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  • chief mouser

681 Beiträge seit 19.04.2016

Roundhousekick gegen den Unsinn. Stattdessen Aufklärung USA, Diesel, Öl

Man weiß gar nicht, wo man bei dem ganzen im sommerlichen Fieberwahn daherdelirierten Unsinn zuerst die argumentative Hacke einschlagen soll.

Fangen wir an mit dem Ende des billigen Öls. Keine Ahnung wovon der Autor spricht, Öl sprudelt wunderbar, wird ständig neues entdeckt, Öl ist billig zu fördern und eine Technik namens fracking deckelt den Ölpreis nach oben und stopft der OPEC das Maul. Apropos OPEC: Der Irak (oder wie immer man dieses zerfailed statesgebiet nennen mag) fördert aufgrund kriegerischer Konflikte aktuell weit unter seiner Nennkapazitität. Und der Irak hat sehr viel Öl und v.a. hat sehr viel billig zu förderndes Öl. Sollte die irakische Ölproduktion durch die Vernichtung des IS und anderer Störenfriede wieder hochgefahren werden: Dann ist ja noch mehr Öl im Markt. Teurer wird es dadurch garantiert nicht.
Und wie der Autor vielleicht auch wissen könnte, sind 68% des Benzinpreises an der deutschen Tanke deutsche Staatssteuer und haben mit den Preisen für Rohöl an den Weltmärkten und den Preisen für Superbenzin ab Raffinerie Rotterdam absolut GAR NICHTS zu tun. Ohne Steuern könnte der Ölpreis sich verdoppeln und mein Sprit wäre billiger als aktuell.

Basisliteratur für den Autor und andere die es nötig haben:

http://www.ed-info.de/tankstellen/tankstellen_preise.htm

Zur Preisentwicklung von Rohöl siehe auch:

http://www.tecson.de/oelweltmarkt.html

***

Okay, der war einfach, das war quasi warm-up. Weiter gehts mit NummerZwo:

Selbstverständlich handelt es sich bei der kalifornischen VW-Phobie um einen Wirtschaftskonflikt zwischen den USA und Deutschland. Nur ist dieser Konflikt schon sehr alt, er existiert seit den 60er-Jahren: Chicken Tax. Im Kern geht es um das ungelöste Problem, daß die EWG heute die EU den Markt für Agrarprodukte aus den USA sperrt, bzw. mit hohen Zöllen belegt, was umgekehrt zu Strafzöllen auf deutsche Autos in den USA geführt hat. Leidtragender war schon damals VW.

https://en.wikipedia.org/wiki/Chicken_tax

Den akutellen Vorstoß von Kalifornien in Sachen VW-Feindschaft kann man auch als Reaktion auf die völlig unsachliche Anti-Hühner-Hysterie deutscher Dummökologen sehen: Denn genauso wie Kalifornien aktuell den deutschen und schwedischen Diesel verteufelt, genauso taten es besagte Ökoidioten vor ein paar Jahren in Deutschland als sie sauber gereinigtes Geflügel aus den USA als "Chlorhühnchen" brandmarkten. Die Schuld am Scheitern von TTIP liegt auf beiden Seiten des Atlantiks und sie ist zum NACHTEIL beider Seiten: Amerikaner müssen für gute Autos mehr bezahlen als nötig und Deutsche zahlen für Essen zuviel, es ginge besser und billiger, wenn es keine Handelsschranken zwischen Deutschland und den USA gäbe. VW soll sich bei Greenpeace, Attac und ähnlichen Dumpfborsten bedanken, das sind die eigentlichen Schuldigen.

I.d.S.: Get your chicks on route 66...

***

So und nun noch was zum Diesel in den USA:

Der Diesel war in den USA außerhalb von LKW, selbstfahrende Arbeitsmaschine, Traktor, Schiffen, Bussen, Bagger usw. eigentlich nie wichtig in den USA, eine winzige Nische im PKW Markt, vertreten noch bei großen SUV. Die VW-Geschichte hat da natürlich nicht geholfen. 2017 bis jetzt sind gerade mal noch 0,1% der amerikanischen Neuzulassungen Diesel, 2016 war es 1%. April 2017 wurden 9300 Diesel in den USA verkauft. Das sind 0,66% aller dort verkauften Autos in diesem Zeitraum. Hybridfahrzeuge waren mit einem Marktanteil von 2,2% erfolgreicher, der Diesel nährt sich in Riesenschritten den Verkaufszahlten von Elektroautos (0,42% in Apr. 17)

http://www.hybridcars.com/april-2017-dashboard/

Ähnlich ernüchternd:

https://www.bloomberg.com/news/articles/2017-05-10/with-mercedes-exit-u-s-diesel-car-market-shrinks-even-more

Die USA wollen ihre Benziner und dafür gibt es auch gute Gründe:

- Diesel sind einfach teurer als Benziner. Deutlich. Schon beim Kauf sind sie teurer und bei der Wartung erst Recht. Jede Werkstatt in den USA kann Benziner. Aber Diesel, das kann nicht jeder, das will nicht jeder machen. Das gilt natürlich besonders für die billigen Hinterhofwerkstätten. Die kennen sich nicht mit Diesel aus, da verdienen die auch nix dran, die schicken jemanden mit Diesel in die VW-Vertragswerkstatt. Eine VW-Werkstatt betritt man genau einmal: Man kommt rein als wohlhabender Mann und verläßt den Laden als Armenhäusler am Bettelstab mit Hungertuch. Vollkommen unattraktiv sich ein Auto zu kaufen, das nur der Wolfsburger Apotheker repariert und nicht der billige Schrauber.
- Es gibt natürlich auch nur wenige Dieseltankstellen in den USA.
- Sprit ist in den USA sehr viel billiger als hier, die Steuern sind einfach deutlich niedriger. Das Argument, daß man als Vielfahrer mit dem Diesel was spart, ist einfach in den USA nicht zugkräftig. Zumal Diesel in den USA auch gerne mal *TEURER* als Superbenzin ist.

https://www.eia.gov/tools/faqs/faq.php?id=9&t=5

Preisvergleich:

https://www.eia.gov/dnav/pet/pet_pri_gnd_dcus_nus_w.htm

WICHTIG hierbei: Preise in USA pro Gallon, nicht pro Liter. Midgrade entspricht ungefähr E5 Superbenzin. Dein Tankort. Reformulated areas sind Gebiete, in denen ein spezieller (und deutlich teurerer!) Sprit verkauft wird. Angeblich verbrennt er besonders umweltschonend. Karte hier:
https://www.eia.gov/petroleum/gasdiesel/images/reformulated-v3b-waz.png

So.
Soweit erst mal

cm

ps: Ein Argument haben die Amerikaner außerdem noch, um VW jederzeit in die Pfanne hauen zu können, völlig unabhängig vom Diesel: Noch immer gehört VW zu 20% dem deutschen Staat (nämlich dem Land Niedersachsen) und aufgrund dessen und besonders aufgrund des VW-Gesetzes hat der Staat sehr viel Einfluß auf VW. VW gehört mal gründlich privatisiert.

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