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  • daraos

mehr als 1000 Beiträge seit 08.01.2013

Aufgabe der Psychiatrie

Was ist denn die Aufgabe der Psychatrie und Psychotherapie? Etwa, die Gesellschaft und Arbeitswelt zu verändern? Das ist wohl ein wenig zuviel verlangt. Von einem Chirurgen erwarte ich auch nur, dass er mich nach einem Autounfall zusammenflickt, und nicht, dass er sich um die Ursachen des Unfalls schert.

Der Chirurg soll möglichst gut verstehen, wie der Körper funktioniert, etwa wie eine Leber reißt und was das für Auswirkungen hat, so dass er entstandenen Schaden reparieren oder vermindern kann. Das erwarte ich von einem Psychiater und Psychotherapeuten in Bezug auf meinen Hormonhaushalt und mein Gehirn. Ich möchte nicht einfach nur gesagt bekommen, dass die Arbeitswelt, in der ich lebe, einfach zuviel negativen Stress erzeugt, sowie Kinder. Das ist so, als würde der Chirurg zu mir sagen, dass Autofahren gefährlich ist.

Jeder weiß, dass Autofahren gefährlich ist und dass negativer Stress krank macht. Die Gesellschaft und Arbeitswelt kann ich als Einzelner nicht beeinflussen, die Folgen davon für mich bekämpfen kann ich. Ich weiß auch, dass die moderne Lebensweise in der westlichen Welt bestimmte Zivilisationskrankheiten verursacht. Ich nehme das in Kauf, so wie ich die Gefahren des Straßenverkehrs in Kauf nehme.

Zur Pressemitteilung der Uniklinik Hamburg-Eppendorf:

https://idw-online.de/de/news?id=657592

Um der Entstehung und Entwicklung psychischer Störungen besser als bisher auf den Grund gehen zu können, sind leistungsstarke bildgebende Verfahren notwendig.

Ist natürlich BS, das würden sicher auch die involvierten Direktoren bestätigen. Dieser Satz stammt von der Pressesprecherin der Uniklinik. Wer erfahren will, was wirklich mit den Geräten erforscht werden soll, muss weiterlesen.

...insbesondere im Bereich der neurowissenschaftlichen Forschung in der Psychiatrie eingesetzt werden wird.

...noch besser als zuvor Prozesse der Schmerzverarbeitung im Gehirn und im Rückenmark gleichzeitig zu untersuchen und so die Entstehung von chronischen Schmerzen besser zu verstehen.

Mit dem neuen Großgerät, dessen Fertigstellung für September 2017 vorgesehen ist, können die Forschungsarbeiten der neuen Heisenberg-Professorin Dr. Simone Kühn aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie unterstützt werden. Kühn befasst sich insbesondere mit der Fähigkeit des Gehirns, sich strukturell und funktionell an neue Umgebungsbedingungen und neue Anforderungen anzupassen.

Da steht kein Wort darüber, dass es um die Ursachen psychischer Störungen geht. Es geht darum, zu verstehen, wie psychische Störungen sich auf das Gehirn und den Körper auswirken. Und das ist doch eine der Hauptaufgaben des Fachbereichs, oder?

Die Aussage "Die Psychologie wird politisch" kann ich nicht nachvollziehen. Sie wird ja gerade nicht politisch, da für sie nicht das soziale Gefüge das Forschungsfeld ist. Das ist Aufgabe der Soziologen!

Was bleibt der Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie also? Die Welt zu verändern kann nicht deren Aufgabe sein. Zumindest nicht mehr oder weniger als für jeden von uns. Also erforschen sie die Folgen, nämlich psychische Störungen (deren Definition auch nicht einfach ist). Und so wie ich dankbar dafür bin, dass es Schmerzmittel gibt, auch wenn sie die Ursachen des Schmerzes nicht bekämpfen, so bin ich dankbar für Mittel, die dabei helfen, mit psychischen Störungen zu Leben und die negativen Folgen unserer Zivilisation zu mildern. Alles andere ist nicht Aufgabe der Psychiatrie.

Der einzige, der hier politisch wird, ist der Autor :P

Ich denke übrigens nicht, dass "Deadline" mit "Todesstreifen" hier elegant oder gar korrekt übersetzt wird. Erstens gibt es den "Death Strip", den Todesstreifen an der Berliner Mauer, im Englischen. Zweitens würde ja hoffentlich auch niemand "Dead End" mit "Todesende" übersetzen. Ein wenig distanzieren öffnet den Blick für andere Ansichten.

Es ist ein großer Irrtum des Autors, folgendes zu glauben:

Man könnte freilich schmunzeln, dass solche trivialen theoretischen wie menschlichen Einsichten aus der psychiatrischen Forschung verschwunden sind; man könnte es für naiv halten, dass sie vor allem Gehirne von Menschen und Nagetieren untersuchen, statt Menschen in ihrer Umwelt;

Soziologie! Das ist das Berufsfeld, das hier gesucht wird und dem Autor nicht eingefallen ist. Warum zur Hölle sollten Psychiater Menschen in ihrer Umwelt untersuchen?

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