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10 Beiträge seit 21.11.2003

Leider nichts neues und an der Realität vorbei...

Sehr geehrter Herr Schleim,

mit Interesse verfolge ich die nun auch in den deutschen Medien
breitgetretene und übertriebene Diskussion. Leider habe ich in Ihrem
Artikel weder etwas neues erfahren noch eine gute Übersicht zum
Themenkomplex bekommen.
All diese Argumente tragen langsam schon einen Bart und wurde
spätestens seit dem Artikel von Farah, Illes, Cook-Deegan et al. im
Nature Magazin 2004 immer wieder genannt. Wie geht Ihr Artikel den
weiter? Ich bin gespannt auf die 3 Argumente die noch fehlen und
hoffe es wird erhellender sein, Ihren Schreibstil finde ich nämlich
sehr angenehm.

Nun zum Thema:
Erster Grund: Unbekannte Risiken

Das Problem der fehlenden Langzeit-/Lebenszeitstudien wird werde von
Forschern noch von Ethikern nicht beachtet, in den meisten
ernsthaften Publikationen wird auf diese Problematik eingegangen. 
Leider findet das in den Massenmedien nicht statt da der Leser sich
ja erstmal merken muss was Sie mit Ihrer "selbsterfüllenden
Prophezeihung" andeuten, nämlich die Namen der Medikamente. Fragen
nach dem einzelnen Forschungsstand der jeweiligen Substanzen werden
eigentlich nie auch nur ansatzweise erwähnt. Und da geht es wirklich
ums Detail! Das es immer unbekannte Risiken gibt ist nicht zu
bestreiten, nach dem Skandal um Contergan 1961/62 hat sich jedoch
viel im Bereich GCP ( Good Clinical Practice ) getan. Die Risiken von
klinischen Studien und Medikamenten sind heutzutage wesentlich besser
einzuschätzen als es die spektakulären Fällen in den Medien
suggerieren. Bedenken Sie dass von ca. 10.000 entwickelten Substanzen
es nur etwa 2-3 in die Apotheke schaffen. 
Der Gesetzgeber hat in vielen Ländern diese "Brain-Doping"-Substanzen
ja auch unter Verschreibungspflicht gestellt. Alleine aus diesem
Grund ist ersichtlich das "Brain-Doping" nicht gewollt/einfach
möglich ist. Wer es betreibt wird so gezwungen sich Gedanken zu den
Risiken zu machen. Der allergröbste Massenmarkt hat so schon wirklich
eine kleine Hürde zu überwinden.

Ihre Gedanken wer den die Kosten für das vermeintlich "egoistische"
Verhalten zu tragen hat finde ich recht sonderbar. Menschen die sich
selbst natürlich aus "egoistischen" Gründen zuviel Fett, Zigaretten,
Alkohol, Stress, Autoabgasen oder auch harter körperlicher Arbeit
aussetzen verursachen wohl die meisten medizinischen Folgekosten die
man sich vorstellen kann. Finden Sie es auch unangebracht das die
Gesellschaft ( wenn nicht privatversichert ) die Kosten übernimmt? Wo
ist Ihre "Ethik" den da? Es ist mit etwas unangenehm jetzt etwas
polemisch zu werden, bei Ihrer Argumentation kann ich aber leider nur
mit dem Kopf schütteln da ich sie für wirklich Menschenverachtend
halte.

Nur weil die Gesellschaft aus ethischen Gründen "Brain-Doping"
vielleicht ablehnt auch die Forschung über die Folgen/Auswirkungen in
Frage zu stellen halte ich für grob Fahrlässig. Nur weil es verboten
ist werden es die Menschen nicht unterlassen sich diese Vorteile
durch "Brain-Doping" zu verschaffen. Eine ähnliche/bis fast gleiche
Situation haben wir ja auch im Bereich der illegalen Drogen, gerade
was die Wirkung/Nebenwirkungen von LSD, MDMA oder anderen Substanzen
angeht fehlen vielfach brauchbare Informationen weil die Forschung
unerwünscht war und auch heute noch ist. 

