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  • poetenoir

31 Beiträge seit 15.03.2018

ich meine eher, dass

Journalismus gar nicht nur 'subjektiv' sein kann. Stellen wir uns vor, ein Journalist würde bei seiner Berichterstattung anfangen, von den Empfindungen, Gefühlen und sonstigen subjektiven Befindlichkeiten zu reden, die er beim Bezug auf das Objekt empfindet.
Es geht gar nicht um die Unterscheidung zwischen objektiv und subjektiv, wenn man sich damit auseinandersetzt, was Journalismus zu sein hat. Denn er ist beides.
Kein Journalist, sofern er ein menschliches Wesen ist, wird sich vom seinem Subjektsein lösen können, wenn er sich auf das Objekt bezieht, wovon er zu berichtetn hat. Natürlich wird es immer subjektive Anteile der Berichterstattung geben, die aber nicht an dem an seine Arbeit gestellten gesellschaftlichen Anspruch etwas ändern, die Öffentlichkeit wahrhaftig zu informieren. Das Problem stellt sich erst dann, wenn dieser Anspruch unterminiert wird, indem diese Arbeit privatisiert wird. Denn das Problem, vor dem wir stehen, wenn wir von 'Meinungsmache', Propaganda und 'Lügenpresse' reden, besteht darin, dass der Journalismus nicht (mehr) seine ursprünglich gesellschaftliche Aufgabe wahrnimmt, sondern mächtigen privaten Interessen dient - opportunistisch oder unter Zwang -, welche sich u.a. auch in staatlichen Institutionen organisieren.
Stellen wir uns vor, an Stelle eines menschlichen Journalisten, würde eine Maschine, eine KI, die journalistische Arbeit leisten, abhängig von ihrer Programmierung könnte nur sichergestellt werden, dass sie sich 'interessenlos', also nicht von privaten Interessen geleitet, zur Sache stellt und von diesen Interessen unbeeinflusst berichtet. Aber dennoch wäre sie in ihrer Berichterstattung in ihrer Bezugnahme zur Sache durch die eigene Positionierung begrenzt, durch die Position in Zeit und Raum, die sie einnimmt, durch die Technik, die sie befähigt. Selbst für solche Maschine wäre die Berichterstattung nicht lückenlos und von einer vielzahl von kontingenten Faktoren abhängig, also 'subjektiv'. Aber darum geht es nicht, weil sich solche Subjektivität nicht ausschalten lässt. Was gesellschaftlich an Journalismus zu fordern ist, ist also nicht, dass er 'objektiv' sein soll bzw nicht 'subjektiv' sein darf, denn er ist stets seiner Funktion und seinem Wesen nach sowohl das eine wie das andere, sondern, dass er unabhängig von privaten Interessen seine Berichterstattung an die Öffentlichkeit leisten, und diese Unabhängigkeit transparent unter Beweis stellen muss.

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