erkenntnisgewinn, saubere Arbeitsweisen inklusive Methodik, gewissenhaftes Vorgehen -- geschenkt. Nicht hier, genauso wenig wie woanders.

Was mich erstaunt ist allerdings, dass diese derzeitige Auspraegung des Systems nur Verlierer erzeugt. Niemandem ist geholfen, niemand geht gestaerkt hervor. Wie ein riesiger, defekter Durchlufterhitzer, der aus der ganzen Reibung nichts als heisse Luft erzeugt.

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