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  • M234

mehr als 1000 Beiträge seit 16.09.2015

Wohlstandsschuld

Das ganze Thema ist rational nicht mehr zu lösen. Einfach weil hier psychologische Zusammenhänge wirken, die man so einfach nicht auflösen kann, und will.

Wir alle zusammen führen ein, wie es Dr. Hans Joachim Maaz nennt, "falsches Leben". Wir fressen zu viel, unterstützen die Wegwerfgesellschaft, trauen uns nicht, endlich eine ökologisch nachhaltige Wirtschaftssystem zu etablieren und entscheiden uns tagein, tagaus immer wieder für dieses falsche Leben (mit Ausnahmen natürlich).

Dieses Leben geht auf Kosten anderer. Der Umwelt, der Natur, der dritten Welt, der Armen hier. Auf deren Kosten haben wir unseren immensen Wohlstand erschaffen.

Und nun drängen die Menschen aus Afrika, aus Afghanistan, aus wo auch immer es schlichtweg Scheiße ist zu leben, hier nach Europa. Hier werden sie auch von den Kapitalisten gleich verwertet... so läuft das eben.

Das Problem: aus diesem Gefühl der Schuld heraus will man nun gut sein. Sprich, man will "Afrika retten",die Flüchtlinge retten, alle, oder zumindest sehr viele aufnehmen. Also demonstriert man für offene Grenzen, organisiert Rettungsboote, arbeitet mit Schleusern zusammen.

Man möchte etwas tun, man möchte helfen, man möchte auf der Seite des Guten stehen. Auf der moralischen Siegerseite. Deswegen wird jetzt ein immenses Getöse gemacht. Selbst Norbert Blüm ist sich nicht zu schade, seinen Kommentar dazu abzugeben.

Es geht dabei nicht ums Retten.
Wieviele Menschen sterben an Alkohol? Wieso helfen wir denen nicht? Weil wir Narzissten sind. Es ist uns egal. Vollkommen gleich.
Wieviele Menschen sterben an Krankenhauskeimen? Vollkommen wurscht.
Wieviele sterben an ... man kann hier noch viele Beispiele bringen. Diese Menschen sind uns vollkommen egal.

Und nun springen Afrikaner in Gummiboote und ertrinken im Meer und es gibt einen riesen Aufschrei. Warum? Weil hier die Wohlstandsschuld greift. Weil man spürt, dass die aus total beschissenen Verhältnissen fliehen, aus Ländern mit zerstörten Märkten, zerstrittenen Konfliktparteien, die sich um und mit westlicheyes Waffen streiten, weil der Westen, oder China, die Bodenschätze kontrollieren wollen.

Und daran will man nicht schuld sein!

Die müssen wir retten!!! Aber von den Obdachlosen spricht niemand.
Die Fluchtursachen müssen wir bekämpfen!!! Was das heißt, sagt auch niemand.
Wir brauchen offene Grenzen!!! Das dadurch Mädchen und Frauen hier sterben ist eben Pech. Waren ja nur (schuldige) Weiße.

Hier geht es nicht um die Afrikaner.

Hier geht es um uns.

Um unser falsches Leben, um unsere Wohlstandsschuld und die Linken und Gutmenschen können das nicht ertragen und rufen nun nach offenen Grenzen, um dieses Schuldgefühl zu lindern.

Das dabei die Gesellschaft hier unter Druck gerät? Egal.. Hauptsache man kann die narzisstischen Bedürfnisse ausleben, gut zu sein.

Es wird IMMER Menschen geben, die aus Ländern fliehen. Aus der DDR sind sie geflohen, aus Polen, aus der Sowjetunion, aus Mexiko fliehen sie, aus den Philippinen, aus Vietnam, aus Brasilien.. heute fliehen auch Menschen aus Deutschland...

Flucht und Migration gab es schon immer. Weil es schon immer unterschiedliche Lebensverhältnisse gab. Und schon immer starben dabei Menschen. Drei Religionen fußen auf einer Migrationsbewegung aus erbärmlichen Verhältnissen ins gelobte Land.

Wenn man das Problem erkennen würde, könnte man es auch entsprechen ruhig und sachlich lösen. Auf vielen Ebene. Von Sofortmaßnahmen bis hin zu Langzeitstrategien. Das wäre alles möglich.

Nicht aber, wenn der Bedarf der neoliberalen Marktwirtschaft nach neuen Arbeitssklaven sich mit der Wohlstandsschuld der "Gutmenschen" verbündet.

Dann haben wir wirklich ein Problem. Wenn die nämlich die Oberhand gewinnen, ist das Europa von heute morgen Geschichte.

