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  • Mathematiker

mehr als 1000 Beiträge seit 22.02.2014

Fast alle Deutschen werden immer ärmer

Die Autoren sollten sich einen neuen Job suchen, weil bei ihnen
offensichtlich elementare Mathematik und Statistik-Kenntnisse fehlen,
bzw. diese zu faul waren ihre steilen Thesen wenigsten vorher
selbstkritisch zu überprüfen. Dies sind aber, völlig unabhängig vom
Ressort, elementar wichtige Voraussetzungen für einen guten
Journalisten.

Natürlich taugt die 60% Schranke überhaupt nicht für die Bestimmung
von Armut.
Ein Problem hierbei sind die stark unterschiedlichen
Lebensverhältnisse und die einkommensbezogene Umverteilung. So kann
z.B. auch ein Hartz IV'ler z.B. in München über die magische
60%-Grenze fallen, weil der Staat hier die Kosten Wohnung bis 590€ KM
(590€+364€ RS = 954€) übernimmt. Es gibt auch etliche Goodies für
Minderbemittelte, welche den Abstand zu den Besserverdienenden
nivellieren können. Das geht bis zum staatlich subventionierten
Hausbau. So verwöhnen die Politiker gerne auf Kosten der
Mittelschicht ihre Wählergruppe. (Dies gilt fairerweise auch für
bestimmte Angehörige der Mittelschicht, bei denen z.B. die
Anschaffung von Solaranlagen oder Windrädern auf Kosten der Anderen
subventioniert wird.)

Ebenfalls bleibt bei diesen Armutsberechnungen das Vermögen der
Beteiligten völlig außen vor. Wer hat, kann auch mit viel weniger
auskommen. 

Man sollte sich lieber mal die Frage stellen, was Armut wirklich
bedeutet. Sehr viele Goodies, die früher Wohlstand ausmachten, sind
heute auch im Prekariat verbreitet. Mit Handy, Laptop, Internet-Flat
oder Smartphone lockt man heute niemanden mehr hinter dem Ofen
hervor. Selbst ein 60 000 € teurer Wagen der Mittelklasse sichert
keinen realen Vorsprung gegenüber dem 5 Jahre alten Kleinwagen eines
Geringverdieners. Auf der anderen Seite enteilen die wirklichen
Wohlstandsindikatoren, wie eine gute und gesunde Wohnlage immer mehr
den Leute, die sich diesen Wohlstand selber erarbeiten müssen. 

Fragt man in anderen Staaten nach, was dort bei armen Menschen
fehltver, kommt an erste Stelle das Thema Sicherheit, sowohl
Gesundheit, Schutz vor Willkür und Kriminalität, als auch vor dem
sozialen Absturz.

Dank der Hartz IV-Reformen kann heute fast jeder auf Hartz IV bzw.
später die Grundsicherung fallen. Dank der Rentenreform werden ab
2030 rund 40 % der Rentner eine Rente auf Grundsicherungsniveau
bekommen. = Das absolute Minimum, was gerade zum Überleben reicht.
Von einer "Teilhabe" braucht man da nicht mehr zu sprechen.

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