Zweiter Grund: Fairness

Es ist wahr, wir haben ein Fairness-Problem. Ist Privatunterricht
fair? Oder Schönheitschirurgie, Schönheit an sich? Ist der Zugang zum
Internet fair über die Gesellschaft verteilt? Wird in der
Privatwirtschaft immer fair gespielt? Hat jedes Kind den überhaupt
den gleichen Zugang zu Bildung, Förderung, gesundem Essen oder gar
mit den Eltern als "Mentoren und Förderer" die gleichen
Vorraussetzungen? Die Antwort lautet nein.
Ihre idealisierte Vorstellung von Sport ist mir auch ein Rätsel
nachdem selbst Pharmaunternehmen wie z.B. Ratiopharm für mehr Sport
und mit Sport Werbung betreiben. 
Die Dopingkontrollen finden ja auch meist nur bei großen Wettkämpfen
statt, für ein "sauberes" Olympia usw. schon in einer Ebene darunter
und noch auf dem Weg zum Weltruhm gibt es solche Kontrollen nicht,
und schon garnicht in der C Jugend
um die Ecke. Dort interessiert es auch niemanden wer was nimmt.
Das Doping-Problem im Sport ist nichts weiter als ein Image-Problem,
jeder weiß es wird immer weiter gedopt werden, mit immer
raffinierteren Methoden und immer neueren, spezifischeren Mitteln. 
Die christliche Arbeitsmoral finden es nicht gut das Menschen etwas
bekommen wofür sie nicht ehrlich gelitten haben,man kann diese
"Sünder" nur ertragen wenn sie Bereuhen, deswegen ist Herr Ulrich aus
so unbeliebt. Das gleiche Spiel sieht man übrigends auch im Umgang
mit Harz IV Empfängern.

Der Tüchtige würde durch Fainess gewinnen erklären Sie. Was ist mit
den Schwachen und Kranken? Angeborenes Pech? Die Strafe Gottes?
Sicher um im Spitzensport oder Wissenschaft mitzumischen sind
Anstrengungen schon sehr förderlich, aber leider nicht alles!
Angeborene und sozialisierte Fähigkeiten und Talente sind wohl nicht
wegzudenken wenn Höchstleistungen erzielt werden wollen und diese hat
nicht jeder. Absolut unfair! Medikamente  wie Bromocriptine ( Dopamin
Antagonist ) verbessern z.B. leistungsschwache Personen und
verschlechtert leistungsstarke Personen, ist das unfair? Oder eher
gerecht das den Begabten und Schlauen mal Konkurenz gemacht wird und
Sie auch etwas von dem Geld, den Jobs und den "tollen Partnern"
abbekommen könnten?

Wieso gehen Sie eigentlich davon aus das alle bei diesem Spiel
mitmachen? Sicher wird es gewisse Kreise geben, aber lassen wir uns
alle "schön" Operieren? Hat sich der Freiheitsgedanke den sie
postulieren dort ins Absurde verkehrt? Haben Sie vielleicht Panik
nicht selber in der heutigen Welt mit oder zurecht zu kommen?

Pillen die nicht viel kosten würden sind vielleicht fairer als das
30fache für private Schulen oder Universitäten auszugeben.

"Brain-Doping" könnte auch denen helfen die fertig von der Arbeit
kommen, sich dann Fit und Aufnahmefähig "dopen" und dann in der Lage
sind noch Vernünftig mit der Ehefrau oder den Kinder zu unterhalten
oder Dinge zu unternehmen, das kann sehr soziale Folgen haben. Daran
denkt bisher keiner!

Ich wünsche das die Diskussion um "Brain-Doping" mal wieder die
richtigen Fragen der Verteilungsgerechtigkeit insgesammt in den
Vordergrund stellt, angebracht ist eine Gesellschaftskritik, nicht
eine Kritik am "Brain-Doping" oder Schönheitschirugie oder sonstwas
ablenkendes.

Mit freundlichen Grüßen

Olaf Clausing
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