Und natürlich leben wir in einer ungerechten Welt und natürlich greifen wir im Westen zu viel ab und ja, wir wollen nicht teilen! Wir sind Süchtige!!! Wir brauchen für uns immer mehr.. immer mehr Waren, immer mehr Dienstleistungen, immer mehr Gewinn, immer mehr Konsum, immer soll es noch etwas mehr werden... und das stößt zunehmend an Grenzen.

Nur lösen wir diese Probleme nicht, wenn wir die Grenzen aufmachen und nun die Migration noch anheizen.

Um das Problem zu lösen, um die ganzen Probleme zu lösen, die Migration ist ja nur eines, bedarf es der Einsicht, dass es so nicht weiter gehen kann. Dass wir Süchtige sind, dass wir hier ansetzen müssen und erkennen müssen, dass wir mit dem aktuellen Wirtschaftssystem am Ende alles ruinieren.

Die Linken haben unrecht, wenn sie offene Grenzen wollen und jeden Afrikaner retten wollen, nur um sich selber narzisstisch gut zu fühlen, egal, was die Konsequenzen sind. Sie haben unrecht, wenn sie die Rechten als "Schuldige" ausmachen und mit Hass reagieren, wenn jemand ihr "gut sein" behindert. Nein, sie sind Teil des Problems und selber an der Misere beteiligt. Viele urbane Linke und Grüne gehören zu den wohlhabensten Schichten in D. Kein Wunder, dass hier die Wohlstandsschuld am ausgeprägtesten ist und man hier am Lautesten fordert.

Die Rechten haben unrecht, wenn sie alles zunageln wollen, den Wohlstand nicht teilen möchten, sagen, die Schwarzen haben eh noch nie was zusammengebracht und sich in rassistischen Hass ergeben. Das bringt uns auch nicht weiter... weil auch hier die gleiche süchtige Konsumgesellschaft gelebt wird.

Die Neoliberalen haben Unrecht, wenn sie immer mehr Wachstum organisieren wollen / müssen und nicht merken, was das für Auswirkungen hat und wenn sie sich wie gierige Süchtige aufführen, zunehmend ohne Rücksicht auf Verluste und Zerstörung.

Wir müssen erkennen, dass wir teilen müssen und dass das Wohlstandsverlust bei uns bedeutet.

Das ist es nämlich was nie gesagt wird: Fluchtursachen bekämpfen heißt Wohlstand abgeben!

Wohlstand basiert auf Arbeit, Innovationen und Ressourcen.

Täglich bedarf es knapp 14 Milliarden Liter alleine an Rohöl, um den Laden weltweit am Laufen zu halten. Diese Ressourcen sind die Grundlage des Wohlstandes und der ist eben immens ungleich verteilt.

Wenn wir wirklich brüderlich teilen würden, so dass eben auch Afrika, Asien usw, also so dass die Armen wirklich was davon haben, dann leben wir hier wie 1910 oder in welchem Jahr auch immer 1,8 Liter pro Kopf und Tag verbraucht wurden.

Daran sieht man mal, vor welchen immensen Aufgaben wir stehen.

Nur kann eine Lösung, wie gesagt, die Migration ist eines von vielen, alleine in Sachsen-Anhalt hier ist seit drei Monaten Sommer ohne Regen, kann nicht aus dem hochgradig süchtigen neoliberalen System gelöst werden. Noch kann es aus einem Schuldkomplex heraus gelöst werden, noch mit Abschottung und Sturmgewehren an den Grenzen.

Und tragischerweise sehe ich niemanden, der hier neue Ideen und Visionen auf die große Bühne bringt.

Also werden wir weiterhin, vllt bis wir uns gegenseitig totschlagen, streiten, zwischen arm und reich, rechts und links, Migrationsbefürworter und Menschen, die das anders sehen, zwischen den Ethnien....

Wir müssen unser gemeinsames Problem verstehen und dass heißt: süchtige Wirtschaftsform, immenser Narzissmus und am Ende der Hass auf die jeweils andere Seite....

Das sind große Aufgaben. Und nirgends ist Land und Rettung in Sicht.

Ich frage mich gerade, wer hoffnungsloser ist... die Schwarzen in ihren Booten mit der Chance auf Rettung durch die NGOs oder wir im Westen, alleine mit all den unerkannten Problemen, der zunehmenden Spaltung innerhalb der Gesellschaft und süchtigen Kapitänen, ohne Hoffnung auf Verbesserung weit und breit.

Für alle, die es noch besser verstehen wollen: https://www.youtube.com/watch?v=CF32CpEqwkE&t=3198s

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (16.07.2018 22:25).

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