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  • bwv232

537 Beiträge seit 02.05.2008

Kein Lehrstuhl ohne Teerstuhl

Keine besonders realistische Argumente gegen Gehirndoping. 

Nur zwei Beispiele: Im Radsport wir bekanntlich flächendeckend gedopt
und in den letzten 10 Jahren sind rund 35 Fahrer Tod vom Rad
gefallen. Das hält aber bis heute die Mehrzahl der Fahrer nicht davon
ab, weiter alles in sich reinzustopfen, was irgendwo im Verdacht
steht, schneller zu machen. Gesundheitliche Gefahren interessiert
niemand. Zumindest nicht wenn er jung ist. Da hält sich alles für
unsterblich und erwischen tut es immer die anderen.

Genauso im Fussball. In Europa sterben jedes Jahr so um die zehn
Profis am Herzinfarkt, d.h. an Verklumpungen beim Epo-Doping. Da aber
Herr Blatter der Meinung ist, Ausdauerdoping bringt in einer
technischen Sportart wie Fussball nix, wurde dankenswerterweise bei
der EM keine Untersuchung auf Epo&Co. gemacht. Gedopt wird im
Fussball also vermutlich noch hemmungsloser als im Radsport und
gestorben wird auch. Hindert das irgend jemand, zu illegalen Mitteln
zu greifen, wenn er die Chance auf 'nen Stammplatz hat? Die Antwort
ist ein klares nein.

Rechnen wir mal beim Radsport mit aktuell 300 Fahrer mit A-Lizenz und
35 Tote in 10 Jahren, dann dürfte es so um die 3-5% der Fahrer
erwischt haben. Wenn trotz solcher Zahlen immer noch gedopt wird,
heißt dass, nicht mal der sichere Tod hält die Leute vom dopen ab. 

Und zum Fairness-Argument. Herr Ulrich behauptet bis heute, er habe
niemanden betrogen und so weit das ersichtlich ist, hat er auch Recht
damit. Im Radsport haben alle  gedopt und niemand hat dadurch einen
Nachteil erlitten. Armstrong war bei seinen Siegen genauso bis zur
Halskrause abgefüllt wie Ulrich bei seinen zweiten Plätzen und jeder
hat es vom anderen gewusst. In einer Welt, in der alle dopen ist es
höchstens unfair, nicht zu den bunten Pillen zu greifen.

An der Uni ist der Konkurrenzkampf nicht weniger heftig als im
Radsport, also warum sollte nicht auch hier jeder an seiner maximalen
Performance arbeiten? Die Bezahlung ist im Radsport bekanntlich
lausig und eine Assistentenstelle ist schwieriger zu ergattern als
ein Platz in 'nem Profiteam. In meinem Fach gibt es bundesweit
vielleicht 20 Stellen. Wenn mal alle zwei bis drei Jahre irgendwo
eine Stelle frei wird, prügeln sich so um die 40-50 Bewerber darum.
Inzwischen gibt es Gleichstellungsgesetze die besagen, das Männer nix
Chancen auf diesen einen Job mehr haben, weil bei gleicher
Performance die Mädels eingestellt werden müssen. Du musst also als
Mann vieeel besser sein als eine Frau, um den Job zu bekommen. Und
was tust du, wenn du nur ein bisserl besser bist? Dann greifst Du
halt zu illegalen Mitteln und hoffst, das die Pillen Dir den kleinen
Vorteil verschaffen, doch noch siegreich durchs Ziel zu gehen.

An den Unis ist doch inzwischen genauso ein Hauen&Stechen um die
Fleischtöpfe wie im Sport. Kein Lehrstuhl ohne Teerstuhl. Nach oben
kommt nur, wer rücksichtslos über seine eigene Grenze geht und das
über Jahre hinweg. Fairness ist natürlich sehr löblich, aber
interessieren tuen nur die Sieger. 

bwv232
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