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  • Bengelbert

17 Beiträge seit 06.02.2016

Der Diesel ist am Ende ...

Ein sehr seltsamer Artikel. Hier einige Gegenargumente:

Technisch:
Inzwischen ist aufgrund technischer Verbesserungen am Benziner der Effizienzvorsprung des Diesels auf ca. 5 % für kleine und mittlere PKW zusammen geschmolzen: Beispielsweise emittiert aktuell als Diesel ein VW Golf nur noch ca. 2 %, ein VW Sharan nur noch ca. 9 % und ein Ford Focus nur noch ca. 1 % weniger CO2 als die sonst baugleiche Benzinvariante (siehe entsprechende Konfiguratoren im Internet). Technisch gesehen ist das CO2-Einsparpotential also marginal und verschwindet womöglich ganz, wenn man den höheren technischen Aufwand am Auto und bei der Treibstoffherstellung mit einbezieht.
Benziner emittieren deutlich weniger NOx als Diesel ohne SCR-Katalysator und erhalten demnächst endlich auch einen Rußfilter.
Egal ob Diesel oder Benziner: Die Elektromobilität wird kommen. Genau so wie die Photovoltaik ihren Weg in die Wirtschaftlichkeit gemacht hat.

Bundespolitisch:
Pro Liter fällt für den Diesel 18 ct weniger Energiesteuer an. Ein Liter Diesel hat etwa 12 % mehr Heizwert als ein Liter Super. Bezogen auf seinen Heizwert und damit Energieinhalt wird der Diesel sogar mit 26 ct pro Liter dem Benzin bevorzugt, würde man den Begriff "Energiesteuer" wörtlich nehmen.
CO2-Emission im Individualverkehr würde man am ehesten durch ein Tempolimit auf der Autobahn erreichen.

Betriebswirtschaftlich:
Die Autobauer brauchten den Dieselmotor auch für die immer größer und schwerer werdenden SUVs, um EU-Strafzahlungen zu entgehen. Denn in diesem übermotorisierten Segment hat der Diesel vermutlich noch signifikante Verbrauchsvorteile.
Klar, dass Daimler nicht mit Herzblut in die Elektromobilität investiert: Die Gewinne gehen als Dividende als Dividende an die Anteilseigner. Bei Tesla ist es genau umgekehrt: Die Anteilseigner investieren, geben also Geld, um die Elektromobilität voran zu bringen.

Ethisch/Moralisch:
Der Dieselbetrug, in dem neben VW, AUDI, Porsche aller Voraussicht nach auch Daimler verwickelt ist, ist rein hausgemacht: Man hat einfach viel zu kleine Harnstofftanks in die Autos gebaut. Folglich wurde die Abgasreinigung reduziert, damit das Nachfüllen nur alle 20-20 Tausend Kilometer nötig ist.
Für ein so emotional beworbenes Produkt wie ein Auto ist ein solcher Glaubwürdigkeitsverlust fatal.

Weltpolitisch:
Ist doch klar, dass China die Gelegenheit nutzt, den Deutschen die Technologieführerschaft im Automobilbereich streitig zu machen, und sich für Elektromobilität stark macht. Findet der technologische Wandel hierhin statt (wovon ich ausgehe), dann sieht es schlecht für die Deutschen aus. Da nützt es uns aber nichts, wenn wir weiter unbeirrt fossile Autos produzieren.

Fazit: Der Diesel ist längst tot, da Politik und Autokonzerne die damit verbundenen Probleme vergeblich aussitzen wollten.
Neue Trends haben sich im Automobilbereich immer in der Oberklasse angekündigt: Es werden selbst jetzt schon in Deutschland mehr Teslas als Daimler S-Klasse-Fahrzeuge verkauft.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (17.07.2017 22:14).

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